Geistlicher Impuls zu Klagelieder 3

zum 16. Sonntag nach Trinitatis, 19. September 2021

Dieser Sonntag steht unter dem Wochenspruch aus 2. Timotheus 1,10b. Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

Die Verse des vorgeschlagenen Predigttextes aus Klagelieder 3, 22-26.31-32 sind sehr bekannt. Beim Vorbereiten habe ich festgestellt, dass man diese Verse nur dann richtig verstehen und im eigenen Leben anwenden kann, wenn man sie im Zusammenhang des ganzen Kapitels liest. Deshalb werde ich in diesem Impuls und auch in der Predigt im Gottesdienst eine Auswahl von Versen dieses Kapitels nehmen, um dazu dann einige Impulse für uns heute zu nennen.
Die Klagelieder entstanden in der Situation großen Leids. Jerusalem, die Stadt Gottes, in Trümmern, Der Tempel, das Haus Gottes, in Trümmern. Das Gott so etwas zulässt, ja sogar die Feinde selbst sendet, unglaublich. Die Oberschicht des Volkes weggeführt. Mitten in diesen äußeren und inneren Trümmern des Lebens formuliert der Verfasser diese Worte. Wir können sie hören und die Trümmer damals vor Augen haben. Ebenso können wir sie hinein nehmen in unsere eigene Situation, oder in die Situationen dieser Welt, wo Menschen in unterschiedlichsten Leidsituationen fragen: Wo bist du denn Gott? Wo wird sichtbar, dass du dem Tod die Macht genommen hast?  Usw. Lasst sie uns langsam lesen und betrachten.
Klagelieder 3 (Gute Nachricht)
1 Ich bin der Mann, der viel gelitten hat unter den zornigen Schlägen des Herrn. 2 Ich bin es, den er vor sich hertrieb, immer tiefer in die dunkelste Nacht. 3 Immer nur mich traf seine Faust, Tag für Tag, ohne einzuhalten. 4 Er lässt meine Haut und mein Fleisch zerfallen und zerbricht mir alle meine Knochen. 5 Von allen Seiten schließt er mich ein, er umstellt mich mit Bitterkeit und Qual. 6 In Finsternis lässt er mich wohnen wie die, die schon seit langem tot sind. 7 Er hat mich ummauert und in Ketten gelegt, aus diesem Gefängnis gibt es keinen Ausweg. 8 Ich kann um Hilfe schreien, so viel ich will – mein Rufen dringt nicht durch bis an sein Ohr. 9 Er hat mir den Weg mit Steinen versperrt, sodass ich ständig in die Irre gehe.10 Wie ein Bär hat er mir aufgelauert, wie ein Löwe in seinem Hinterhalt. 11 Er hat mich vom Weg heruntergezerrt, dann hat er mich zusammengeschlagen. 12 Er hat den Bogen auf mich angelegt und mich als Ziel für seine Pfeile benutzt. 13 Pfeil auf Pfeil hat er abgeschossen und mir den Rücken damit durchbohrt.14 Die Leute meines Volkes lachen mich aus, täglich singen sie ihr Spottlied über mich. 15 Er gab mir die bitterste Kost zu essen und ließ mich bitteren Wermut trinken. 16 Er hat mich in den Staub gedrückt und mich gezwungen, Kies zu kauen. 17 Das ruhige Leben hat er mir genommen; ich weiß nicht mehr, was Glück bedeutet.
In eine solche Situation hinein versetzten kann sich nur ein Mensch, der ähnliche tiefe Erfahrungen, z.B. eine schwere Depression erleiden musste oder erleidet.  Jemand, der den Verlust von lieben Menschen, von Heimat, von (hier die eigenen schweren Erlebnisse nennen)……… verkraften muss.
Und als Folge dieser ausweglosen Situation, wo man nicht nur denkt, sondern sogar fühlt, dass Gott einen verlassen hat, da kommt es dann zu folgenden Aussagen:

18 Ich habe keine Zukunft mehr, vom Herrn ist nichts mehr zu erhoffen!
19 An all dieses rastlose Elend zu denken ist Gift für mich und macht mich bitter.
20 Doch immer wieder muss ich daran denken und bin erfüllt von Verzweiflung und Schwermut.

Was drückt dieser Mensch aus? Ich bin am Ende, ich kann nicht mehr. Alle meine Sicherheiten sind weg. Meine Hoffnung, das Gott auf meiner Seite steht ist verschwunden. Darf man so von Gott reden? Ja!! Denn Gott lädt uns ein, unser Herz vor ihm auszuschütten. Vor ihm können, ja müssen wir uns und ihm nichts vormachen. Er kennt unsere Situation. Er weiß, wie es um mich, ja um die ganze Welt bestellt ist. Denn, er hält die ganze Welt und auch meine Welt in seiner Hand. Zu diesem Ergebnis kommt auch der Verfasser dieser Zeilen:
21 Ich will mich an etwas anderes erinnern, damit meine Hoffnung wiederkommt: 22 Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben. Sein Erbarmen ist noch nicht zu Ende,23 seine Liebe ist jeden Morgen neu und seine Treue unfassbar groß. 24 Ich sage: Der Herr ist mein Ein und Alles; darum setze ich meine Hoffnung auf ihn. 25 Der Herr ist gut zu denen, die nach ihm fragen, zu allen, die seine Nähe suchen. 26 Darum ist es das Beste, zu schweigen und auf die Hilfe des Herrn zu warten.
Diesem Gott, der alles in seiner Hand hält, verdanke ich mein Leben. Ich würde nicht mehr leben, wenn er mein Leben nicht erhalten hätte. Dies muss uns eigentlich jeden Morgen, wenn wir wach werden bewusst werden. Wir erwachen zu einem neuen Tag, weil er es schenkt.  Seine Liebe ist jeden Morgen neu, auch wenn die Umstände, die uns an diesem Tag erwarten alles andere als schön sind. Die Frage ist ja, ob Gott wirklich mein ein und alles ist und ich deshalb auf alles verzichten kann, was mir in dieser Welt genommen werden kann. Damit wir besser mit den Herausforderungen des Lebens umgehen können gibt es nun folgenden Hinweis, der nicht leicht ist.

27 Für jeden Menschen ist es gut, wenn er schon früh gelernt hat, Last zu tragen.

Kinder und junge Menschen brauchen bestimmte „Belastungen“ in ihrem Leben, um für das kommende Leben gewappnet zu sein. Beides ist für sie nicht gut: Verwahrlosung aber auch Verwöhnung.
Hier folgt nun der Rat, wie wir mit Lasten umgehen sollen, die uns auferlegt werden. Es geht nicht um Lasten, die wir uns oft selbst auflegen.
28 Wenn der Herr ihm etwas auferlegt, soll er für sich allein bleiben und schweigen. 29 Er soll seinen Mund auf den Boden pressen – vielleicht ist doch noch Hoffnung auf Hilfe! 30 Dem, der ihn schlägt, soll er die Backe hinhalten und alle Schmach und Schande auf sich nehmen. 31 Der Herr verstößt uns nicht für immer.
32 Auch wenn er uns Leiden schickt, erbarmt er sich doch wieder über uns, weil seine Liebe so reich und groß ist.

Nochmals wird wiederholt, dass wir geduldig und schweigend ertragen sollen, was uns auferlegt ist. Unsere Hoffnung soll darauf ausgerichtet sein, dass unser himmlischer Vater uns, als seine geliebten Kinder im Blick hat. Die Zeiten werden sich ändern. Er wird kommen und eingreifen. Wann, dass sollen wir geduldig ihm überlassen. Doch gerade dies fällt uns sehr schwer, Geduld zu haben. Sein Erbarmen ist ohne Ende. Er kann nicht anders. Er wird immer wieder seine Barmherzigkeit uns Menschen gegenüber erweisen. Denn:
33 Es macht ihm selbst keine Freude, seinen Kindern Schmerz und Kummer zu bereiten.

Und nun kommen die Erklärungen, warum Gott Grund hatte, seinem Volk gegenüber strafend einzugreifen.
34 Alle Gefangenen in unserem Land wurden getreten und misshandelt; 35 unter den Augen des höchsten Gottes wurden sie um ihr Recht gebracht; 36 Unschuldige wurden verurteilt – und das soll der Herr nicht gesehen haben? 37 Wer sonst spricht ein Wort und es geschieht? Geschieht nicht alles auf seinen Befehl? 38 Wenn Glück oder Unglück über uns kommt, hat nicht der Höchste es angeordnet?

Es ist immer wieder gut, zu schauen, welches Unrecht wir Menschen einander antun. Vor allem zuerst schauen, welches Unrecht durch mich anderen geschehen ist. Für das, was uns angetan wurde und wird dürfen wir wissen, Gott sieht es. Er drückt da nicht einfach seine Augen zu. Er ist gerecht und wird einmal gerecht richten.
Doch wenn wir anfangen, vor Gott unsere Situation zu beklagen sollten wir am Ende des Klagens mit dem Verfasser dieser Zeilen zu folgender Erkenntnis kommen:
39 Mit welchem Recht beklagt sich der Mensch bei Gott? Gegen seine Sünde soll er Klage erheben!
40 Lasst uns unser Leben überprüfen und wieder umkehren zu dem Herrn!
41 Lasst uns die Hände zum Himmel strecken und Herz und Sinn zum Herrn hinwenden!
42 Wir haben gesündigt und dir, Herr, getrotzt und du hast uns die Schuld noch nicht vergeben

Keiner von uns hat Anrecht darauf sich vor Gott zu stellen und ihn anzuklagen. Er verbietet es uns nicht, er kann es aushalten, doch es wird uns nichts nützen. Es nützt uns nur, wenn wir unsere Lage selbst richtig einschätzen und erkennen, dass wir schuldig geworden sind an Gott und an unseren Mitmenschen. Wir können uns dabei aber darauf verlassen, auch wenn Jerusalem und der Tempel zerstört wurde, auch wenn es dem äußeren Anschein darauf hinausläuft, dass unsere Kirchen immer leerer werden. Gottes Güte lässt uns erleben, dass seine Gemeinde, seine Kirche nicht untergehen wird. Ebenso, wie sein erwähltes Volk nie verschwinden wird.
Und nun lasst uns das tun, wozu wir hier ermutigt werden. Miteinander umkehren zu diesem lebendigen Gott. Denn wir dürfen heute die Aussage von Vers 42 abändern und sagen: Wir haben gesündigt, doch du Herr JESUS CHRISTUS warst und bist gnädig und hast unsere Sünden am Kreuz getilgt. Uns ist vergeben, weil du uns liebst. Wir vergeben einander, weil deine Liebe uns erfüllt. Wir schauen auf dich, du wirst kommen. Halleluja!
Amen!

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Lukas 17,5-6

zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 12. September 2021

Die Jünger erleben, dass Jesus im Auftrag seines himmlischen Vaters und im Vertrauen auf ihn große Wunder vollbringt und Dinge geschehen, die unerklärlich sind. Ein Feigenbaum verdorrt auf der Stelle, weil Jesus dies befiehlt (Mt 21,2-22). Ich denke, dass deshalb in ihnen der Wunsch aufsteigt, für ihren Dienst auch solch einen Glauben haben zu können. Denn sie mussten schon erleben (Mt 17,20), dass Dinge nicht geschehen und Jesus sie als Kleingläubige beurteilt. So können wir verstehen, dass sie nun mit einem Wunsch zu Jesus kommen.

5 Die Apostel baten den Herrn: »Gib uns doch mehr Glauben!«6 Der Herr antwortete: »Selbst wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum hier sagen: ›Heb dich samt deinen Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹, und er würde euch gehorchen.« 7 »Angenommen, einer von euch hat einen Knecht, der ihm den Acker bestellt oder das Vieh hütet. Wenn dieser Knecht vom Feld heimkommt, wird dann sein Herr etwa als Erstes zu ihm sagen: ›Komm und setz dich zu Tisch!‹? 8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: ›Mach mir das Abendessen, binde dir ´einen Schurz` um und bediene mich! Wenn ich mit Essen und Trinken fertig bin, kannst auch du essen und trinken.‹? 9 Und bedankt er sich hinterher bei dem Knecht dafür, dass dieser getan hat, was ihm aufgetragen war? 10 Wenn ihr also alles getan habt, was euch aufgetragen war, dann sollt auch ihr sagen: ›Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur unsere Pflicht getan.‹«

Dienen mit der Macht des kleinen/wachsenden Glaubens an den großen Gott

Vorbemerkungen: Es ist zu beachten, was uns vor diesem Text berichtet wird. Jesus sagt den Jüngern, dass sie einander immer wieder vergeben sollen. Auch Markus (Mk 11,22-23) schreibt in seinem Evangelium, dass sie Berge versetzen könnten, durch Glauben, wenn sie vor dem Beten einander vergeben haben und nicht daran zweifeln, dass Gott alles möglich ist.
Eine weitere Ergänzung bringt Paulus im 1. Kor. 13,2 wenn er dort schreibt, dass ein Glaube, der Berge versetzt nichts erreicht, wenn dabei die Liebe fehlt.

Doch nun zum Schwerpunkt in unserem Predigttext, dem Glauben.
Die Bitte, gib uns mehr Glauben, macht deutlich, dass wir Glauben nicht machen können. Wir empfangen ihn von Gott.  Jesus meint, dass wir nur einen Glauben so groß wie ein Senfkorn brauchen. Ein Senfkorn ist so klein und leicht, dass man davon 700 Körnchen braucht, um ein Gramm zu erreichen.
Der Maulbeerbaum ist besonders fest und tief verwurzelt. Wir würden hier als Beispiel eine Eiche nennen, die eine tiefe Pfahlwurzel im Boden hat.

Was ist Glaube?
Es ist ein wagendes und vertrauendes „Sich-Festmachen“ an Gott und seinen Zusagen, nachdem sich Gott zuerst dem Menschen zugewandt hat.
Glauben kann ich nicht experimentell erkunden oder mathematisch berechnen. Glaube geht über die Dimension des Wissens hinaus.
Glaube heißt in Beziehung treten. Beziehung kann nicht gemessen werden. Sie ist Wagnis, Zutrauen, willentlicher Entschluss. Glaube ist Vertrauen, Zutrauen ohne Beweis, ohne Sicherheiten.
Berge versetzen, Baum ausreißen ist hier symbolisch gemeint, wie an anderer Stelle, Auge ausreißen, Hand abhacken oder ein Kamel durchs Nadelöhr führen. Durch Glauben kann unmögliches geschehen.Welche Macht hat der Glaube? Dienen mit der Macht des Glaubens:

1.   Die Macht des großen Glaubens
In Rö 12,3 schreibt Paulus vom Maß des Glaubens, in Kol 2,7 von der Festigkeit des Glaubens. Jesus spricht in Mt 15,28 vom großen Glauben der kanaanitschen Frau, deren Kind er heilt, obwohl er zunächst sagt, dass er zuerst zu den Juden gesandt ist. Doch sie lässt nicht locker und er staunt darüber und handelt.
In Mt 6,30; 8,26; 14,13; 16,8; 17,20 spricht Jesus über die Kleingläubigkeit seiner Jünger.
Auf Gottes Seite ist alles vorhanden ist alles möglich, aber sie und auch wir trauen es ihm nicht zu.
Glaube an Gott ist Glaube an eine Person, deren Macht unendlich ist. Es ist nicht der Glaube an einen toten Gegenstand, dem wir Macht zuschreiben.
Gott kommt auf uns zu in seinem Wort (Rö 10,17 Glaube kommt aus dem Hören)
und im Abendmahl.
Sein Wort ist nicht nur zu betrachten, es redet mich an, spricht zu mir, ermutigt mich, tröstet mich, verwandelt mich. Gott will in mir Glauben wecken, stärken, mehren. Darum bitten die Jünger bei Jesus an der rechten Stelle. Denn Christsein ist Glauben. Glaube kommt aus der Begegnung mit Gott, sie ereignet sich in Christus. In ihm begegnet uns Gott, dies feiern wir auch im Abendmahl.
Glaube ist nicht nur Denken über Gott. Glaube bedeutet, von Gott, dem ewigen Schöpfer des Himmels und Erde etwas erwarten.
Mehr Glauben – sie konnten es nicht – immer wieder trauen auch wir Gott zu wenig zu. Wir hätten gerne den großen Glauben, der zuversichtlich erwartet was Gott tut. So wie Jesus selbst vom Vater alles erwartet und erbeten hat.

2.   Die Macht des Glaubens – des kleinen
Bergeversetztender Glaube wird uns nicht abverlangt, sondern er wird uns zugesprochen.
Es geht hier nicht nach dem Motto: Du hast noch keinen Berg versetzt? - Dann bist du kein gläubiger Christ.
Es geht hier nicht um die Kraft des Glaubens, die wir selbst in uns entwickeln könnten, um bei Gott etwas zu bewirken.
Es geht um Senfkornglauben. Das Senfkorn ist der kleinste mit den Augen zu sehender Gegenstand: 1 Gramm sind ca. 700 Körnchen. Der Glaube ist zwar klein, aber er glaubt nicht an die eigenen Möglichkeiten, er glaubt an Gott. Glaube sagt nicht, ich trau mir das zu, sondern ich traue es Gott zu.
Nur ein Fünkchen Glaube reicht, das Gottes Zusage mir gilt, dass ich ein Kind Gottes bin.
Ich kann nicht auf meine Bekehrung bauen oder weil ich einen großen Glauben habe, rettet mich Gott. Die Rettung gilt mir, weil ich mich glaubend, vertrauend an ihn hänge.
Dann gilt: Alles ist möglich, dem der da glaubt, der Gott alles zutraut Mt 9,23.
Der Glaube glaubt an die Entmachtung des Heillosen im eigenen Leben und im Leben des anderen.
Jesus will Menschen, die von ihm etwas erwarten, die ihn glaubend und vertrauend herausfordern.
Soll dieser Senfkorn-Glaube nun klein bleiben oder wachsen?

3.   Die Macht des Glaubens – des wachsenden
Wir halten fest: Der Glaube ist ein Geschenk im Herzen des Menschen, im Zentrum des Menschen.
Glaube bleibt immer ein „Sichere-Schritte-Tun, obwohl kein Weg zu sehen ist, ein Hoffen, obwohl es aussichtslos ist, ein Nichtzweifeln, obwohl es verzweifelt steht, einen Grund haben obwohl man ins bodenlose tritt“ (Ebeling)
Glaube ist ein Loslassen der weltlichen Sicherungen und Stützen, ein wagendes Mitgehen mit Jesus.
Aber bei diesem Gehen macht der Glaubende Erfahrung. Dabei wird es immer wieder durch neue Anfechtung gehen – aber immer auch neues Durchhalten, Dranbleiben.
Deshalb gibt es dann folgende Aussagen in der Bibel und wir können aus dem eigenen Leben solches Erleben bezeugen:
2.Thess 1,3: Euer Glaube wächst sehr…  2.Petr 3,18: … wachsen in der Gnade und Erkenntnis Jesu.
Phil 1,9 ..., dass eure Liebe immer mehr überströme in Erkenntnis und aller Einsicht.
Wie wächst der Glaube? Dadurch, dass ich mich immer mehr an Jesus halte. Von mir und den anderen wegsehe auf ihn und seine heilende Macht, die Neues schaffen kann, wo ich nur Tod sehe.
Jesus weckt, provoziert durch sein Reden den Glauben in mir und dir.
Petrus, der Jesus auf dem Wasser gehen sieht, sagt: Jesus, wenn du es bist, dann kann ich das auch. Und er geht die Glaubensschritte auf dem Wasser, bis er auf das Unmögliche sieht (auf die Wellen und das Wasser und nicht mehr auf Jesus) und der Zweifel kommt. Doch Jesus lässt ihn nicht untergehen. Er hält den Kleingläubigen fest.
Glaube wächst, wenn ich mich an Jesus halte. Dann darf ich erleben, dass er mein Leben im Glauben vollenden wird.
In Hebr. 12,2 wird uns gesagt, dass Jesus der Anfänger und Vollender unseres Glaubens ist. Darauf können wir uns verlassen. Ich wünsche euch mutige Glaubens-Schritte im Aufblick auf Jesus. Schaut auf ihn, nicht auf das Unmögliche. Bringt eure Gaben und Fähigkeiten ein, die Gott euch zum Dienst in der Gemeinde und an euren Nächsten geschenkt hat. Im Dienen wird euer Glaube wachsen und durch den Einsatz eurer Gaben wird Gott große Dinge im Leben von anderen vollbringen. Und ihr werdet sagen können, ich habe doch nur gemacht, wozu Gott mich befähigt hat. Traut ihm nicht zu wenig zu. Er hat auch in euch das Unmögliche bewirkt. Ihr lebt im Senfkorn-Glauben an ihn, der alle Macht hat. Amen.                   

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Markus 7,31-37

zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 22. August 2021

Der Predigttext schildert uns ein Ereignis im heidnischen Zehn-Städtegebiet am Ostufer des See Genezareth.
Jesus erweitert sein Handlungsraum und zeigt damit, dass er nicht nur zum Heil für die Juden gesandt wurde.
Er ist gekommen, um für alle Menschen das Heil, die Beziehung zu Gott wieder herzustellen.

31 Jesus verließ die Gegend von Tyrus wieder und ging über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das
Zehnstädtegebiet. 32 Dort wurde ein Mann zu ihm gebracht, der taub war und kaum reden konnte; man bat
Jesus, ihm die Hand aufzulegen. 33 Jesus führte ihn beiseite, weg von der Menge. Er legte seine Finger in
die Ohren des Mannes, berührte dann dessen Zunge mit Speichel (spuckte aus und berührte seine Zunge),
34 blickte zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Mann: »Effatá!« (Das bedeutet: »Öffne dich!«) 35 Im
selben Augenblick öffneten sich seine Ohren, seine Zunge war gelöst, und er konnte normal reden. 36 Jesus
verbot den Leuten, jemand etwas davon zu sagen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie
es bekannt. 37 Die Menschen waren vor Staunen ganz außer sich. »Wie gut ist alles, was er getan hat!«,
sagten sie. »Er gibt sogar den Tauben das Gehör und den Stummen die Sprache wieder.«

Jesus Christus will auch heute unser Arzt/Heiland sein …

1. … indem Er sich jedem Einzelnen zuwendet
Ein Taubstummer Mensch wird zu Jesus geführt. Er kann nicht reden, gibt nur Laute von sich, da zum
Sprache lernen das Hören notwendig ist. Die Menschen, die ihn zu Jesus bringen, erwarten, dass dieser ihn
durch Handauflegung heilen möge.
Doch was tut Jesus? Er will nicht als der handauflegende Wunderheiler bekannt werden. Er will eigentlich
gar nicht als Wunderheiler bekannt werden. Er verbietet sogar davon zu reden.
Und er handelt ganz anders. Zunächst ist zu beachten, dass er sich dem Taubstummen persönlich zuwendet,
ihn beiseite nimmt, um sich ihm allein, ganz individuell zuzuwenden.
Das ist Jesus. Er hat jeden einzelnen Menschen im Blick. Es geht ihm nicht um seine Person, sondern um
den der ihn als Heiland braucht. Er legt ihm nicht die Hände auf, wie er es in anderen Situationen getan hat.
Er drückt mit dem Finger auf die Ohren, um so zu verdeutlichen, dass sie aufgehen sollen.
Dann spuckt er auf den Boden. Dies kann als eine verachtende Handlung gegen den Feind, der alle
Zerstörung in dieser Welt wirkt, bedeuten. Oder er spuckt und berührt mit dem Speichel die Zunge.
Dies wird unterschiedlich übersetzt und gedeutet.
Doch beachtenswert ist seine Geste danach. Er blickt zum Himmel. Denn, was geschehen soll, das hat mit
Gott zu tun. Jesus tut seine Wunder als Bittender. Sein Ausruf „Effata = Öffne dich“ ist kein Zauberspruch,
sondern ist Flehen, Gebet, Bitte an seinem himmlischen Vater.
Das Wunder geschieht. Der bisher Taubstumme kann sofort hören und erstaunlicherweise richtig reden.
Was hat er erlebt? Menschen haben ihn zu Jesus gebracht. Dieser hat sich ihm persönlich zugewandt. Auf
ganz andere Art als erwartet. Keine Handauflegung. Jesus handelt bei jedem individuell. Er erlebte die
Zuwendung des Heilands. Er erlebte, wie Gott in Beziehung zu ihm tritt, und wie er dadurch schon heil
werden durfte. Er, der sonst ausgeschlossene, durch seine Krankheit gezeichnete, war bei Gott willkommen.
Und als Zugabe zu diesem Heil darf er die wunderbare körperliche Heilung erleben.
Jesus Christus will auch heute unser Arzt sein….

2. … indem er seine Macht erweist gegen den Zerstörer der Schöpfung.
Manche deuten diese Geschichte nur geistlich, da ja nicht alle Taubstummen geheilt wurden. Jesus wolle bei
uns die Ohren für sein Wort öffnen, damit wir es verstehen und uns dann ermutigen, davon reden zu können.
Ich denke, dass ist gewiss auch eine Wahrheit. Doch Jesus macht mit dieser und mit allen seinen
Wunderhandlungen deutlich, wer er ist und wozu er gekommen ist.
Er ist gekommen, um die Werke des Satans, des Teufels zu zerstören. Alle Wunder machen deutlich, welche
Macht ihm gegeben ist. Sie sind Zeichen dafür, dass er der verheißene Messias, der Retter ist, der von Gott
durch die Propheten verheißen wurde.
In seinem Dasein auf dieser Erde ist er ganz abhängig von seinem Vater, deshalb hebt er seine Augen auf,
um von ihm zu erbitten, dass Gott sich hier mit seiner Macht erweist gegen den, der alle Zerstörung und
Krankheit in diese Welt gebracht hat.
Jesus ist gekommen, um Gottes Herrschaft Bahn zu brechen. Im Aufstand gegen Gott haben wir Menschen
uns von ihm getrennt mit allen Folgen, an denen wir als Menschheit leiden. Denn in dieser Welt herrscht der
Satan, der Durcheinanderbringer, der Vater der Lüge und seine Mächte.
Doch Jesus ist in diesen Kampf eingetreten und hat Satan besiegt. Alles, was er an Zerstörung anrichtet,
macht er wieder heil. Dies zeigen die Wunderheilungen. Er ist gekommen, die Werke des Satans zu zerstören
(1.Johannes 3,8) und mit dem Finger Gottes treibt er die Dämonen aus (Lukas 11,20). Alle Machterweise
Jesu sind Kampfhandlungen. Es geht gegen den Zerstörer der Schöpfung. Gegen den, der die Menschen von
Gott weggebracht hat und sie von ihm abhalten will.
Wenn Jesus bei diesem Taubstummen ruft Effata=Öffne dich, so ist es ein Kampfruf. Denn, wenn sich die
Ohren öffnen und die Fesseln der Zunge lösen, dann ist die gottfeindliche Macht besiegt. Jesus ist Sieger.
Den endgültigen Sieg hat er am Kreuz errungen. Meine und deine Sünden wurden mit ihm ans Kreuz
genagelt und in den Tod gegeben. Satan hat kein Anrecht mehr, sie uns vorzuhalten bzw. uns anzurechnen.
Wir sind nicht mehr in der Sünde, in der Trennung von Gott gefangen. Die Fesseln sind gelöst und unsere
Ohren offen für Gottes Reden, für sein Evangelium, dass wir für uns hören und weitersagen dürfen.
Jesus hat uns das Heil erworben, dass uns auch der Tod nicht mehr rauben kann. Denn Gott hat sich in Jesus
auf unsere Seite gestellt. Wir müssen zwar, als Folge der Sünde, immer noch sterben, aber er hält für uns das
ewige Leben bereit.
Dies dürfen wir im Glauben festhalten, auch wenn wir zum Heil in Jesus nicht immer als Zugabe auch
Heilung von Krankheiten erleben sollten.
Denn die Frage bleibt: Warum aber hat Jesus damals nicht alle Menschen geheilt und tut es auch heute nicht?
Denn er will doch auch heute unser Arzt sein, doch ….

3. … nicht nach unseren Wünschen aber nach seiner Verheißung.
Wer aus diesem Predigttext und anderen Heilungswundern schließen würde, dass Jesus uns von allen
Krankheiten heilen wird, wenn wir ihm nur glauben, der übersieht die Wirklichkeit damals und heute.
Z.B. hat Jesus nicht alle am Teich Bethestha geheilt. Es gab zur Zeit Jesu viele die Heilung durch ihn erleben
durften. Aber es gab auch weiterhin noch Kranke.
Und vor allem hat er uns, Gott sei Dank, nicht genommen, dass uns alle die letzte Krankheit, das Sterben
treffen wird. Sonst müssten wir ja ewig in diesem irdischen Zustand weiterleben.
Jesus Christus will unser Arzt sein. Doch es geht hier nicht nach unserer Wunschvorstellung. Es geht nach
Gottes Plan.
Gott wollte von Anfang an eine Welt, in der wir mit ihm zusammen leben in ungetrübter Gemeinschaft mit
ihm, als Menschen untereinander und mit allen Geschöpfen. Doch wir Menschen haben uns gegen Gott
entschieden. Doch die Sehnsucht, die Beziehung zu Gott und untereinander zu erleben, ist bis heute in uns
drin. Deshalb sind durch Menschen auch viele Werke entstanden, die sich für die Schwachen einsetzen, nicht
nur bei den Menschen, sondern auch bei den Tieren. Auf der anderen Seite haben wir Menschen an anderen
Menschen und an der ganzen Schöpfung heftige Verbrechen begangen.
Hier spüren wir den Kampf in dieser Welt zwischen der Macht der Finsternis, die von purem Egoismus
geprägt ist und der Macht Gottes, der Liebe, die alles für den anderen einsetzt.
Gottes Herrschaft ist durch Jesus in diese Welt hineingekommen. Doch sie ist bisher nur in denen am Wirken,
die an ihn glauben. Sichtbar wird diese Herrschaft mit allen Folgen erst werden, wenn Jesus wiederkommt
und wirklich alles heil macht. Dies hat er verheißen. Bis dahin bleibt es aber nicht aus, dass er auch heute
Wunder der Heilung, der Befreiung wirkt. Lasst uns noch mehr dafür beten und darum ringen und sie
erflehen, wie Jesus es getan hat. Lasst uns aufsehen zu Jesus.
Lasst uns aber auf der anderen Seite die Hoffnung auf die Ewigkeit, auf die neue Welt nicht aufgeben, wenn
uns hier im Leben Schweres auferlegt wird. Sei es durch unser eigenes Handeln oder durch Menschen, die
uns das Leben schwer machen. Seine Verheißung, dass er kommen und alles neu machen wird, wird sich
erfüllen. Wir werden staunen wie die Leute damals.
37 Die Menschen waren vor Staunen ganz außer sich. »Wie gut ist alles, was er getan hat!«, sagten sie. »Er
gibt sogar den Tauben das Gehör und den Stummen die Sprache wieder.«

Am Anfang, als Gott diese Welt schuf, sah er alles an und es war sehr gut. Wir Menschen haben dies zerstört.
Doch am Ende werden auch wir sagen, was die Menschen damals gesagt haben: „Wie gut ist alles, was er
getan hat!“ Denn am Ende wird alles gut sein für die Menschen, die an Gott glauben und Jesus als ihren
Heiland im Leben aufgenommen haben. Wir vertrauen ihm, er, unser Arzt lässt uns nie los.
Amen.                                                              (Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Matthäus 7,24-29

zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 1. August 2021

Der Predigttext für diesen Sonntag bildet den Abschluss der „Bergpredigt“, die im Matthäusevangelium in Kapitel 5-7 zu finden ist. Einige Verse vor unserem Text finden wir die herausfordernde Aussage von Jesus in V. 21:  »Nicht jeder, der zu mir sagt: ›Herr, Herr!‹, wird ins Himmelreich kommen, sondern nur der, der den Willen meines Vaters im Himmel tut.
In der Bergpredigt greift Jesus unterschiedlichste Themen des geistlichen Lebens auf und zeigt auf, wie sie aus Gottes Sicht gesehen werden, was sein Wille ist. „Ihr habt gehört……, ich aber sage euch……“, so fordert er die Zuhörer immer wieder heraus. Worin sie dachten, sicher zu sein, werden sie verunsichert, denn so haben sie es noch nie gehört. Dies zeigen die letzten beiden Verse unseres Predigttextes:
28 Als Jesus seine Rede beendet hatte, war die Menge von seiner Lehre tief beeindruckt, 29 denn er lehrte sie nicht wie ihre Schriftgelehrten, sondern mit Vollmacht.
Die Zuhörer werden in ihrem Innersten getroffen und erschüttert. Wenn dies bei uns beim Hören auf Jesu Worte nicht passiert, dann ist unser Herz verschlossen. Lasst uns beten, dass unsere Herzen offen sind.
Bei den Schriftgelehrten und Pharisäern hatten die Leute gehört, wie ein korrektes Leben nach dem Gesetz aussehen soll. Es entstanden Traditionen mit vielen Ausführungsbestimmungen. Kaum einer blickte mehr durch. Und über vielen stand das Urteil, dass sie keine Chance bei Gott haben.
Jesu Rede war anders, sie traf ins Herz der Zuhörer. Seine Rede führte zur Umkehr. Sie ermöglichte die Umkehr zu Gott. Forderte aber auch die Umkehr, der vermeintlichen Heiligen, die sich auf der sicheren Seite sahen.
Hören wir nun auf seine letzten Worte der Bergpredigt
24 »Darum gleicht jeder, der meine Worte hört und danach handelt, einem klugen Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baut. 25 Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es nicht ein; es ist auf felsigen Grund gebaut. 26 Jeder aber, der meine Worte hört und nicht danach handelt, gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf sandigen Boden baut. 27 Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es ein und wird völlig zerstört.«

Jesu Worte hören und tun = Klugheit
Wer hörend handelt ist vorbereitet – weil…

1.Vorbereitet – weil er mit „Unwetter“ rechnet
Irgendwie stellte Jesus aber auch alles auf den Kopf. „Euch ist von euren Gelehrten gesagt …, ich aber sage euch … „, so hörte man ihn reden. Bisher war für die meisten seiner Zuhörer klar: Ich halte die Gebote. Ich habe noch keinen getötet, die Ehe nicht gebrochen, den Nächsten geliebt und meinen Feind gehasst.
Mein Lebenshaus ist in Ordnung und steht sicher. Nun kommt dieser Jesus und sagt: „Dein Lebenshaus wird einstürzen. Du hast keines der Gebote wirklich gehalten. Denn, wer zu einem anderen sagt, du bist ein Idiot, der hat das Gebot, du sollst nicht töten übertreten. Wer mit einer Frau in Gedanken, die Ehe gebrochen hat, der hat das Gebot übertreten. Du sollst nicht nur deinen Freund, sondern deinen Feind lieben usw.“
Matthäus 5,20: Denn ich sage euch: Wenn euer Leben der Gerechtigkeit Gottes nicht besser entspricht als das der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr mit Sicherheit nicht ins Himmelreich kommen.«
„Eure und ihre frommen Werke retten euch nicht im kommenden Gericht („Unwetter“).“ Denn davon ist hier die Rede, wenn Jesus von den auf das Lebenshaus hereinbrechenden Wassermassen spricht, so wie damals bei der Sintflut, durch die Gott die Welt gerichtet hat.
Euer Sorgenmachen ist Götzendienst, weil ihr eurem Besitz mehr Vertrauen schenkt als Gott.
Mit eurem Richten verurteilt ihr euch selbst. Denn eure Selbstgerechtigkeit wird keinen Bestand haben, wenn ihr euch vor Gott verantworten müsst.
Da stellt sich die Frage: Ist es wirklich klug so zu leben, wie Jesus es fordert und wie er es selbst gelebt hat?
Ein Leben einzig und allein ausgerichtet auf das kommende Reich Gottes. Jesus passt einfach nicht in die von den frommen Pharisäern und Schriftgelehrten geprägten Frömmigkeitswelt, die es sich hier bequem eingerichtet haben.
Ist es wirklich klug, diesem gelernten Zimmermann zu folgen, auf ihn zu hören?
Ja, Jesus kannte sich als Zimmermann im Häuserbau aus. Die Lebenshäuser der Menschen mögen äußerlich gleich aussehen, weil allen Menschen die gleichen Baumaterialien für ihr Leben bereitstehen.
Doch der Baugrund macht den Unterschied. Der Kluge, der auf Jesus hört, baut auf Felsen, weil er damit rechnet, dass das Gericht über sein Leben kommen wird, die Wassermassen, über sein Lebenshaus hereinbrechen werden.
Die Belastungsproben kommen schon im Verlauf unseres Lebens in unterschiedlichster Art, wenn einem der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Doch sie sind im Vergleich zum Gericht, welches kommen wird, nur eine Kleinigkeit, nur Vorgeplänkel. Auch wenn es heftig ist, wenn wir hier mitten in Leid, Krankheit, zerbrochenen Beziehungen oder anderen Nöten feststecken.
Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben und danach kommt das Gericht. Und im Gericht hat nur der Mensch bestand, der auf dem einzig wahren Felsen steht, auf Jesus Christus. Er hat sich auf dem Felsen Golgatha an meiner und deiner Stelle unter das Gericht Gottes über die Sünde der Welt gestellt. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden haben.
Wer hörend handelt ist 1. Vorbereit- weil er mit dem Gericht (dem Unwetter) rechnet

Wer hörend handelt ist
2. Vorbereitet – weil er einen sicheren Standpunkt hat
Wie bekommt nun das Haus die erforderliche Stabilität?
Jesus sagt, dass zum Hören, das Tun kommen muss. Wer auf Jesus horcht und ihm gehorcht, der wird mit einem Hausbauer verglichen, der sein Lebenshaus auf ein sicheres Fundament stellt. Keine Wasserflut kann dieses Haus wegreißen, denn es steht auf einem sicheren Felsen.
Jakobus beschreibt es in seinem Brief im 1. Kapitel:
22 Hört euch diese Botschaft nicht nur an, sondern handelt auch danach; andernfalls betrügt ihr euch selbst. 23 Denn wer sich ´Gottes` Botschaft zwar anhört, aber nicht danach handelt, gleicht jemand, der sein Gesicht im Spiegel betrachtet 24 und der, nachdem er sich betrachtet hat, weggeht und sofort wieder vergisst, wie er ausgesehen hat. 25 Wer sich jedoch in das vollkommene Gesetz vertieft, das Gesetz der Freiheit, und es ständig vor Augen hat, wer also das Gehörte nicht vergisst, sondern es in die Tat umsetzt, der ist glücklich zu preisen, denn er wird gesegnet sein bei allem, was er tut.
Jesus sagt in der Bergpredigt, dass man die wahren und falschen Propheten an den Früchten ihres Lebens erkennt (Matthäus 7,15-20).
Er fordert die Menschen, die ihm nachfolgen wollen, auf, dass zu sein, wozu er sie gemacht hat: Salz und Licht der Welt (Mt 5,16). Sie sollen lebenserhaltend, würzig und lebenserhellend wirken. Die Menschen sollen ihr Tun wahrnehmen und darüber zum Lob Gottes kommen.
Dies ist das Ziel für alles Tun des Menschen. Gott soll verherrlicht werden, die Menschen sollen nicht mehr auf sich und aufeinander schauen und einander beurteilen, sondern auf Gott, vor dem wir ohne Unterschied als Sünder stehen. Keiner ist gerechter als der andere. Keiner kann sagen, ich halte alle Gebote.
Doch vor allem Tun ist das Hören, das Zuhören, das Horchen wichtig.
Paulus schreibt in Römer 10,17: „Der Glaube kommt aus dem Hören, aus der Predigt und das Hören, die Predigt kommt aus dem Wort Gottes.“
Und bei diesem Hören werden wir erkennen, dass es ganz allein auf das Fundament unseres Lebenshauses ankommt. Es geht nicht darum, dass unsere Erfolge und Erträge im Leben besser sein müssen als die derjenigen, die nicht an Jesus glauben. Diese können sogar erfolgreicher sein. Ihr Lebenshaus mag einer Villa gleichen. Und der Beter von Psalm 73 kommt darüber ins Zweifeln, wenn er fragt, warum es dem Gottlosen besser als ihm ergeht, der sich an Gottes Ordnungen hält? Doch er kommt im Blick auf das Ende des Lebens zur freudigen Erkenntnis, dass er da besser dran sein wird.
Was uns und unser Lebenshaus bestehen lässt in den Stürmen des Lebens ist nicht dies, dass wir etwas anders bauen als unsere nichtchristlichen Mitmenschen, sondern, dass wir auf einem anderen Grund bauen, darauf nämlich, dass Jesus Christus selbst, indem er uns annimmt, uns vergibt und uns in seine Nachfolge ruft, uns ein neues Leben schenkt.
Das neue Leben, dass er durch die Gegenwart seines Heiligen Geistes in uns wirkt. Dieser leitet uns in allen Entscheidungen für unser Dasein hier. Von ihm geleitet setzen wir die uns von ihm geschenkten Gaben dazu ein, dass sie zum Segen für unsere Nächsten wirken. Wir leben horchend auf ihn und gehorchen voll Zuversicht und Freude. Denn nicht unser Tun rettet uns, sondern dass wir zu ihm gehören und auf diesem Felsen sicher stehen. Und wenn wir versagen sollten, so ist er gnädig und barmherzig und hält uns fest. Er lässt uns niemals los. So lasst uns fröhlich hörend, gehorchend handeln, dann kann kommen was kommen mag. Niemand und nichts kann uns aus seiner Hand reißen.
Amen.                                                (Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu 1. Korinther 1,18-25

zum 5. Sonntag nach Trinitatis 04. Juli 2021

Die Botschaft/Predigt/Verkündigung/das Wort des gekreuzigten Gottes

Paulus dankt am Anfang seines Briefes für den Glauben, den Gott in den Korinthern gewirkt hat und dass er sie mit allen Geistesgaben beschenkt hat. Doch dann muss er sie gleich ermahnen, eins zu bleiben und sich nicht spalten. Es gab Anhänger des Paulus, des Apollos, des Petrus, und dann sogar noch solche, die sagten, wir sind die wahren Christus-Nachfolger.
Paulus weist sie darauf hin, dass sie doch alle auf Christus getauft seien, nicht auf ihn oder die anderen Boten Gottes. Er ist dankbar, dass er selbst nur wenige getauft hat, weil Gott ihm dies nicht als Hauptauftrag gegeben hatte. Er sollte das Evangelium von Jesus verkündigen. Darauf legt er nun den Schwerpunkt. Es ist und bleibt die Aufgabe der Kirche, dieses Evangelium des gekreuzigten Jesus zu verkündigen. Paulus schreibt:
17 Denn Christus hat mich nicht beauftragt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden. Und das darf nicht mit klugen Worten geschehen, weil sonst der Botschaft von Christus und seinem Tod am Kreuz die Kraft genommen würde.   18 Mit der Botschaft vom Kreuz ist es nämlich so: In den Augen derer, die verloren gehen, ist sie etwas völlig Unsinniges; für uns aber, die wir gerettet werden, ist sie ´der Inbegriff von` Gottes Kraft. 19 Nicht umsonst heißt es in der Schrift: »Die Klugen werde ich an ihrer Klugheit scheitern lassen; die Weisheit derer, die als weise gelten, werde ich zunichtemachen.« 20 Wie steht es denn mit ihnen, den Klugen, den Gebildeten, den Vordenkern unserer Welt? Hat Gott die Klugheit dieser Welt nicht als Torheit entlarvt? 21 Denn obwohl sich seine Weisheit in der ganzen Schöpfung zeigt, hat ihn die Welt mit ihrer Weisheit nicht erkannt. Deshalb hat er beschlossen, eine scheinbar unsinnige Botschaft verkünden zu lassen, um die zu retten, die daran glauben. 22 Die Juden wollen Wunder sehen, die Griechen fordern kluge Argumente. 23 Wir jedoch verkünden Christus, den gekreuzigten Messias. Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die anderen Völker völliger Unsinn.24 Für die hingegen, die Gott berufen hat, Juden wie Nichtjuden, erweist sich Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 25 Denn hinter dem scheinbar so widersinnigen Handeln Gottes steht eine Weisheit, die alle menschliche Weisheit übertrifft; Gottes vermeintliche Ohnmacht stellt alle menschliche Stärke in den Schatten.

Die Botschaft/Verkündigung/Predigt des gekreuzigten Jesus ist
1.Sinnlose, unsinnige Weisheit (aus Sicht der Griechen)
Die Griechen hatten sich ihre Götterwelt mit ihrer hochstehenden menschlichen Weisheit erdacht. In ihr Bild und wir stellen immer wieder fest, auch in unser heutiges Bild von menschlicher Weisheit, passt es nicht, dass wir an einen Gott glauben sollen, der am Kreuz hängt.
Die Weisheit dieser Welt erschafft sich deshalb eigene Religionen. Die Welt ist voll davon. Doch es gilt zu beachten: Wenn wir Gott mit unserer Weisheit erklären könnten, dann würden wir ihn uns unterordnen und könnten über ihn verfügen. Doch dem ist eben nicht so. Er ist Gott und wir sind seine Geschöpfe. Und unsere Entscheidung als Menschen, selbst Gott sein zu wollen (Adam und Eva aßen vom Baum der Erkenntnis) hat uns unfähig gemacht, Gott zu erkennen. Aber in uns ist die Sehnsucht nach einer Beziehung zu Gott geblieben, weil wir immer noch seine Geschöpfe sind.
Beweisen können wir mit unserer Weisheit nur Weltliches, uns Verfügbares. Über Gott können wir nicht verfügen. Wenn er sich uns nicht offenbart, haben wir keine Chance, ihn zu erkennen. Und dieses Erkennen geschieht allein im Glauben. Es wird nur dem Glaubenden geschenkt.
In Korinth bestand die Gefahr, dass sich die Gemeinde spaltet, da die einzelnen Gruppierungen der Weisheit der unterschiedlichen Verkündiger folgten und sich voneinander abgrenzten. Dies ist eine Gefahr, die zu jeder Zeit die Gemeinde Jesu zersplittert hat.
Paulus muss sie darauf hinweisen, dass es nicht darum geht, irgendeinem geistlichen Leiter und seiner Weisheit zu folgen, sondern dem gekreuzigten Jesus Christus. Ihm nachzufolgen, reicht aus, um gerettet zu sein. Denn, durch die Taufe auf ihn ist unser altes Leben mit ihm in sein Sterben am Kreuz gegeben worden.
Wie dies geschieht, ist nicht mit menschlicher Weisheit zu erklären. Doch wir wollen es immer wieder erklären. Dies zeigt uns die ganze theologische Diskussion nicht nur über die Taufe, sondern auch über das Abendmahl. Wie Jesus darin wirkt ist unserem menschlichen Wissen verborgen.
Die Verkündigung des für unsere Sünde gekreuzigten und auferstanden Jesus hat nichts mit menschlicher Weisheit zu tun. Sie ist ja auch keine menschliche Erfindung, keine Religion. Es ist Gottes Rettungstat. Wer von ihr hört, kann eigentlich nur so reagieren, wie es Petrus tat (Lukas 5,1-11), als Jesus in seinem Boot predigte und er erkannte, dass dieser Mann von Gott kommt und deshalb nicht zu ihm als Sünder in sein Boot gehört. Doch Jesus geht nicht weg, er beruft ihn in seine Nachfolge. Und was macht Petrus. Er handelt menschlich gesehen unsinnig. Er verlässt seine Fischerei, seinen sicheren Broterwerb und folgt diesem Rabbi. Weil Gott sich ihm offenbart hat. Er konnte später sagen: Du bist der Messias, du bist der Retter, den Gott verheißen hat. Und er hat nach der Kreuzigung, Auferstehung und Erfüllung mit dem Heiligen Geist diese vermeintlich unsinnige Botschaft vom Retter am Kreuz verkündigt. Darauf steht die Gemeinde Jesus bis heute. Es gibt keine andere Grundlage.
Die Botschaft/Verkündigung/Predigt des gekreuzigten Jesus ist 1. Sinnlose, unsinnige Weisheit. Denn: Wenn ich die Bibel mit menschlicher Weisheit lese bzw. eine Predigt dazu höre, komme ich immer wieder zum Ergebnis, dass das ganze doch irgendwie keinen Sinn macht. Ich kann Gott und sein Handeln mit menschlicher Weisheit nicht begreifen und erklären. Ich kann es nur im Vertrauen auf ihn glauben und ihm folgen. Gerade auch dann, wenn dies den Spott der vermeintlich schlauen Menschen mit sich bringt.

Die Botschaft/Verkündigung/Predigt des gekreuzigten Jesus ist
2. Ohnmächtige Kraft (aus Sicht der Juden)

Der Einspruch der Juden gegen die Botschaft vom Kreuz ist im Grunde kein anderer. Beide (Griechen und Juden) erwarten von Gott, dass er sich erweist, dass er sich so zeigt, dass man ihn unmittelbar erkennen (mit unserer Weisheit) und erfahren (Zeichen und Wunder) kann. Dennoch ist es bei den Juden noch etwas Besonderes.
Der griechisch geprägte Mensch traut seiner Weisheit zu, von sich aus durch das Denken zu Gott zu kommen.
Der jüdische Mensch weiß, dass Gott im Himmel ist und wir auf der Erde. Wir können von uns aus nicht dorthin kommen.
Deshalb erwarten sie von Gott, dass er den Himmel aufreißt und herabfährt. Sich mit Zeichen und Wundern als diesen Gott erweist, an den sie glauben. Doch stattdessen wird der gekreuzigte Jesus, der gekreuzigte Gott verkündigt: Gott, unkenntlich verborgen, im Verzicht auf alle Macht, in bejammernswerter Schwachheit, im Scheitern und im Untergang.
Sie verlangen nach der Erfahrbarkeit und dem Sichtbarwerden der göttlichen Macht. Gemäß dem Motto: Wenn du wirklich Gott bist, dann zeige was du kannst. Wenn du Gott bist, dann steig vom Kreuz herunter.
Ja, dass würde ihnen und manchen von uns heute so passen, wenn sich Jesus auf diese Weise erniedrigt hätte und heute erniedrigen würde, um durch Zeichen und Wunder seine Macht zu zeigen.
Er tut es eben nicht. Wenn er es tun würde, wäre er nicht mehr Gott, sondern er würde zum Handlanger unserer egoistischen Wünsche und zum Erfüllungsgehilfen unseres Willens.
Das Ärgernis des Kreuzes zeigt sich in vielfältiger Weise auch in den Argumenten, die wir Menschen diesem vermeintlich ohnmächtigen Gott vorhalten.
Will Gott sich in dieser Welt nicht durchsetzen? Kann er es vielleicht nicht? Ist er an dieser Welt nicht mehr interessiert? Hat es sie aufgeben? Lässt er den Dingen ihren Lauf? Hat er mich vergessen? Usw.Sieht er denn nicht die Missstände in der Welt: Krieg, Hunger, Sklaverei, Machtmissbrauch von Herrschern in Ländern und in Familien, Missbrauch von Menschen, Krankheit (nicht nur Corona), Verlassenheit, Leiden an sinnlosen Schicksalen? Hiobs-Geschichten in verschiedenen Variationen.
Muss das alles so sein? Wenn ja, warum tritt Gott nicht in diese Situationen hinein und erweist sich als Halt für diese angefochtenen Menschen?
Im Gegenteil, er zeigt der angefochtenen und gequälten Welt im Geschehen von Karfreitag, wer er ist. Christus, der Gekreuzigte, in ihm allein ist Gott zu erkennen.
Paulus ist weit davon entfernt, uns und den Juden diesen Gedanken über die Schwachheit Gottes ausreden zu wollen. Er
selbst weiß aus eigener Erfahrung um Anfechtung. Er hat erlebt, was es bedeutet in der Nachfolge Jesu, das eigene Kreuz (Gottes Weg für ihn) auf sich zu nehmen und für Christus zu leiden. Er kann sogar schreiben: Wir rühmen uns der schweren Zeiten, der Trübsale, denn sie lassen uns noch mehr auf ihn vertrauen. Und im Blick auf Jesu Weg zum Kreuz sehen wir, dass Gott selbst, aus Liebe zu uns, die größte Trübsal für uns durchlitten hat.
Gott will in uns Glauben wirken. Dazu ist es nicht nötig, dass er sich mit Zeichen und Wundern und großer göttlicher Herrlichkeit zeigt. Wenn er dies tun würde, dann wäre Glaube nicht mehr nötig. Dann ginge es nur darum, dass dieser Gott unsere Erwartung für unser irdisches Leben erfüllt: Wohlstand und Gesundheit.
Er will unser Vertrauen gewinnen. Er will, dass wir darauf vertrauen, dass er uns durch Jesu Tod erkauft hat, damit wir jetzt schon hier in allen Anfechtungen und Schwierigkeiten dieses vergänglichen Lebens mit ihm leben. Das Ziel des ganzen ist ewiges Leben in Gemeinschaft mit Gott auf der neuen Erde. Die göttliche Kraft erscheint menschlich gesehen in Ohnmacht. Aber sie allein rettet. Wir werden es dann erkennen und sehen, wenn er kommt. Bis dahin, lasst uns diesem gekreuzigten und auferstandenen Herrn vertrauen.
Amen.                                                                                  

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu 1. Mose 50,15-22

zum 4. Sonntag nach Trinitatis 27. Juni 2021, Rache oder Vergebung?

In unserem heutigen Predigttext geht es um das Miteinander der Menschen, die Gott berufen hat, um zu seinem Volk zu gehören. Es ist ein Beispiel aus den ersten Jahrhunderten des jüdischen Volkes. Alles, was Gott mit diesem Volk tut, ist ein Vorbild für die Gemeinde Gottes, die er sich in Jesus Christus berufen hat. Wie gehen sie miteinander um, wenn sie einander Unrecht angetan haben? Die Vorgeschichte in Stichworten:
Jakob, der Sohn Isaaks und der Enkel von Abraham hatte 2 Frauen, 2 Nebenfrauen, 12 Söhne, davon ein Lieblingssohn der Lieblingsfrau Rahel, den Joseph. Weil sie neidisch sind auf den Lieblingssohn des Vaters, verkaufen sie ihn als Sklaven (fast hätten sie ihn ermordet) und erklären seinem Vater, dass er ein Opfer eines Raubtieres geworden sei. Vom Lieblingssohn zum Sklaven im Ausland, in Ägypten. Vom Sklaven, der im Gefängnis Jahre verbringen muss zum höchsten Mann neben dem Pharao in Ägypten.
Durch Gottes Weisheit bereitet er das Land auf eine 7-jährige Hungersnot vor. Er lässt Vorräte anlegen. Hungersnot herrscht auch in Josephs Heimat. Sein Vater Jakob schickt seine verbliebenen Söhne nach Ägypten, um Nahrung zu kaufen. Bei ihrer zweiten Reise gibt sich Joseph seinen Brüdern zu erkennen. Mit 130 Jahren zieht Jakob und die ganze Sippe nach Ägypten in den fruchtbarsten Teil. Ins Nil-Delta. Nach 17 Jahren stirbt Jakob. Seine Söhne begraben ihn in Kanaan im Grab, dass Abraham gekauft hatte und kommen zurück nach Ägypten. Folgendes geschieht:
50: 15 Weil ihr Vater nun tot war, bekamen Josefs Brüder Angst. «Was ist, wenn Josef sich jetzt doch noch rächen will und uns alles Böse heimzahlt, was wir ihm angetan haben?» 16 Sie schickten einen Boten zu Josef mit der Nachricht: «Bevor dein Vater starb, beauftragte er uns, dir zu sagen:  17 'Vergib deinen Brüdern das Unrecht von damals!' Darum bitten wir dich jetzt: Verzeih uns! Wir dienen doch demselben Gott wie du und unser Vater!» Als Josef das hörte, musste er weinen. 18 Danach kamen die Brüder selbst zu ihm, warfen sich zu Boden und sagten: «Wir sind deine Diener!» 19 Aber Josef erwiderte: «Habt keine Angst! Ich maße mir doch nicht an, euch an Gottes Stelle zu richten! Was er beschlossen hat, das steht fest!  20 Ihr wolltet mir Böses tun, aber Gott hat Gutes daraus entstehen lassen. Durch meine hohe Stellung konnte ich vielen Menschen das Leben retten.21 Ihr braucht also nichts zu befürchten. Ich werde für euch und eure Familien sorgen.» So beruhigte Josef seine Brüder, und sie vertrauten ihm. 22Josef, seine Brüder und ihre Familien blieben in Ägypten wohnen. Josef wurde 110 Jahre alt. 
17 Jahre haben sie miteinander gelebt, doch es war noch nicht zur Versöhnung gekommen. Joseph hatte vor 17 Jahren zu ihnen gesagt:
45:5 Aber ihr braucht euch nicht zu fürchten. Macht euch keine Vorwürfe, dass ihr mich hierher verkauft habt, denn Gott wollte es so! Er hat mich vorausgeschickt, um euch zu retten.  6 Schon seit zwei Jahren hungern die Menschen, und auch in den nächsten fünf Jahren wird man kein Feld bestellen und keine Ernte einbringen können.  7 Gott hat mich euch vorausgesandt, damit ihr mit euren Familien überlebt. Nur so kann ein großes Volk aus euren Nachkommen entstehen.  8 Nicht ihr habt mich hierhergeschickt, sondern Gott! Er hat mir diese hohe Stellung gegeben: Ich bin der Berater des Pharaos, und ganz Ägypten hört auf das, was ich sage. 
Joseph hatte den tieferen Zusammenhang erkannt. Gott kommt zu seinem Ziel auch und gerade mit den Menschen, die aneinander schuldig werden.
Wir werden aneinander schuldig, wir tun uns sogar so schlimme Dinge an, dass menschlich gesehen, nur Rache die Antwort sein kann.
In der Familie, am Arbeitsplatz (Mobbing), in der Nachbarschaft aber auch in der Gemeinde.
Ich möchte folgende Aussage an den Anfang meiner Ausführungen zu diesem Text stellen:
Gerade da, wo die Gemeinschaft in der Gefahr steht zu zerbrechen entsteht sie neu aus der Barmherzigkeit, weil wir auf alles Verurteilen verzichten.
Weil wir aneinander schuldig werden, nennt Paulus im Galaterbrief das Gesetz Christi:
6:2 Kümmert euch um die Schwierigkeiten und Probleme des anderen, und tragt die Last gemeinsam. Auf diese Weise verwirklicht ihr, was Christus von euch erwartet. 
Dies heißt doch, dass wir einander Lasten zu tragen geben. Gemeinschaft zu leben ist keine leichte Sache, sondern wird immer wieder zur Belastungsprobe. In diese Belastungsprobe kamen die Brüder von Joseph in ihren Gedanken. Unser Vater ist tot, vielleicht könnte Joseph jetzt auf die Idee kommen, sich zu rächen uns dafür zu bestrafen, weil wir ihm all das Böse angetan haben. Wieso kommen sie auf diesen Gedanken? War in den 17 Jahren nicht schon längst Gras über die ganze Sache gewachsen. (In den ersten 5 Jahren bestimmt nicht, denn da war Dürrezeit) Wenn wir die Jahre anschauen, so lesen wir nichts davon, dass die Brüder Joseph um Vergebung gebeten haben. Sie hatten das gütige Handeln Josephs stillschweigend hingenommen. Wir lesen nichts von Reue, Umkehr, Einsehen von Unrecht.
Joseph könnte wirklich sagen: Meine Rechnung ist noch nicht beglichen. Wirkliche Vergebung setzt voraus, dass der Schuldige um Vergebung bittet. Doch seit 17 Jahren ist dies nicht passiert.
Die Brüder handeln aus Furcht, nicht aus Schulderkenntnis. Sie schicken zuerst einen Unterhändler, berufen sich auf den Vater und auf den gleichen Gott, dem sie doch auch dienen. Doch galt dies nicht auch damals, als sie ihren Bruder sogar töten wollten.
Wir erkennen in den Brüdern uns selbst. Sie haben es sich mit ihrer Schuld bisher leicht gemacht. Es hatte keine Konsequenzen, aber, sie zeigen mit ihrem Vorgehen, dass sie den Ernst der Lage noch nicht begriffen haben.
Wie sieht dies bei uns aus? Wie gehen wir mit Schuld um?
Sind wir anders als die Brüder damals? Nein, wir Menschen sind alle so. Es ist nicht das Schlimmste, dass wir Schwächen haben, dass wir versagen, das wir es uns untereinander schwer machen mit unserer Bosheit, Lieblosigkeit, Kälte, Eigensucht, Lüge, mit lästerndem Gerede, mit Mangel an Einsatz, mit Habsucht, Rechthaberei usw.
Das sind alles heftige Dinge, doch viel heftiger ist, dass wir darin sitzen bleiben. Wir verteidigen unsere Situation bzw. finden andere, die Schuld daran sind, dass ich so bin bzw. so handeln musste.
Warum fällt es uns so schwer zum Bruder bzw. zur Schwester zu gehen? Warum kommen die bekennenden Worte nicht über unsere Lippen?
Warum entschuldigen wir uns immer wieder, anstatt unsere Schuld zu bekennen?
Nicht das zerstört die Beziehung zu Gott und untereinander, dass wir schuldig werden. Sondern, dass wir unsere Schuld entschuldigen und nicht kapitulieren, und wahre schmerzhafte Buße tun vor Gott und voreinander.
Schauen wir auf die Brüder und Joseph. Was macht Joseph? Er weint. Warum wird er nicht zornig über das Verhalten der Brüder? Findet er das Verhalten der Brüder so erbärmlich, dass man nur barmherzig sein kann?
Sein Verhalten ermutigt die Brüder selbst zu kommen.
Wie reagieren wir auf erbärmliches Verhalten von unseren Geschwistern, werden wir zornig (menschlich) oder weinen wir (von Gottes Geist gewirkt)?
Ich habe bei der Vorbereitung dazu einen wertvollen Satz gefunden:
Wer um den Sünder nicht weint, noch bevor er kommt, ist kaum in der Lage, ihm die Schuld abzunehmen, wenn er kommt.
Doch Joseph überrascht nicht nur durch sein Weinen, ein zweites überrascht:
V:19 Soll ich euch an Gottes Stelle richten bzw. Stehe ich an Gottes Stelle?
Joseph sagt damit: Nicht ich habe zu vergeben, Gott hat euch vergeben - Er hat aus eurem Bösen Gutes gemacht. Römer 8,28 ... denen, die Gott lieben müssen alle Dinge zum Besten dienen.
Nicht wir Menschen können Schuld wegnehmen. Nur Gott kann Schuld wegnehmen.
Obwohl Menschen Böses planen und die Reaktion Rache ist, plant Gott Gutes und vergibt: Rache oder Vergebung: Rache ist menschlich – Vergebung ist göttlich und deshalb Gottes Sache.
Deshalb können wir uns nicht selbst vergeben, sondern Jesus Christus musste an unserer Stelle gerichtet werden, damit er uns vergeben kann.
Jesus hat uns gelehrt zu beten: Vergib uns, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, unseren Eltern, Lehrern, Freunden, Geschwistern, Nachbarn usw. Gott hat sich in Jesus Christus für sie entschieden. In unserem Miteinander brauchen wir nur gelten zu lassen, was Jesus getan hat. Auch für meine Feinde.
Schauen wir nochmals auf die Geschichte der Brüder Joseph. Sie hatten keine vollkommene Reue gezeigt und dennoch war Gott ihnen gnädig. Dies gilt auch für uns heute: Gottes Güte treibt uns zur Umkehr. Gottes Güte macht mir und dir deutlich, dass ich schuldig bin und andere an mir schuldig werden, dass aber seine Güte für ihn und für mich gilt. Gott gedachte es gut zu machen (V. 20). Wozu? Jakobs Söhne sollten nicht zu Grunde gehen, sie sollten die Stammväter seines Volkes werden. Gott gebrauchte schon damals Sünder, um sein Reich zu bauen. Dies bedeutet es auch heute für uns.
Was können wir daraus lernen? Wir dürfen den anderen mit Gottes Augen sehen und erkennen:

  • Gott hat ihm bereits in Jesus Christus vergeben
  • wozu Gott ihn aus Gnaden machen und gebrauchen will

Noch einen Satz, den ich gefunden habe:
„Nichts bindet Menschen so fest zusammen wie dies, dass sie das Wunder aller Wunder, die Versöhnung, die Vergebung miteinander erfahren haben.“
Rache oder Vergebung? Gott will in dir und mir wirken, dass wir voreinander Schuld bekennen und einander vergeben. Denn er gedenkt es immer gut mit uns zu machen.  Amen.

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu 1. Korinther 14,1-12.23-25

zum 2. Sonntag nach Trinitatis 13. Juni 2021

Die Gemeinde in Korinth, an die Paulus diesen Brief schreibt, war eine sehr lebendige Gemeinde. In Kapitel 12 nennt Paulus, die Geistesgaben. In Kapitel 13 hält er fest, dass sie nur ihre heilsame Wirkung haben, wenn sie in Liebe gelebt und eingesetzt werden. In den Gottesdiensten ging es sehr lebhaft zu. Doch Paulus muss sie hinterfragen, ob sie wirklich damit das tun, was Gott durch sie wirken will? Ob sie, die Gaben des Geistes zielgerichtet gebrauchen?

1 Das soll also euer Ziel sein: ein Leben, das von der Liebe bestimmt wird. Bemüht euch aber auch um die Fähigkeiten, die uns durch Gottes Geist gegeben werden, und wenn ich das sage, denke ich vor allem an die Gabe des prophetischen Redens. 2 Wenn jemand in einer ´von Gott eingegebenen` Sprache redet, richten sich seine Worte nicht an Menschen, sondern an Gott. Keiner versteht ihn; was er – durch Gottes Geist gewirkt – ausspricht, bleibt ein Geheimnis. 3 Wenn jemand hingegen eine prophetische Botschaft verkündet, richten sich seine Worte an die Menschen; was er sagt, bringt ihnen Hilfe, Ermutigung und Trost. 4 Wer in einer ´von Gott eingegebenen` Sprache redet, bringt damit sich selbst ´im Glauben` weiter; wer prophetisch redet, dient der ganzen Gemeinde. 5 Ich wünschte, ihr alle könntet in Sprachen reden, ´die von Gott eingegeben sind`; aber noch lieber wäre es mir, ihr alle hättet die Gabe, prophetisch zu reden. Denn wer prophetisch redet, ist von größerem Nutzen für die Gemeinde als der, der in einer ´von Gott eingegebenen` Sprache redet, es sei denn, dieser gibt das Gesagte anschließend mit verständlichen Worten wieder; dann ist auch sein Beitrag eine Hilfe für die Gemeinde. 6 Stellt euch vor, Geschwister, ich würde bei meinem nächsten Besuch ´nur` in Sprachen zu euch reden, ´die von Gott eingegeben sind`! Was hättet ihr davon? Nützen wird euch mein Kommen erst dann etwas, wenn ich ´mit verständlichen Worten` zu euch spreche – zum Beispiel, indem ich eine Offenbarung, eine Erkenntnis, eine prophetische Botschaft oder eine Lehre weitergebe. 7 Denkt zum Vergleich an ein Musikinstrument, eine Flöte etwa oder eine Harfe. Wenn die Töne, die damit hervorgebracht werden, sich nicht deutlich voneinander unterscheiden, wie soll man dann erkennen, was auf der Flöte oder der Harfe gespielt wird? 8 Oder – um ein anderes Beispiel zu nennen –: Wenn ´vor einer Schlacht` die Trompete nicht ein klares Signal gibt, wer wird sich dann zum Kampf bereitmachen? 9 Genauso ist es nun auch, wenn ihr in einer ´von Gott eingegebenen` Sprache redet, statt verständliche Worte zu gebrauchen. Wie soll man da wissen, was ihr sagt? Eure Worte verhallen im Wind.10 Es gibt in der Welt eine Vielzahl verschiedener Sprachen, und jede ist dazu da, dass Menschen sich verständigen können. 11 Wenn ich allerdings die Sprache, in der jemand mit mir redet, nicht verstehe, bleibe ich für ihn ein Fremder, und er bleibt es für mich. 12 Was folgt daraus im Hinblick auf euch? Ich weiß, wie eifrig ihr euch um die Gaben bemüht, die uns durch Gottes Geist gegeben werden. Aber dabei muss es euer Ziel sein, vor allem die Gaben zu bekommen, die eine Hilfe für die ganze Gemeinde sind.

23 Stellt euch nur einmal Folgendes vor: Ihr seid als ganze Gemeinde am selben Ort versammelt und fangt alle an, in Sprachen zu reden, ´die von Gott eingegeben sind`. Und nun kommen Leute dazu, die noch nicht viel oder noch gar nichts vom Glauben wissen. Werden sie nicht sagen: »Ihr seid verrückt!«? 24 Und dann stellt euch vor, ihr alle verkündet prophetische Botschaften. Wenn jetzt jemand dazukommt, der vom Glauben nichts oder nicht viel weiß, macht alles, was ihr sagt, ihm bewusst, dass er ein Sünder ist. Durch alles, was er hört, sieht er sich zur Rechenschaft gezogen, 25 und seine verborgensten Gedanken kommen ans Licht. Er wird sich niederwerfen, um Gott anzubeten, und wird ausrufen: »Gott ist wirklich in eurer Mitte!«

Unser Lebensziel: Ein Leben, das von der Liebe bestimmt ist.

Gottes Liebe, sein Heil in Jesus Christus ist allen Menschen geschenkt, deshalb….

  1. … verschließen wir uns nicht, sondern öffnen uns
  2. … genießen wir dies nicht für uns selbst, sondern bauen andere und einander auf
  3. … verhüllen wir es nicht, sondern machen es verständlich

1.  Nicht verschließen, sondern öffnen:
Wir verschließen uns und unseren Glauben, wenn wir in einer Sprache Gott loben und preisen, die Außenstehende bzw. Besucher in unseren Gottesdiensten, nicht verstehen. Gott will, dass keiner verloren geht. In der Lesung aus Lukas 14,16-24 wird deutlich, dass bei uns auch die willkommen sein sollen, die von den Hecken und Zäunen kommen. Gottes Einladung gilt jedem Menschen. Ob sie bei uns willkommen sind zeigt sich auch daran, was sie empfinden, wenn sie uns im Gottesdienst erleben.

Ok, wir reden und singen in unseren Gottesdiensten nicht in anderen Sprachen. Das Sprachengebet haben wir meist den Pfingstlern überlassen. Aber wie sieht es mit den geistlichen alten Liedern aus, die ja einen wertvollen Inhalt haben? Verstehen die Menschen, die damit nicht aufgewachsen sind, was sie aussagen wollen?

Oder wie ist es mit den neuen Lobpreis- und Anbetungsliedern, die den König, das Lamm und den Löwen preisen? Wir singen da zwar mit Verstand und nicht mit vom Geist Gottes gewirkten fremdsprachigen Worten. Dennoch müssten die alten, wie die neuen Texte erklärt werden, damit sie auch verstanden werden.

Deshalb sollten wir immer sehr weise entscheiden, wie wir unsere Gottesdienste gestalten. Nicht nur wir Insider sollten uns darin wohl und angenommen fühlen, sondern auch solche, die einer neuen Generation angehören, bzw. in kirchenfernem Umfeld zuhause sind.

Ist dem so in unseren Gemeinden? Wo haben wir uns im Gewohnten verschlossen und ist es dringend dran, dass wir uns öffnen?

2. Nicht genießen, sondern aufbauen, ermutigen:
Jeder Christ ist durch den Heiligen Geist mit geistgewirkten Gaben ausgestattet, die er einsetzen soll, damit andere aufgebaut, ermutigt werden. Je mehr eine Gabe den nächsten im Blick hat, desto wichtiger ist sie.

In anderen, nicht selbst erlernten, sondern durch Gottes Geist gewirkten Sprachen, beten und singen zu können war und ist natürlich faszinierend. Und Christen, denen diese Gabe geschenkt ist, können davon erzählen, dass es für sie befreiend, stärkend und sogar heilend ist, wenn sie beten, ohne selbst zu verstehen, was sie reden. Deshalb kann Paulus schreiben, dass sie sich dabei an Gott wenden, und selbst im Glauben dadurch weiterkommen.  Sie genießen es für sich und werden dadurch stark im Glauben.

Doch, dies hilft zunächst der Gemeinde nicht. Es wirkt eher abstoßend, gerade für Interessierte.  Sie brauchen prophetische Rede (V. 3), die hilft, ermutigt, ermahnt und tröstet. Es geht hierbei um von Gottes Geist geschenkte Verkündigung in der erlernten Sprache. Verkündigung, bei der der Verstand nicht außen vor ist. Verkündigung in der Gottes Geist sich an den Geist des Menschen wendet. Dann geschieht es, dass Gemeindefremde zum Glauben kommen, weil sie erfahren, dass Gott im Gottesdienst zu ihnen redet. So ist es schon beim ersten Pfingsterlebnis geschehen, als Tausende die Predigt des Petrus in ihrer Sprache hörten.

Sie wurden ermutigt, umzukehren, um sich auf Jesus taufen zu lassen und so erfüllt mit dem Heiligen Geist dann selbst begabt zu werden. Und sie haben dann wieder anderen mit ihren Gaben gedient. Hätten sie aufgehört, dies zu tun, und alles für sich selbst genossen, dann gäbe es keine Gemeinde mehr.

Deshalb lasst uns unsere Fähigkeiten nicht für uns allein genießen, sondern lasst uns durch Gottes Geist geleitet einander ermutigen, aufbauen, helfen und trösten. Lasst uns die Liebe Gottes leben.

3. Nicht verhüllen, sondern verständlich machen:
Die geheimnisvolle Gabe, wie z.B. das Beten in von Gott geschenkten Sprachen hat nicht nur die Gemeinde in Korinth fasziniert, sie fasziniert noch heute. Durch sie spricht man Geheimnisse aus, die niemand versteht und dadurch auch niemand eine Hilfe ist. Nur derjenige selbst wendet sich dabei an Gott und erlebt, dass er dadurch in der Beziehung zu Gott wächst. Für andere nützt dies nichts, es sei denn, es ist jemand da, der übersetzt. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir fremdsprachige Lieder übersetzen.

Prophetische, durch Gottes Geist, an sein Wort gebundene Verkündigung bewirkt bei den Glaubenden Korrektur und bei den noch Ungläubigen, dass sie zum Glauben kommen. Denn Gottes Geist schaltet unseren Geist nicht aus, wenn wir zum Glauben kommen. Er verbündet sich mit ihm und ermöglicht ihm, das Geheimnis des Evangeliums in Kreuz und Auferstehung im Glauben zu fassen. Auch wenn dies weiterhin für unseren Verstand ein Geheimnis bleibt, weil es nicht erklärbar ist. Es erschließt sich uns durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Lasst uns beten, dass in unseren Gottesdiensten und Gemeinden, die Gaben Gottes zum Einsatz kommen. Damit wir vor allem durch geistgewirkte, prophetische Verkündigung als Gläubige getröstet, ermahnt/ermutigt und aufgebaut werden und Nochnichtgläubige das Wunder der Umkehr und des Glaubens erleben dürfen. Wenn Gott ihnen dann die Gabe schenkt in anderen Sprachen zu reden und zu beten, dann dürfen wir uns freuen, dass sie diese Gabe einsetzen können, um in der Beziehung zu Gott zu wachsen. Aber davor und daneben, lasst uns mit Verstand verständlich miteinander über Gottes Taten reden und ihn loben und preisen.  Amen!    

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Johannes 7,37-39

zum Sonntag Exaudi, 16. Mai 2021

Geistlicher Impuls zu Johannes 7, 37-39 zum Sonntag Exaudi, 16. Mai 2021

Laubhüttenfest – Weinernte – Das letzte der Erntefeste im Kalenderjahr – Gedenken daran, dass die Vorfahren auf ihre Wanderung durch die Wüste nicht in festen Häusern gewohnt haben, aber auch Gebet um Regen in  der kommenden Regenzeit, damit die nächsten Ernten wieder wachsen können. Gott hat die Erntefeste des Volkes immer mit Erinnerung an sein heilsgeschichtliches Handeln mit und an dem Volk verbunden. Und es hat nicht nur Bedeutung für dieses Volk und für ihr irdisches Dasein, sondern für alle Völker der Welt und Gottes Heilswirken für sie.

Doch hören wir, was an diesem Fest passiert, bei dem sich Jesu bisher nicht öffentlich gezeigt hat, obwohl seine Familie ihn dazu drängte, sich doch noch viel besser und mehr zu zeigen. Er hatte sich nach Galiäa, Nordisrael zurück gezogen, weil in Judäa und Jerusalem es für ihn schon gefährlich wurde. Seine Brüder waren schon nach Jerusalem gezogen. Er machte sich heimlich auf (V.10) den Weg. Und dann:
37 Am letzten Tag, dem größten Tag des Festes, trat Jesus ´vor die Menge` und rief: »Wer Durst hat, soll zu mir kommen und trinken! 38 Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren, wie es in der Schrift heißt, Ströme von lebendigem Wasser fließen.« 39 Er sagte das im Hinblick auf den ´Heiligen` Geist, den die empfangen sollten, die an Jesus glaubten. Der Geist war zu jenem Zeitpunkt noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in seiner Herrlichkeit offenbart worden war.

Jesus, der wahre Lebenswasserspender

Was für ein Auftritt von Jesus, dem sie in den Wochen davor schon nach dem Leben trachteten. Er war bisher heimlich dabei. Konnte vermutlich auch gut untertauchen im lauten Erntefest, dass bestimmt immer fröhlich gefeiert wurde. Doch nun am letzten Tag, passiert nach meiner Vorstellung folgendes: Gerade läuft die Zermonie, dass der Priester vom Teich Siloah einen Krug mit Wasser durch die von Menschen gesäumten Stadtwege zum Tempel bringt, um ihn dort mit der Bitte um Regen auf den Altar zu gießen. In die Stille dieser Prozession hinein ertönt plötzlich der Ruf von Jesus:

»Wer Durst hat, soll  zu mir kommen und trinken!

Und was für einen Wasseranbieter sehen sie? Er hat ja nicht mal Wasserkrüge bei sich stehen. Was soll denn das? Gott allein ist es, der uns Wasser schenken kann, darum bitten wir doch heute mit dieser Prozession. So wie er unsere Vorfahren in der Wüste mit Wasser versorgt hat, so soll er es weiter tun, dass erbitten wir von ihm.

In den Versen danach können wir lesen, dass die Leute darüber diskutieren, ob er der von Gott gesandte Messias sei. Doch seine Herkunft war doch Galiläa, dass kann also nicht sein.

Die Hohenpriester hatten schon Leute losgeschickt, die ihn festsetzen sollten. Doch sie getrauten sich nicht. Auch sie waren fasziniert, von dem, was Jesus sagte.

Ja, er war keiner der vermutlich sonst vorhanden Wasserverkäufer. Er spricht von einem anderen Durst.

Jesus, der wahre Lebenswasserspender -
1) Er ruft die zu sich, die nach wahrem Leben dürsten

Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren, wie es in der Schrift heißt, Ströme von lebendigem Wasser fließen.

Es geht ihm nicht um materielle Dinge, nicht um das  lebensnotwendige Trinkwasser und das Essen. Doch er knüpft bei diesem Fest daran an. So wie ihr von Gott, alles bekommt, auch den Regen für das Wachstum, so braucht ihr mich, um wirkliches Leben zu haben. Leben, dass von Gott mit seiner Liebe gefüllt wird. Leben, dass von dieser Liebe überfließend weiter gibt.

Er sagt nicht. Ihr habt doch Durst, seht es doch ein, deshalb kommt zu mir. Er bietet sich denen an, die selbst erkennen, dass sie ihren Lebensdurst bisher nicht stillen konnten mit all dem, was ihnen so angeboten wurde, bzw. worin sie aufgewachsen sind. Die merken, dass dies alles nur abgestandenes totes Wasser ist. Sie spüren in sich das Verlangen, nach wirklichem lebendigen, lebensfördernden Wasser.

Er zwingt niemanden zu dieser Erkenntnis. Er bietet an. Was bietet er an?

2) Er gibt das wahre Lebenswasser – seinen Geist
Johannes schreibt zu diesen Aussagen Jesus eine Erklärung:

Er sagte das im Hinblick auf den ´Heiligen` Geist, den die empfangen sollten, die an Jesus glaubten. Der Geist war zu jenem Zeitpunkt noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in seiner Herrlichkeit offenbart worden war.

Wie bekommt man dieses Lebenswasser von Jesus? Jesus sagt es selbst: Wer Durst hat, der komme und trinke. Das Trinken geschieht dadurch, dass ihr mir vertraut, dass ihr an mich als den lang ersehnten Erlöser, Messias, Retter glaubt.

So wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten gerettet hat und auf ihrer Wanderung durch die Wüste täglich mit Wasser und Nahrung versorgt hat. So will auch ich euch aus der Sklaverei der Sünde befreien und euch durch meinen Heiligen Geist auf eurem Lebensweg durch die Wüste des irdischen Lebens begleiten und versorgen, bis ihr ins verheißene Land, in die neue Welt einziehen werdet.

Das bedeutet, dass Jesus uns nicht mit irdischem Reichtum überfluten will. Nirgendwo verspricht uns die Bibel, dass Glaube an Gott reich macht. Er will uns mit seinem Geist erfüllen. Er will unser Herz mit Liebe, seiner Liebe füllen. Diese Liebe ist bereit alles für den Nächsten zu tun ohne dabei an sich selbst zu denken.

Deshalb, wer an Jesus glaubt und dadurch von diesem Lebenswasser trinkt,  der kann nicht anders als davon weiter zu geben, weil er uns überfließendes Leben gibt.

Jesus, der wahre Lebenswasserspender -
1) Er ruft die zu sich, die nach wahrem Leben dürsten

2) Er gibt das wahre Lebenswasser – seinen Geist
3) Wir geben davon weiter38 Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren, wie es in der Schrift heißt, Ströme von lebendigem Wasser fließen.

Als Christen sind wir befreit, von der Sklaverei sündigen zu müssen. Wir sind befreit davon eigenen oder fremden Lebenslügen, vermeintlichen Durstlöschern zu folgen. Diese Freiheit steckt wieder andere an. Auch sie wollen erfahren, wie und wo wir unseren Durst nach Leben stillen.

Da können wir ihnen nur sagen: „Kommt mit zu Jesus, glaub an ihn und „trinke“ ihn. Dies feiern wir hoffentlich bald auch wieder leibhaftig und spürbar im Abendmahl.

Kann es sein, dass Gott durch diese Corona-Pandemie uns und der Welt zeigen will, dass unser Vertrauen auf uns nicht die Hilfe ist, sondern dass wir umkehren zu ihm. Zu ihm, der das wahre Lebenswasser,  seinen Heiligen Geist für uns bereit hält. Wenn wir an glauben, dann wird  befreit von unserem Lebensdurst. Seine Liebe fließt in uns hinein und verändert uns. Sie fließt durch uns hindurch und verändert andere. Deshalb, lasst uns zu ihm rufen gerade am Sonntag Exaudi: Herr, höre meine Stimme. Herr, ich habe Durst nach deinem Leben, nach einem Leben in Verbindung mit dir. Herr höre meine Stimme.

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Johannes 21,1-14

zum Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2021

 

Den auferstanden Jesus zu erkennen, und an ihn glauben zu können ist ein Wunder. Diese Fähigkeit liegt nicht in uns. Er muss sich uns offenbaren. Und dies will er. Dies ist auch seine Absicht in dieser Begegnung mit den Jüngern am See Genezareth. Auch da erkennen sie ihn zunächst nicht.
Johannes 21,1-14: 1 Jesus zeigte sich seinen Jüngern später noch ein weiteres Mal. Er erschien ihnen am See von Tiberias, 2 wo Simon Petrus, Thomas – auch Didymus genannt – , Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und noch zwei andere Jünger zusammen waren. 3 Simon Petrus sagte: »Ich gehe fischen.« – »Wir auch«, sagten die anderen, »wir kommen mit.« Sie gingen zum Boot hinaus und legten ab, aber in jener Nacht fingen sie nichts. 4 Als es dann Tag wurde, stand Jesus am Ufer, doch die Jünger erkannten ihn nicht. 5 »Kinder«, rief er ihnen zu, »habt ihr nicht ein paar Fische für das Frühstück?« – »Nein«, riefen sie zurück, »nicht einen einzigen!« – 6 »Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus!«, forderte er sie auf. »Ihr werdet sehen, dass ihr etwas fangt.« Sie warfen das Netz aus, aber dann konnten sie es nicht mehr einholen, solch eine Menge Fische hatten sie gefangen. 7 Da sagte jener Jünger, den Jesus besonders liebte, zu Petrus: »Es ist der Herr!« Als Simon Petrus ihn sagen hörte: »Es ist der Herr«, warf er sich das Obergewand über, das er bei der Arbeit abgelegt hatte, band es fest und sprang ins Wasser, ´um schneller am Ufer zu sein`. 8 Die anderen Jünger kamen mit dem Boot nach, das Netz mit den Fischen im Schlepptau. Sie hatten es nicht weit bis zum Ufer – nur etwa hundert Meter. 9 Als sie aus dem Boot stiegen und an Land gingen, sahen sie ein Kohlenfeuer, auf dem Fische brieten; auch Brot lag dabei. 10 »Bringt ein paar von den Fischen, die ihr eben gefangen habt!«, forderte Jesus sie auf. 11 Da stieg Simon Petrus ins Boot und zog das Netz an Land. Es war voll von großen Fischen, im Ganzen hundertdreiundfünfzig. Und trotz dieser Menge riss das Netz nicht. 12 »Kommt her und esst!«, sagte Jesus. Die Jünger hätten ihn am liebsten gefragt: »Wer bist du?« Aber keiner von ihnen wagte es; sie wussten, dass es der Herr war. 13 Jesus trat ´ans Feuer`, nahm das Brot und gab es ihnen, und ebenso den Fisch. 14 Das war nun schon das dritte Mal, dass Jesus seinen Jüngern erschien, nachdem er von den Toten auferstanden war.
Dieser Text wirft bei den Theologen manche Fragen auf und bringt sie zu unterschiedlichsten Schlussfolgerungen. Vor allem die Frage: Gab es den wundervollen Fischfang nach erfolgloser Nachtarbeit zweimal (s. Lukas 5) oder wurde das erste Erlebnis hier in die Erzählung vom Fisch und Brot essen mit dem Auferstanden eingefügt.
Meine Überzeugung ist kindlich einfach: Es ist zweimal passiert und beim zweiten Mal für Petrus eine Erinnerung an seine erste Begegnung mit Jesus. Damals hatte er sein Boot zur Verfügung gestellt, damit Jesus vom Wasser aus zur Volksmenge am Ufer predigen konnte. Danach kam es auf Jesu Anweisung zum wundervollen Fischfang mitten am Tag, wo man eigentlich nichts fängt. Petrus erkannte dort zum ersten Mal, dass in der Person Jesu Gott bei ihm im Boot ist, deshalb seine Aussage: Geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch. Doch Jesus rief ihn in seine Nachfolge und prophezeite ihm, dass er von nun an Menschen fischen, Menschen für Gott gewinnen wird.
Es folgten dann die ca. drei Jahre in denen Petrus und die anderen Jünger (d.h. Ja wörtlich Schüler) viel mit Jesus erlebten und von ihm gelehrt wurden. Petrus, Johannes und Jakobus erlebten manches noch intensiver mit als die anderen.
Doch dann kam dieses furchtbare Ende. Nach dem herrlichen Empfang in Jerusalem eroberte Jesus in seiner göttlichen Macht nicht den Thron, um das irdische Reich Israel wieder aufzurichten. Er wurde zwar gekrönt, doch mit einer Dornenkrone und unschuldig verurteilt zum Tod am Kreuz. Ja, für Petrus wurde es schrecklich. Er hatte gesagt, dass er bereit ist mit Jesus zu sterben. Doch als es eng wurde hat er dreimal bezeugt, dass er diesen Jesus nicht kennen würde.
Nicht nur er, sondern auch die anderen Jünger waren verzweifelt. Wie sollte es ohne Jesus weitergehen. War er doch nicht der verheißene Messias, der Gottes neues Reich hier auf der Erde aufrichten wird?
Als die Frauen dann erzählten, dass er auferstanden sei. Glaubten sie ihnen nicht. Erst als er ihnen selbst begegnete konnten sie es fassen. Aber so richtig überzeugt schienen sie vermutlich immer noch nicht. Vor allem einer war nicht dabei gewesen, deshalb zeigte er sich ihnen ein zweites Mal, als Thomas mit dabei war.
Doch ihnen war immer noch nicht klar, was nun dran ist. So kommt Petrus auf die Idee, dass zu tun, was er von Jung an gewohnt war. Fischen. Die Idee finden Johannes und Jakobus und vier andere die hier genannt werden gut. Bevor wir hier in Depression versinken, lasst uns lieber etwas sinnvolles tun, mögen sie gedacht haben.
Doch das Ergebnis ist ernüchternd. Sie sind die ganze Nacht auf dem See und fangen nichts. Das ist frustrierend, auch wenn das immer wieder mal vorkam. Warum aber jetzt?
Ich denke es passt genau in das, was dann geschieht. Sie sehen einen Mann am Ufer. Wir wissen, dass es der auferstandene Jesus ist. Sie wissen es nicht. Es ist das dritte Mal, dass er sich ihnen zeigt.
„Kinder habt ihr nichts zu essen“, fragt dieser für sie fremde Mann. Frustriert müssen sie antworten: „Nein nichts, wir haben nichts gefangen.“
Dann kommt der Auftrag: Versucht es doch noch einmal auf der rechten Seite und ihr werdet etwas fangen. Sie werfen das Netz aus. Und das Wunder geschieht, das Netz wird übervoll. Johannes schnallt es als erster: „Es ist der Herr!“ Das kann nur er sein. Als Petrus das hört hält es ihn nicht mehr zurück. Er muss schnellstmöglich zu Jesus ans Ufer. Er springt ins Wasser. Die anderen kommen mit dem Boot und dem Netz im Schlepptau nach.
Und was sehen sie: Jesus hat schon ein Kohlefeuer gemacht. Brot und ein paar Fische sind darauf. Nun sollen sie noch von ihrem Fang bringen. Simon zieht das Netz ein und sie zählen 153 große Fische. Ein prall volles Netz, das aber nicht kaputt geht.
Und dann kommt Jesu Einladung: Kommt her und esst. Sie würden am liebsten sich versichern, ob er es wirklich ist in dem sie ihn fragen, doch keiner getraut sich. Warum? Sie wissen durch dieses Begegnung, dass er es ist. Begegnung mit Jesus damals wie heute bleibt immer ein Geheimnis. Doch in denen, die an ihn glauben ist die Gewissheit da. Er ist es, der hier bei uns ist. Wir können ihn aber nicht zum anfassen vorweisen. Es ist und bleibt ein Geheimnis des Glaubens, des Vertrauens.
Und dann reicht er ihnen Brot und Fische. Er gibt von dem, was er für sie, für uns hat und nimmt das mit dazu, was sie gefangen haben.
Zuerst hatten sie nichts gefangen, weil sie auf eigene Faust losgezogen sind. Dies kennen wir im Leben auch immer wieder. Wir tun Dinge und gehen Schritte, nach eigenem Gutdünken, nach eigener Erfahrung und sind frustriert.  Doch wir sollten auf den Auftrag Jesu hören. Was sagt er dir und mir, das wir es tun sollen. Sein Auftrag an Petrus war bei der ersten Begegnung, beim ersten wundervollen Fischfang: Du wirst Menschenfischer werden, du wirst in meinem Auftrag losziehen und Menschen für mich gewinnen.
Diesen Auftrag hat Jesus hier nochmals erneuert, als er sagte: „Werft das Netz aus“. Es ist der Auftrag zur Mission. Man kannte damals 153 Fischarten. Evtl. ist es der Hinweis darauf, dass durch die Mission alle Völker erreicht werden sollen. Oder der Hinweis, egal zu welcher Sorte Gemeinde wir uns halten, wir gehören alle in das eine Netzwerk, der von Jesus gerufenen.
Nach diesem Ereignis kommt es noch zu einem persönlichen Zwiegespräch zwischen Jesus und Petrus. Mit der dreimaligen Frage: Hast du mich lieb. Es erinnert Petrus bestimmt daran, dass er nach Jesu Gefangennahme dreimal gesagt hatte: Diesen Jesus kenne ich nicht. Er hatte Angst um sein Leben. Doch nun erlebt er, dass Jesus keinen aufgibt. Egal wie groß unser Versagen auch sein mag. Jesus lässt uns nicht los. Er geht uns nach. Zum dritten Mal zeigt er sich seinen Jüngern. Er will Gemeinschaft mit uns. Deshalb das Fisch und Brot essen. Er will Tischgemeinschaft mit allen. Egal welche Stellung sie in der Gesellschaft haben. Und er hat für uns einen Auftrag. Wir sollen andere in diese Gemeinschaft einladen.
Ich wünsche mir und euch, dass wir immer wieder diese Gemeinschaft mit Jesus suchen. Er sucht sie. Er steht immer wieder am Ufer, gerade dann, wenn wir nach erfolglosem Bemühen in unserem Lebensboot unterwegs sind. Lasst uns miteinander und jede für sich hören, wo wir unsere Netze auswerfen sollen, damit das geschieht, was er will.
Er will, das wir Gemeinschaft mit ihm haben und sie immer auch miteinander feiern. Zur Zeit eher in kleinen Hausgruppen. Aber lasst uns beten, dass wir es bald wieder als Gemeinden tun können. AMEN

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Jesaja 5,1-7

2. Sonntag der Passionszeit – Reminiszere, 28. Februar 2021

Passionszeit-Leidenszeit. Warum musste Jesus diesen Weg ans Kreuz gehen? Wäre er ihn nicht gegangen, dann hätten wir ein großes Problem. Dies zeigt uns der heutige Predigttext. Und der Sonntag Reminiscere (d.h. Gedenke) lässt uns miteinander vor Gott stehen und sagen: Bitte Herr, denke an deine Barmherzigkeit (Psalm 25,6).
Hier der Predigttext aus Jesaja 5 (die Gute Nachricht Bibel hat das Lied in Reimform gebracht)
1 Hört mir zu! Ich singe euch das Lied meines Freundes von seinem Weinberg: Auf fruchtbarem Hügel, da liegt mein Stück Land, 2 dort hackt ich den Boden mit eigener Hand, ich mühte mich ab und las Felsbrocken auf, baute Wachtturm und Kelter, setzte Reben darauf. Und süße Trauben erhofft ich zu Recht, doch was dann im Herbst wuchs, war sauer und schlecht. 3 Jerusalems Bürger, ihr Leute von Juda, was sagt ihr zum Weinberg, was tätet denn ihr da? 4 Die Trauben sind sauer – entscheidet doch ihr: War die Pflege zu schlecht? Liegt die Schuld denn bei mir? 5 Ich sage euch, Leute, das tue ich jetzt: Weg reiß ich die Hecke, als Schutz einst gesetzt; zum Weiden solln Schafe und Rinder hinein! Und die Mauer ringsum – die reiße ich ein! Zertrampelnden Füßen geb ich ihn preis, schlecht lohnte mein Weinberg mir Arbeit und Schweiß! 6 Ich will nicht mehr hacken, das Unkraut soll sprießen! Der Himmel soll ihm den Regen verschließen! 7 Der Weinberg des Herrn seid ihr Israeliten! Sein Lieblingsgarten, Juda, seid ihr! Er hoffte auf Rechtsspruch – und erntete Rechtsbruch, statt Liebe und Treue nur Hilfeschreie!

Das traurige „Liebes“-Lied von Jesajas Freund
Dieses Liebeslied haben wir gerade gehört/gelesen. Lasst es uns anschauen. Es hat drei Strophen und ein Fazit am Schluss.
Ich will mit dem Schluss, Vers 7, anfangen. Dort wird erklärt, wer dieser Freund Jesajas ist und wer dessen Weinberg (immer auch ein Bild für die Braut, die Geliebte) ist.
Es geht um Gott (schon in Vers 6 kann man dies erkennen, denn nur er kann Regen zurück halten) und sein erwähltes Volk Israel. Auf uns heute übertragen, es geht um Gott und um seine in Jesus Christus erwählte Gemeinde in dieser Welt.

Der ersten Strophe gebe ich die Überschrift: Gott hat alles investiert
Wie schon gesagt, ist der Ausdruck Weinberg auch ein Bild für die Geliebte, für die man alles investiert.  Es ist die Pflanzung an der Gottes Herz hängt, sein Lieblingsgarten (Vers 7). Sein Herz hängt an seinem auserwählten Volk. Er hat sie eingepflanzt in den besten Boden und einen Schutzwal mit Heckenzaum um sie gelegt und einen Wachturm darin erbaut.
Es ist ein Lied über enttäuschte Liebe. Den das Reich Gottes wird auch im Neuen Testament immer wieder mit einer Hochzeit verglichen. Jesus ist der Bräutigam, die erwählte Gemeinde seine Braut.
Doch zurück zum Weinberg, womit Israel gemeint ist. Und zu den Früchten, womit Frieden und Gerechtigkeit bezeichnet werden.
Er fragt die Einwohner Jerusalems und die Bewohner von Juda, die dieses Lied hören: Zu welchem Schluss kommt ihr, was denkt ihr über diesen Zustand des Weinbergs?
Es lohnt sich nicht mehr, zu investieren. Dabei hatte Gott doch alles investiert, die besten Voraussetzungen geschaffen. Er hat sich dieses Volk erwählt, alle Hindernisse beseitigt, dass sie in Frieden mit ihm und miteinander leben können. Dies gilt nicht nur für den Bund mit dem Volk Israel, sondern auch für die Gemeinde Jesu weltweit. Was hat Gott da alles investiert? Durch Jesus hat Gott uns aus der Sünde erkauft und zu seinem Eigentum gemacht. Er bearbeitet, reformiert die Kirche immer wieder. Er verbindet sich mit uns und verbindet uns untereinander. In ihm sind wir eingepflanzt in seinen Weinberg, egal zu welcher Kirche wir gehören. Er hat in der Vergangenheit und auch heute durch den Einsatz seiner Gaben, die er in die Gemeinden gegeben hat, Früchte hervorkommen lassen, z.B. die diakonischen Werke. Gott hat sich voller Liebe für uns seine Geliebten eingesetzt, er hat alles getan. Und nun erwartet er das, was auch wir erwarten, wenn wir alles für einen geliebten Menschen einsetzen. Er erwartet, dass wir ihn lieben und sich diese Liebe in unserem Miteinander auswirkt, Früchte trägt, die Welt prägt. Die Voraussetzungen hat er dafür geschaffen. Doch was muss er, was müssen wir feststellen?

2. Strophe: Wenig brauchbarer Ertrag
Statt edler Tauben, saures Stinkzeug, obwohl die beste Rebsorte gepflanzt wurde. Ob die Zuhörer damals an dieser Stelle schon merkten, dass sie gemeint sind?
Merken wir, dass wir gemeint sind? Es war damals und ist es auch heute die Geschichte, das Lied vom enttäuschten, erfolglosen Gott. Gott hat alles für sein erwähltes Volk damals und für die in Christus erwählten heute getan. Und was hat die Christenheit getan? Vorsicht, jetzt nicht nur auf andere oder die zurückliegenden Jahrhunderte schauen, oder auf die katholische Kirche, die gerade ins Gericht gezogen wird.
Bei Jesaja folgen nach diesem Lied die Weherufe über die Sünden der Großen und Reichen, die sich unter dem Schein des geltenden Rechtes auf Kosten der Mitmenschen bereichern. Schuldige werden frei gesprochen, Unschuldige verurteilt.
Als Gemeinde Jesu tragen wir Mitverantwortung für das Recht. Auch wenn unser Einsatz dafür uns ins Leiden bringen kann. Haben wir das Unrecht und das Leiden der Armen in dieser Welt im Blick? Wir, seine Gemeinde, seine Erwählten. Wo wird sichtbar, dass wir im Umgang mit unseren Mitmenschen nach Gottes Ordnungen leben und dies Ertrag bringt für sie?
Wie erlebt Gott dich und mich? Darf er edle Frucht ernten, als Folge der Gaben, die er in mich hineingelegt hat? Oder stinkt es zum Himmel, wie wir mit seinen Geschöpfen unseren Mitmenschen umgehen?
Ich denke wir kommen nicht besser weg, wie Gottes erwähltes Volk Israel.
Die Folgen davon werden in der dritten Strophe besungen.

3. Strophe Hartes Gericht
Gott droht nicht nur, er handelt. Jesaja hat dieses Handeln Gottes an seinem Volk noch erlebt. Und wenn wir in die Geschichte Israels sehen, dann wissen wir, dass diese Verwüstung geschehen ist.
Gott selbst zerstört nicht, aber er nimmt den Schutz und die Versorgung weg. Die Pflege und Fürsorge wird eingestellt. Die Verwüstung besorgen andere: Menschen, Tiere, Unkraut.
Ja, wenn Gott hartes, verdientes Gericht üben will, braucht er uns Menschen nur uns selbst und den Naturgewalten zu überlassen. Nicht-Bewahrung ist dann Gericht; Nicht-Rettung bringt Verderben.
Jesaja fordert in diesem Anklagelied, dass die Bürger selbst das Urteil über den Weinberg fällen sollen und so fällen sie es über sich selbst.
Im Neuen Testament (Röm 2,1-2) lesen wir dann: Worin du den anderen richtest verurteilst du dich selbst.
Wer kann denn da dem Schuldigwerden und dem harten Gericht entrinnen?
Gottes Gerichte in dieser irdischen Zeit sind immer wieder Zeichenhandlungen an seinem Volk, an seiner Kirche. Es gibt den Weinberg, sein Volk, seine Gemeinde immer noch, weil Gott barmherzig ist. Doch es kommt das Gottesgericht am Ende der Zeit. Und wir hätten keine Chance darin zu bestehen, wenn es das Gericht nicht auf sich selbst genommen hätte.
Das Evangelium, die frohe Botschaft des neuen Bundes mit Gott, nimmt nichts zurück vom harten Gericht Gottes über alles was zum Himmel stinkt. Gott drückt nicht beide Augen zu und lässt alles gut sein.
Nur der vernichtende Stoß des Zornes Gottes (Jesaja 5,25) traf den Mann am Kreuz.
Gott hat an unserer Stelle den Sündlosen und Gerechten zur Sünde gemacht (2. Korinther 5,21). An Karfreitag werden wir es wieder hören, was Jesaja aufgeschrieben hat: Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden haben (Jesaja 53,5). Der Sündlose macht uns von Sünde los. Der Gerechte gibt uns Ungerechten seine Gerechtigkeit.
Dies rettet uns im Endgericht. Unser alter irdischer Mensch muss ins Gericht und deshalb auch in den Tod, deshalb müssen wir alle sterben. Doch unser neue, an Christus glaubende inwendige Mensch, er lebt schon in dir und mir und überlebt bis hinein in die Ewigkeit. Und er bringt hier schon genießbare Frucht, die der Heilige Geist durch uns wirkt mit den Gaben, die er gibt. So sind wir Segen für andere.
Wichtig für uns dabei ist, dass wir uns zu unserem Schuldig werden stellen und es bekennen. Unsere Schuld ist dann durch Jesus gerichtet und wir gerettet. Und es kann sein, dass nichts Bestand hat im Gericht und wir wie durch das Feuer hindurch gerettet werden und alles verbrennt was wir dachten geleistet zu haben (1. Korinther 3,15). Aber wir sind gerettet durch seine Gnade und Barmherzigkeit. Lasst uns darin leben und andere dazu einladen, denn Jesus will retten. Wer an ihn glaubt besteht im Gericht. AMEN

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Johannes 13,21-30

1. Sonntag der Passionszeit – Invokavit, 21. Februar 2021

Passionszeit-Leidenszeit. Wir begleiten Jesus auf seinem Weg zum Kreuz. Seine Leidenszeit beginnt. Er hat sich mit den Jüngern zum Abendessen versammelt. Dient ihnen, in dem er ihnen die Füße wäscht. Er ermutigt sie ebenso zu handeln, wenn sie wirklich seine Nachfolger sein wollen. Dienen ist sein Kennzeichen, nicht Herrschen.
Er weiß darum, dass einer von seinen 12 Schülern ihn verraten wird, damit die religiöse Obrigkeit ihn festnehmen kann. Denn in der Öffentlichkeit wollten sie dies nicht tun.
Dieser Verrat muss geschehen, damit die Schrift erfüllt wird Psalm 41,10: Der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen. Alles nachzulesen in Johannes 13.
Ab Vers 21 beginnt der heutige Predigttext:
21 Danach erklärte Jesus, bis ins Innerste erschüttert: »Ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten.« 22 Die Jünger sahen sich bestürzt an; sie konnten sich nicht denken, von wem er sprach. 23 Der Jünger, den Jesus besonders liebte, hatte bei Tisch seinen Platz unmittelbar an Jesu Seite. 24 Simon Petrus gab ihm durch ein Zeichen zu verstehen, er solle Jesus fragen, von wem er gesprochen habe. 25 Da lehnte sich jener Jünger so weit zu Jesus hinüber, dass er ihn ´unauffällig` fragen konnte: »Herr, wer ist es?« – 26 »Ich werde ein Stück Brot in die Schüssel tauchen«, antwortete Jesus, »und der, dem ich es gebe, der ist es.« Er nahm ein Stück Brot, tauchte es in die Schüssel und gab es Judas, dem Sohn von Simon Iskariot. 27 Sowie Judas das Brotstück genommen hatte, ergriff der Satan Besitz von ihm. Da sagte Jesus zu Judas: »Tu das, was du vorhast, bald!« 28 Keiner von denen, die mit am Tisch waren, verstand, weshalb er das zu ihm sagte. 29 Da Judas die gemeinsame Kasse verwaltete, dachten einige, Jesus habe ihm den Auftrag gegeben, das einzukaufen, was für das Fest nötig war, oder er habe ihn angewiesen, den Armen etwas zu geben. 30 Als Judas das Brot gegessen hatte, ging er sofort hinaus. Es war Nacht.

Die Passion Jesu beginnt mit Judas Weggang
In der Gegenwart Jesu, in seinem Licht ist einer der Jünger von der Nacht umfangen. Der Teufel hatte Judas ins Herz gegeben, Jesus zu verraten“ so lesen wir in dem Bericht zum Anfang des Zusammenseins (Joh 13,2). Jesus ist ganz aufgewühlt, bis ins Innerste erschüttert über diese Tatsache. Er weiß, dass es so passieren muss. Schon bei der Auswahl der Jünger wusste er dies. Aber es lässt ihn nicht kalt, es geht ihm durch und durch, dass Judas diesen Weg geht, ja gehen muss.
Er kündigt es an: Einer von euch wird mich den Behörden überliefern. Einer, der in enger Gemeinschaft mit mir war und noch ist. Einer, dem ich die Füße gewaschen habe.
Die Jünger blicken ratlos in die Runde. Jeder konnte es sein.
Ja, es ist gut, die Schuld immer wieder auch bei sich selbst zu suchen. Nicht nur damals bei den Jüngern, sondern auch heute unter uns, die wir Jesus nachfolgen.
Petrus und Johannes (Jünger, den Jesus besonders liebte, war er vielleicht der sensibelste) wollen Gewissheit. Wollten sie den Verräter aufhalten oder hatten sie Angst, es selbst zu sein?
Durch Zeichensprache macht Petrus Johannes klar, dass er Jesus fragen soll, denn dessen Platz war neben Jesus. Man lag auf den linken Arm gestützt am Tisch, die Füße nach hinten weggestreckt.
So konnte Johannes Jesus unauffällig fragen. Jesus antwortet mit einer Handlung: Er nimmt ein Stück Brot taucht es in den Fruchtmus und reicht es Judas. „Dem ich es gebe, der ist es“.
Dies haben vermutlich auch die anderen mitbekommen. Auch wenn sie nicht begreifen, was Judas nun wirklich vorhat. Sie denken, er sollte als Kassenverwalter etwas mit dem Geld kaufen für das Passahmahl oder Almosen geben, wie es zum Fest üblich ist.
Doch nun geschieht das Heftige: In Judas ist nicht nur der Gedanke da, Jesus zu verraten, Satan ergreift Besitz von ihm.
Er kann nicht mehr anders als das zu tun, was dieser ihm sagt. Er folgt nicht mehr Jesus und hört auf ihn. Er gehört nicht mehr zu den Jüngern, der Jüngerkreis zerbricht. Nicht mehr Jesus und Gottes Geist, sondern Satan regiert in ihm.
Die Sünde war zunächst nur in seinen Gedanken, doch nun hat sie Wohnung in ihm genommen. So war es auch am Anfang der Menschheitsgeschichte als die Sünde Wohnung in Kain nahm und er seinen Bruder Abel erschlug. Auch da war zunächst nur der Gedanke des Neids, dass sein Bruder bei Gott besser angesehen sei.
Es ist also nichts neues, was da passiert bei Judas und was auch bei uns passieren kann. Wenn wir der Sünde die Tür zu unserm Innersten, zu unserem Herzen öffnen, dann nimmt sie auch Wohnung bei uns, bestimmt uns und wird zur Tat.
Doch auch in dieser Situation ist Jesus Herr der Lage. Er leitet sein Leidensweg selbst ein: „Was du vorhast zu tun, das tue bald,“ sagt er zu Judas. Er hätte ihn auch aufhalten können.
Und dieser ging sofort hinaus. Es war Nacht.
Zwei Worte mit tiefer Bedeutung: Hinaus und Nacht
Hinaus aus dem Kreis der Jünger, aus der Gemeinschaft mit Jesus.        Hinaus aus der Gemeinde.
Hinaus aus der Liebe Jesu, die auch ihm die Füße gewaschen hat, damit er rein sein konnte.
Hinaus aus der Nachfolge, aus dem Hören auf ihn.       Hinaus aus Jesu Gegenwart.    
Hinaus aus Jesu Schutz.         Hinaus aus Jesu Segen  
Hinaus aus dem Licht, denn Jesus ist das Licht der Welt.   Hinein in die Finsternis.        
Hinaus aus dem Leben mit Jesus hinein in den Tod.

Ja draußen war es Dunkel, es war Nacht geworden. Doch dies hat hier noch eine tiefere Bedeutung.

Es ist die Nacht der Gottesferne:
Joh 12,35 Jesus erwiderte: »Das Licht ist nur noch kurze Zeit unter euch. Geht euren Weg im Licht, solange ihr das Licht habt, damit die Finsternis euch nicht überfällt. Wer in der Finsternis unterwegs ist, weiß nicht, wohin sein Weg ihn führt. Wer ohne Jesus unterwegs ist irrt im Dunkeln.

Es ist die Stunde und Macht der Finsternis:
Luk 22,53 (Jesus bei seiner Gefangennahme)  Dabei war ich doch Tag für Tag bei euch im Tempel, und ihr habt nichts gegen mich unternommen. Aber jetzt ist eure Stunde gekommen, jetzt übt die Finsternis ihre Macht aus. Jesus überlässt sich dieser Macht, damit die Erlösung vollbracht wird.

Es ist die Nacht in der niemand wirken kann:
Joh 9,44 Wir müssen den Auftrag dessen, der mich gesandt hat, ausführen, solange es Tag ist (Heilung am Sabbat). Die Nacht kommt, in der niemand mehr etwas tun kann.

Die Nacht ist ein Bild für Satan und seine Finsternismächte. Er will zerstören und vernichten. Dies wollte er auch bei Jesus tun. Doch er ist auferstanden und lebt und hat ihm die Macht genommen.

Judas ging in die Nacht. Eine heftige Geschichte. Jesus weiß, dass wir alle in dieser Welt, in der Satan herrscht angefochten werden, auf diesen zu hören um ihm in die Nacht zu folgen.
Deshalb betet er für seine Jünger damals und für uns:
12 Solange ich bei ihnen war, habe ich sie durch die Macht bewahrt, die du mir gegeben hast, die Macht deines Namens. Ich habe sie beschützt, und keiner von ihnen ist verloren gegangen – keiner außer dem, der verloren gehen musste; doch das geschah, weil sich erfüllen sollte, was in der Schrift vorausgesagt ist[1]. 13 Jetzt aber komme ich zu dir. Ich sage das alles, solange ich noch hier in der Welt ´bei ihnen` bin, damit meine Freude sie ganz erfüllt. 14 Ich habe ihnen dein Wort weitergegeben, und nun hasst sie die Welt, weil sie nicht zu ihr gehören, so wie auch ich nicht zu ihr gehöre. 15 Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt herauszunehmen; aber ich bitte dich, sie vor dem Bösen zu bewahren. 16 Sie gehören nicht zur Welt, so wenig wie ich zur Welt gehöre. 17 Mach sie durch die Wahrheit zu Menschen, die dir geweiht sind. Dein Wort ist die Wahrheit. 18 So wie du mich in die Welt gesandt hast, habe ich auch sie in die Welt gesandt. 19 Und für sie weihe ich mich dir, damit auch sie durch die Wahrheit dir geweiht sind.« 20 »Ich bete aber nicht nur für sie, sondern auch für die Menschen, die auf ihr Wort hin an mich glauben werden.
Hier spricht Jesus im Gebet aus, was uns bewahren kann. Das Wort, dass Gott zu uns gesprochen hat. Wir haben es in der Bibel schriftlich. Wir hören daraus in den Gottesdiensten und ich hoffe auch bald wieder in den Bibelstunden.
Und wir hören darauf, wenn wir es in der persönlichen Bibelzeit lesen. Lasst uns am Wort, an Jesus, im Licht bleiben, damit wir in der Nacht dieser Welt uns nicht verirren. Und sollten wir uns verirrt haben, lasst und umkehren zu Jesus, dem guten Hirten, der nicht will, dass eines von seinen Schafen verloren geht.   AMEN

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Jesaja 58,1-12

Sonntag vor der Passionszeit - Estomihi, 14. Februar 2021

Am kommenden Mittwoch beginnt die Fastenzeit. Wir denken in dieser Zeit an den Leidensweg Jesu und auch daran, dass zur Nachfolge Jesu auch Leiden und Verzicht gehört. Doch wie sieht ein Fasten aus, das Gott gefällt? Jesaja muss es heraus posaunen, denn das erwählte Gottesvolk hielt sich zwar äußerlich an die Fastentage, die sie erinnern sollten, immer wieder zu Gott umzukehren. Doch ihr eigentliches Leben hatte andere Zielsetzungen.

1 Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2 Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. 3 »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst's nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? 6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, 10 sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. 11 Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt. 12 Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: »Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne«.

 

Ein Fasten das Gott gefällt dient nicht sich selbst, sondern dem Nächsten, es ist gelebte Barmherzigkeit und Liebe

1. Fasten ist Nächstenhilfe
Wenn ich mit meinem Leben wirklich Gott dienen will, dann geht es nicht darum, dass ich bestimmte Rituale, z.B. Fastenzeiten, einhalte, sondern „Gottesdienst“ geschieht immer am Nächsten. Die Liebe Gottes zu uns, dass wir umkehren können zu ihm, zeigt sich in der tätigen Nächstenliebe. Sie wird zur Tat am Mitmenschen, dem Essen, Kleidung und ein Zuhause fehlt.
Die Zeiten damals waren nicht anders als heute. Jeder schaute nach seinem eigenen Auskommen und feierte äußerlich den Gottesdienst. So auch heute: Jeder ist sich selbst der Nächste. Warum soll ich das Wenige (ich habe ja immer weniger als manche Reiche), das ich habe, mit anderen teilen? Hauptsache, ich lebe in den geforderten Frömmigkeitsformen, gebe z.B. meinen Zehnten und die anderen 90 % sind für mich.
Okay, die Nöte sind nicht direkt vor unserer Haustüre und wenn wir die Grenzen dicht halten und Flüchtlinge in den Lagern lassen, kommen sie auch nicht zu uns. Doch wie soll von mir, von uns als Gemeinde Jesu, das Brotbrechen mit den Hungernden in der Welt aussehen? Spenden für Brot für die Welt, Patenschaften, Kleidung abgeben, Wohnraum kostenlos oder günstig zur Verfügung stellen u.a., sind ein guter Anfang.
Dazu muss aber auch kommen, dass wir uns dafür einsetzen, dass unser Wohlstand nicht weiter auf der Knechtschaft andere Länder aufbauen darf, die wir ausnutzen z.B. zur Rohstoffgewinnung oder zum Anbau billiger Lebensmittel.
Gott versorgt uns, damit wir durch Fasten/Verzicht mit denen teilen, die in Not sind. Sei es durch eigene Schuld, durch Katastrophen oder ihre Not wurde sogar durch unsere Lebensweise verursacht.

2. Fasten ist Verzicht, Selbstbeschränkung
Unser Fasten muss ein dienendes, diakonisches werden. Aus diesem Denken sind die ganzen diakonischen Werke entstanden.
Die Juden hatten sich feste Fastentage gesetzt, die sie daran erinnern sollten, was passierte, wenn sie sich von Gott abgewandt hatten. Fasten sollte zur Umkehr zu Gott führen. Deshalb bedeutet Fasten, dass ich mich ganz herausnehme aus dem gewohnten Lebenskreislauf und nicht noch nebenher etwas mache, was mir Gewinn bringt. Ich verzichte bewusst, ich schränke mich ein, um Anderen zu dienen.
Ich nehme mir Zeit für Gottesliebe – Stille, Hören auf ihn und Reden mit ihm.
Ich nehme mir Zeit für Nächstenliebe – Dienst am Nächsten mit den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Verzicht auf Zeit, Geld, eigene Interessen, um ganz für den Anderen da zu sein mit meinem Essen, meiner Kleidung, meinem Zuhause.
Jesaja fordert auf, dass Sklaven entlassen werden sollten. Dies bedeutete damals Verzicht auf Profit und damit Verzicht auf mehr Wohlstand. Dinge wieder selbst tun müssen, die andere sonst für einen getan haben.
Wie sieht Verzicht und Selbstbeschränkung heute aus? Wo lebe ich bewusst Verzicht, der mir wirklich wehtut, weil ich auf gewohnte Bequemlichkeiten verzichte zum Wohl des Anderen?
Wir Reiche können durch Verzicht andere zu Gewinnern machen. Z.B. wenn wir auf billige Lebensmittel verzichten und solche kaufen, deren Erzeuger dafür fair bezahlt werden.
Jesus selbst warnt uns in Mark 8,35: „Wer sein Leben in dieser Welt erhalten will, (wer also nicht bereit ist, für andere sein Leben einzuschränken) der wird es verlieren.“
Jesus selbst hat sich ganz mit allem, was ihm gehört, für dich und mich eingesetzt. Er versorgt uns mit geistlicher Nahrung, mit sich selbst (Abendmahl). Er kleidet uns in seine Gerechtigkeit. Er richtet für uns eine Wohnung im Himmel ein. Und für diese irdische Zeit verspricht er uns, dass wir versorgt werden. Lasst uns dies miteinander teilen und keine Grenzen schließen.

3. Fasten ist Dank
Wenn wir verzichten, geht es doch um Dinge, die wir auch bekommen haben. Es sind schlussendlich immer wieder Geschenke unseres Schöpfers. Wir haben nichts auf diese Erde gebracht.
Deshalb sprechen wir ja auch ein Dankgebet beim Essen. Gott braucht dies nicht, sondern wir er erinnern uns dabei, von wem wir das Essen haben. Er lässt wachsen, wir (bzw. die Bauern) sammeln es nur ein. Ja, es stimmt, dies macht uns Mühe und erinnert uns daran, dass wir noch auf der vergänglichen Welt sind.
Was sagt der Prophet? Wenn ihr …..., dann...... . Wenn ihr davon abgebt und verzichtet, dann werdet ihr erleben, das Segen fließt. Denn ihr habt ihn ja schon zuvor empfangen, sonst könntet ihr nicht verzichten. In Matth. 6,33 heißt es: „Trachtet zuerst nach den Reich Gottes, dann wird euch alles andere zufallen.“ Reich Gottes bedeutet: Jeder denkt an und für den Anderen. Bonhoeffer soll dazu gesagt haben: „Wir fahren nicht schlecht, wenn wir ohne Sicherung des Eigenbestandes, einfach für den anderen da sind.“ Wir werden nicht arm, wenn wir das weiter geben, was wir von Gott empfangen haben, ohne Profit damit zu machen. Wir werden dabei und dadurch zum Segen und erleben selbst Segen.
Unsere Hinwendung zu unseren Mitmenschen mit unseren von Gott gegeben Dingen ist Dank an Gott. Er sorgt dafür, dass wir nie zu kurz kommen. Das hat er zugesagt.

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Lukas 8,4-15

2. Sonntag vor der Passionszeit - Sexagesimae, 7. Februar 2021

Wenn Jesus in Gleichnissen redet, denken wir meist, er tut dies, damit ihn die Leute besser verstehen. Doch er selbst sieht dies anders, hören wir genau hin:
4 Die Menschen scharten sich in großer Zahl um Jesus, und von Ort zu Ort wurden es mehr, die mit ihm gingen. Da erzählte er ihnen folgendes Gleichnis: 5 »Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen. Beim Ausstreuen der Saat fiel einiges auf den Weg, wo es zertreten und von den Vögeln aufgepickt wurde. 6 Einiges fiel auf felsigen Boden. Die Saat ging zwar auf, verdorrte aber bald, weil die nötige Feuchtigkeit fehlte. 7 Einiges fiel mitten ins Dornengestrüpp. Die Dornbüsche wuchsen mit der Saat in die Höhe und erstickten sie. 8 Und einiges fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfache Frucht.« Jesus schloss mit dem Ausruf: »Wer Ohren hat und hören kann, der höre!« 9 Die Jünger fragten Jesus, was dieses Gleichnis bedeute. 10 Da sagte er: »Euch ist es von Gott gegeben, die Geheimnisse seines Reiches zu verstehen; den Übrigen jedoch werden sie nur in Gleichnissen verkündet. Denn ›sie sollen sehen und doch nicht sehen, sie sollen hören und doch nichts verstehen.‹ 11 Das Gleichnis bedeutet Folgendes: Die Saat ist das Wort Gottes. 12 Bei einigen, die es hören, ist es wie mit der Saat, die auf den Weg fällt. Der Teufel kommt und nimmt das Wort wieder aus ihrem Herzen weg, sodass sie nicht glauben und daher auch nicht gerettet werden. 13 Bei anderen ist es wie mit der Saat, die auf felsigen Boden fällt. Wenn sie das Wort hören, nehmen sie es mit Freuden auf. Aber sie sind wie Pflanzen ohne Wurzeln; zunächst glauben sie, doch wenn eine Zeit der Prüfung kommt, wenden sie sich wieder ab. 14 Wieder bei anderen ist es wie mit der Saat, die ins Dorngestrüpp fällt. Sie hören das Wort, doch im Lauf der Zeit wird es von den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden, die das Leben bietet, verdrängt, sodass keine Frucht reifen kann. 15 Bei anderen jedoch ist es wie mit der Saat, die auf guten Boden fällt. Mit aufrichtigem und bereitwilligem Herzen hören sie das Wort; sie halten daran fest, lassen sich nicht entmutigen und bringen Frucht.«
 

Wenn Jesus und auch wir heute von Gottes Reich reden, dann....

1. …. wird die Mehrheit es nicht verstehen (können/wollen)
Ein Ausleger hat zu diesem Textabschnitt Folgendes gesagt: „Der normale Erfolg des Wortes Gottes ist der Misserfolg.“ Eine harte, aber nach Jesu Worten der Wirklichkeit entsprechende Aussage. Dies mussten schon die Propheten des Alten Testaments erleben. Doch wir dürfen nicht überhören, dass dies nicht an der Wirksamkeit des Wortes Gottes liegt. Denn dort, wo es wirken darf, bringt es hundertfache Frucht (von „Erfolg“ zu sprechen, ist hier nicht angebracht, denn Erfolg hat immer mit menschlichem Bemühen zu tun und dies kann hier nichts bewirken).
Erst bei der Ernte, d.h. wenn Jesus wiederkommt, wird sichtbar werden, welche Frucht Jesu Wort in unserem Leben wirken konnte.
Der „Misserfolg“ der Verkündigung ist nicht ungewöhnlich, denn schon Jesus musste, wie auch die Propheten vor ihm, diese Erfahrung machen. Die Menschen kamen in Massen zu ihm, um ihn zu hören und zu sehen, welche Wunder er tut. Doch nur wenige sind ihm dann wirklich nachgefolgt. Am Ende war nur ein kleiner Haufen. Jesus ist erstaunt über den Glauben eines heidnischen Hauptmanns. Einen solchen Glauben hat er bei seinen Volksgenossen nicht gefunden. Gerade in seiner Heimatstadt und der umliegenden Gegend konnte er kaum etwas durch seine Verkündigung bewirken, obwohl er dort nichts anders verkündigte, als an anderen Orten: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium, dass durch mich Gott zu euch gekommen ist.“
Reich Gottes wird von Anfang an durch die Verkündigung des Wortes gebaut. Gott zwingt keinen mit Gewalt dazu, in sein Reich zu kommen und nach seinem Wort zu leben. Da er alle Macht hat, könnte er dies. Doch seine Macht ist Liebe und diese stellt uns immer in die Freiheit und zwingt niemanden. Er überlässt alles dem Wirken seines Wortes und dieses trifft bei uns auf Glauben oder Unglauben. Und wir müssen immer wieder neu begreifen, dass wir bei uns und auch bei unseren Mitmenschen keinen Glauben machen können. Schon Paulus hält in 2.Thess 3,2 fest, dass der Glaube nicht jedermanns Sache ist.
Äußerlich gesehen war Jesu Missionserfolg gescheitert und die Geschichte der Gemeinde Jesu zeigt, dass sich daran nichts geändert hat. Es ist und bleibt ein kleiner Haufen. Selbst da, wo eine kirchliche Arbeit aufblüht, ist immer abzuwarten, was bleibt, wenn in heftigen Zeiten sichtbar wird, dass vieles davon nur ein Strohfeuer war und keine tiefen Wurzeln hat.

2. …. muss Gott Glauben wirken. Nur dem Glaubenden erschließt sich in Jesus das Reich Gottes.
In Vers 10 lesen wir eine heftige Aussage von Jesus auf die Frage, was dieses Gleichnis denn bedeutet?
„Euch ist es von Gott gegeben, die Geheimnisse seines Reiches zu verstehen; den Übrigen jedoch werden sie nur in Gleichnissen verkündet. Denn sie sollen sehen und doch nicht sehen, sie sollen hören und doch nichts verstehen.“
Euch ist es von Gott gegeben: Nicht – ihr habt für gute Voraussetzungen gesorgt, dass ihr es verstehen könnt. Gott selbst schenkt, dass es einige begreifen. Reich Gottes erschließt sich eben nicht unserem Wissen. Es ist kein Gegenstand, den man beweisen und nachweisen kann.
Aber: Wer glauben kann, dem tut sich die Wirklichkeit des Reiches Gottes auf, dem Nichtglaubenden bleibt sie verschlossen.
Gott hatte sich in Jesus offenbart, doch selbst da wurde nur einzelnen geschenkt, zu erkennen, wer Jesus ist. Bis zu Jesu Wiederkunft bleibt Gott der Verborgene, Unerklärbare, der menschlich gesehen Machtlose. 1. Kor 13,12 spricht davon, dass wir ihn erst dann wirklich wahrnehmen können, wenn er erscheint. Bis dahin ist all unser Erkenntnis Stückwerk. Was Jesus in Vers 10 sagt, sind nicht seine Worte, er zitiert Jesaja. Er redet in Gleichnissen, damit seine Botschaft nur von denen erfasst werden kann, die glauben. Das bedeutet, ich kann mir alles anhören, was er sagt oder es nachlesen und gedanklich darüber reflektieren. Aber es bewirkt nichts in mir, wenn ich nicht glaube. Ich kann es aber auch hören und merken, dass Gott durch sein Wort mit mir in Verbindung treten, dass er Glauben in mir wirken will. Er möchte mich nicht als Zuschauer und Zuhörer, sondern er will in meinem Herzen wirken, durch seinen Heiligen Geist. Gott will in Gemeinschaft mit uns leben. „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verstockt eure Herzen nicht“, sondern bittet ihn mit der Jahreslosung: „Herr ich will glauben, hilf meinem Unglauben.“

3. ... ist es meine Sache, zu schauen, wie mein „Boden“ beschaffen ist.
Wie sieht es bei mir aus, wenn Jesu Worte wie Samen zu mir kommen, die Frucht bringen wollen?
Fest getrampelter Weg:
Bin ich unzugänglich? Wurde auf meiner Seele rumgetrampelt und ich lasse nichts mehr an mich ran? Lasse ich Gott nicht an mich heran? Prallen alle seine Worte ab an meinen Einwänden, Gewohnheiten, Bequemlichkeiten? Ist meine Weltanschauung, mein Gottesbild, so fest, dass Gott nichts verändern darf und kann? Die Vögel in diesem Gleichnis zeigen, es gibt jemand, dem alles daran liegt, dass Jesus bei mir nicht zum Zuge kommt. Einer, der will, dass ich nicht glaube und nicht gerettet werde. Jesus verurteilt nicht, dass es fest getrampelte Zustände bei mir  gibt, er stellt nur die Folgen davon fest. Er ist gekommen, um das Festgetrampelte aufzubrechen. Er ist nicht gekommen zu richten, sondern zu retten.
Felsiger Boden:
Wir waren, sind begeistert von Jesus, weil wir etwas mit ihm erlebt haben, so wie die Menge, die ihm nachfolgte, weil er Wunder getan hat. Wir bekennen ihn, ändern unser Leben und arbeiten in der Kirche mit. Aber dann, wenn Situationen kommen, die unseren Glauben auf die Probe stellen – alles nur Strohfeuer. Es wird uns zu heftig, Christ zu sein und die Nachteile in Kauf zu nehmen.
Dornengestrüpp:
Es wächst etwas, aber es wächst auch zu viel anderes. Ok, wir können nicht den ganzen Tag nur im Gebet verbringen, wobei wir dies auch nicht schaffen würden. Doch wir sollten schauen, wie wir mit den Alltagsdingen umgehen: Nichthabende sollten ihre Sorgen bei dem abgeben, der um uns besorgt ist. Habende, sollten schauen, dass sie ihren Reichtum mit den Notleidenden teilen. Wir sollten klären, was wirklich anhaltende Freude bereitet. Paulus rät uns dazu, dass uns nichts gefangen nehmen soll (1.Kor 6,12). Wir sollen uns auf das besinnen, was Gott will. Er wird uns geben, was wir brauchen. (Lukas 12,31)
Guter Boden:
Jesus geht davon aus, dass es den guten Boden gibt. Ihm liegt daran, dass bei uns durch sein Wort etwas geschieht und 100-fache Frucht entsteht. Es geht nicht darum, durch unsere Bemühungen Erfolg zu haben und dafür Ruhm zu empfangen. Das ausgesäte Wort hat in sich die Kraft, Frucht zu bringen. Wir sollen ihm zutrauen, dass es dies auch in unserem Leben tut. Lasst uns beten, dass Jesus uns durch seinen Geist bearbeitet, damit wir fruchtbarer Boden werden, in dem sein Wort aufgehen und Frucht und Segen für andere wirken kann und so auch für uns selbst. Er will es tun.
AMEN.

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu 2. Petrus 1,16-21

Letzter Sonntag nach Epiphanias, 31. Januar 2021

Dieser Brief des Petrus ist sein Vermächtnis, denn er weiß, dass er nicht mehr lange leben wird (1,14). Er nutzt ihn, um die Gläubigen standhaft im Glauben an den von den Aposteln verkündigten Jesus Christus zu machen, damit sie allen weltlichen und vermeintlich geistgewirkten Versuchungen widerstehen können.

16 Denn wir haben uns nicht etwa auf klug ausgedachte Geschichten gestützt, als wir euch ankündigten, dass Jesus Christus, unser Herr, wiederkommen und seine Macht offenbaren wird. Nein, wir haben seine majestätische Größe mit eigenen Augen gesehen. 17 ´Wir waren` nämlich ´dabei,` als er von Gott, dem Vater, geehrt wurde und in himmlischem Glanz erschien; ´wir waren dabei,` als die Stimme der höchsten Majestät zu ihm sprach und Folgendes verkündete: »Dies ist mein geliebter Sohn; an ihm habe ich Freude.« 18 Wir selbst haben die Stimme gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren – diese Stimme, die vom Himmel kam. 19 Darüber hinaus haben wir die Botschaft der Propheten, die durch und durch zuverlässig ist. Ihr tut gut daran, euch an sie zu halten, denn sie ist wie eine Lampe, die an einem dunklen Ort scheint. ´Haltet euch an diese Botschaft,` bis der Tag anbricht und das Licht des Morgensterns es in euren Herzen hell werden lässt. 20 In diesem Zusammenhang ist es von größter Wichtigkeit, dass ihr Folgendes bedenkt: Keine einzige prophetische Aussage der Schrift ist das Ergebnis eigenmächtiger Überlegungen ´des jeweiligen Propheten`. 21 Anders gesagt: Keine Prophetie hat je ihren Ursprung im Willen eines Menschen gehabt. Vielmehr haben Menschen, vom Heiligen Geist geleitet, im Auftrag Gottes geredet.
 

Die Herrlichkeit Jesu Christi
 

1.   Davon redeten und schrieben  die Apostel

Warum hängt unser Glaube an der Christuserfahrung derer, die Christus selbst gesehen und Gottes Stimme über ihm gehört haben?
Weil sie nicht selbst ersonnenen Mythen folgen, wie die Gnostiker der damaligen Zeit, die überzeugt waren, dass Jesus ein Geist-Christus war. Auch sie hätten diesen Geist jetzt in sich und bekämen dadurch immer wieder neue Erkenntnisse (Gnosis=Erkenntnis) über Gott. Diese Erkenntnisse lehrten sie und verführten damit die an Christus Gläubigen.
Für die, die durch die Verkündigung der Apostel zum Glauben gekommen waren, bestand nun die Gefahr, den wirklichen Christus zu verlieren, um einem mystischen Christus anzuhängen.
Natürlich brauchen wir, um an Christus glauben zu können, das Wirken des Heiligen Geistes. Christus will durch den Heiligen Geist Wohnung in uns nehmen (Gal 2,20).
Aber was unterscheidet gnostische Spiritualität vom neutestamentlichen Glauben an Jesus Christus?
Im neuen Testament und bei der Verkündigung der Apostel geschieht Geisterfüllung immer in Verbindung mit Jesus Christus und nimmt ihn in seiner himmlischen Wirklichkeit wahr. „Das Wort wurde Fleisch und wir sahen seine Herrlichkeit“. Wir können Gott nur in Jesus Christus wahrnehmen und erkennen, dazu brauchen wir die Augen- und Ohrenzeugen.  (Lukas 1,2; Apostelgeschichte 1,21f; 10,37ff; Joh. 1,14; 19,35; 21,24 1.Joh 1,1-3)
Die Predigt von Jesus Christus, auch diese hier, durch die Jesus zu uns redet, lebt von diesem Christus, den die Apostel bezeugt haben.
Sie bezeugen den Christus, der wirklich in der Geschichte gelebt hat als wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich. Drei der Jünger, unter ihnen Petrus, durften seine Herrlichkeit sehen.
Fleisch und Blut, damit ist unser Sein in dieser irdischen Realität beschrieben, können Jesus Christus nicht wahrnehmen (Matth. 16,12). Ein Kamerateam hätte damals diese Szene auf dem Berg der Verklärung in Bild und Ton nicht festhalten können. Es war eine göttliche Offenbarung. Wir brauchen für unseren Glauben das Zeugnis der Augen- und Ohrenzeugen und sind dankbar, dass wir es im Neuen Testament schriftlich haben.

2.  Die Herrlichkeit Jesu Christi – Die Propheten lenken den Blick auf sie

Der von besonderer Erkenntnis durch den Geist erfüllte Mensch denkt, er braucht das Zeugnis der Apostel nicht, da er ja mit direkten Zugriff durch den Geist die Gnosis (die Erkenntnis) hat, welche die Dunkelheit der jeweiligen Situation erleuchtet.
Das Zeugnis der Apostel von Jesus Christus bezeugt den gekommen und kommenden Jesus, der dann durch dieses Zeugnis auch der Gegenwärtige ist. Er spricht durch den, der ihn verkündigt, dies hat er verheißen. Wer euch hört, der hört mich.
Die ersten christlichen Gemeinden hielten sich an die prophetischen Worte des Alten Testaments. Es war ihre Bibel. In ihnen war das Evangelium von Christus vorverkündigt zu finden.
Das Evangelium von Jesus Christus ist in den Propheten verheißen, angekündigt worden. (Römer 1,2)
Petrus muss nicht die ganze Geschichte vom Berg der Verklärung erzählen. Die Leute wissen, aus der Verkündigung der Apostel, dass dort dem verherrlichten Jesus die Propheten Mose und Elia erschienen und mit Jesus redeten (Matth. 17,3). Die Propheten reden vom Messias, vom Königreich Gottes, Bund, Gerechtigkeit, Recht, Treue, Heil, Frieden, Versöhnung, Zion, Jerusalem, alttestamentlichen Opfern. All dies sehen die Apostel in Jesus, der gekommen ist und wiederkommen wird, erfüllt.
Wir leben noch an dem dunklen Ort in dieser vergänglichen Welt, in der dies alles fehlt. In diese hinein verkündigten die Apostel und verkündigen wir das Wort von Jesus Christus, das leuchtet.
Nicht wir sind die Erleuchteten, das Wort allein, die Botschaft von Jesus Christus, bringt Licht in die Dunkelheit.
Der Glaube hält sich am Wort, an Jesu Zusagen, fest und bekommt dadurch Zuversicht, egal wie dunkel die gegenwärtige Situation gerade ist. Er sehnt sich nach neuer Erde und neuem Himmel. Dies dürfen wir gerade jetzt in dieser besonderer Corona-Situation für uns nehmen.
Der angefochtene Glaube wird auf das Wort aufmerksam gemacht, nicht auf geistliche Erfahrungen und Erkenntnisse von Menschen. Die Lampe des prophetischen Wortes weist uns immer wieder auf den Tag des Lichts, des Heils hin, der mit Jesu Wiederkunft hereinbrechen wird. Bis dahin leuchtet es in unserem Herzen und macht unser Inneres hell. Denn was verheißen ist, wird sich erfüllen.

3.  Die Herrlichkeit Jesu – Schlüssel zur Auslegung der Heiligen Schrift

Wir müssen wissen, die Heilige Schrift, die Bibel, wird auch von Irrlehrern benutzt, die zu ihren vermeintlich geistgewirkten Erkenntnissen die passenden Bibeltstellen suchen, bzw. diese passend machen. Schon die Zuhörer von Paulus machen es uns vor, dass es wichtig ist, alle Verkündigung anhand der Aussagen der ganzen Bibel zu prüfen. (Apostelgeschichte 17,11)
Wir haben gesehen, dass die Propheten des Alten Testaments ( in V.20/21 geht es nicht um gegenwärtige Prophetie) auf Jesus Christus hinweisen. Deshalb gilt für alle Auslegung der Bibel, dass sie auf ihn hin und von ihm her auszulegen ist. So kommen wir immer wieder zu dem Zeugnis der Apostel von Jesus Christus, die ihn gesehen und gehört haben. Christus allein ist und bleibt unser Halt hier in unserer Lebens-Situation bis er kommt. Diese Erkenntnis bleibt bestehen gegenüber manch vergänglicher Menschenerkenntnis und möge sie noch so geistgewirkt klingen.
AMEN.

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Lukas 2,41-52

2. Sonntag nach Weihnachten, 03. Januar 2021

Jesus als Teenager, bei den Vätern in der Lehre, beim Vater zu Hause

Die Verse 39 und 40 zeigen, dass Jesus mit seinen Eltern wieder zu Hause in Nazareth war und dort heranwuchs, in einer Familie, die sich ganz an die von Gott gegebenen Ordnungen hielt und so mindestens einmal im Jahr zu einem Fest nach Jerusalem pilgerte.
39 Als Josef und Maria alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn verlangte, kehrten sie nach Galiläa in ihre Heimatstadt Nazaret zurück. 40 Jesus wuchs heran; er war ein kräftiges Kind, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade ruhte auf ihm. 41 Jesu Eltern zogen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem hinauf.
Als Kind war Jesus nie dabei gewesen, doch nun als Teenager, sozusagen im Konfirmandenalter konnte er mitkommen, weil er in diesem Alter selbstverantwortlich für das Einhalten der Gesetze wurde.

42 Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie den Jungen mit und gingen wieder dorthin, wie es der Sitte entsprach. 43 Doch als sie sich nach den Festtagen auf den Heimweg machten, blieb Jesus in Jerusalem, ohne dass seine Eltern etwas davon wussten. 44 Sie dachten, er sei irgendwo in der Pilgerschar. Erst nachdem sie eine Tagereise zurückgelegt hatten, fingen sie an, unter Verwandten und Bekannten nach ihm zu suchen. 45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück, um ihn dort zu suchen. 46 Endlich, nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. 47 Alle, die dabei waren, staunten über die Klugheit seiner Antworten. 48 Seine Eltern waren völlig überrascht, ihn hier zu sehen. »Kind«, sagte seine Mutter zu ihm, »wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich verzweifelt gesucht.« 49 Jesus erwiderte: »Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?« 50 Doch sie verstanden nicht, was er damit meinte. 51 Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter behielt alle diese Dinge im Gedächtnis. 52 Jesus nahm weiter zu an Weisheit und wuchs zu einem jungen Mann heran. Gottes Gnade war mit ihm, und die Menschen hatten Freude an ihm.
Regelmäßig besuchte die Familie von Josef und Maria das Passahfest und blieb die Festtage in Jerusalem. Die Anreise aus Nazareth erfolgte vermutlich in drei Etappen zusammen mit Verwandten und Bekannten.

Jesus, bei den irdischen Vätern in der Lehre
Jesus, als nun religionsmündiger Teenager, ist sehr an der Lehre der Glaubensväter interessiert und so findet man ihn in einem Vorhof des Tempels. Dort in den Vorhallen des äußeren Tempelvorhof halten die Rabbiner ihre Schul- und Streitgespräche, während die Schüler am Boden hocken und Fragen stellen. Jesus gesellt sich zu ihnen, er lehrt zunächst nicht, er hört zu und fragt. Jesus ist leidenschaftlich an dem interessiert, was es dort zu lernen gibt – so interessiert, dass man ihn noch nach drei Tagen (wo hat er wohl geschlafen und gegessen?) immer noch hörend und fragend auffindet. Zum Erstaunen der Anwesenden gibt er aber auch sehr kluge Antworten.
Jesus, so könnte man sagen, ist bei den Vätern, seine Eltern mit eingeschlossen, in der Lehre. Durch Josef, als Nachkomme Davids, und Maria, aus priesterlicher Familie stammend, wird Jesus schon eine Grundlage in der Lehre der Väter erhalten haben, vermutlich hat er auch regelmäßig die Synagoge mit ihnen besucht.
Als er dann das erste Mal zum Passahfest mit nach Jerusalem kommt, in die heilige Stadt. An dem Ort, den Gott ausgewählt hatte, nutzt er die Gelegenheit. Er geht dorthin, worin Gottes Gegenwart besonders verheißen war. Aber er geht auch dorthin, weil er weiß, dass er noch mehr über die Väter des von Gott erwählten Volkes erfahren wird. Alle frommen Juden hatten das Verlangen, das Gesetz Gottes immer besser zu kennen, um dann auch danach zu leben.
Jesus zeigt mit seiner Beteiligung an diesen Gesprächen und an seinen Antworten, dass er nicht gekommen ist, das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu erfüllen. 20 Jahre später, in seiner sogenannten Bergpredigt, erleben wir dies dann ganz intensiv (Matthäus 5,17-20). Das Alte Testament war Jesu Bibel, er richtete sein Leben danach. Wenn er gängige Vorschriften der damaligen Frommen durchbrach, dann nicht, um biblische Gesetze zu brechen, sondern um ihren eigentlichen Sinn hervorzuheben. (Ihr habt gehört... ich aber sage euch..... Matthäus 5,21-48) Er besuchte den Gottesdienst in der Synagoge regelmäßig ( Lukas 4,16). Er hielt die Gebetszeiten (Lukas 4,42). Er feiert das Passahmahl mit seinen Jüngern. Am Kreuz betet er den 22. Psalm und Psalm 31,6.
Wir sehen, dass Jesus diese Ordnungen hält, weil sie gut sind und dem Leben in der Verbindung mit dem Vater dienen.
So ist auch unsere Teilnahme an Gottesdiensten in unseren Kirchen, die uns jetzt gerade wieder coronabedingt fehlen, ja nicht nötig, damit wir Gott etwas bringen, sondern weil uns dort etwas gegeben werden soll. Etwas, das wir nur empfangen können, sonst haben wir es nicht (1.Korinther 4,7).
Jesus hält sich nicht nur an das Gesetz, er hält sich auch an die Tradition, dass die Jüngeren den Älteren Fragen stellen, um zu lernen. Dies sollte uns ein Beispiel sein, damit wir unsere Weisheit nicht nur aus uns heraus suchen, sondern bei denen fragen, die unsere Wege schon vorausgegangen sind.
Von dem, was andere als Tradition weitergeben,  können wir für unser Leben empfangen und daraus unser Leben gestalten.
Jesus machte mit seinem Verhalten deutlich, dass wir die Gemeinschaft der Generationen brauchen, um unseren eigenen Glaubensweg zu finden. Er machte als Teenager deutlich, dass es wichtig ist, auf die Väter zu hören, nicht nur auf die geistlichen, sondern auch auf die eigenen Eltern. Er lernte, ihnen gehorsam zu sein. Er, der Sohn Gottes, ordnete sich ein in die irdische Familie von Josef und Maria und nahm weiter an Weisheit zu.

Jesus, beim himmlischen Vater zu Hause
Diese Aussage ist noch viel aufregender als die, dass er bei den Vätern in der Lehre ist.
Ohne Wissen und vermutlich gegen den Willen der Eltern, ist er im Tempel geblieben. Natürlich kann man sich im Menschengewühl des Passahfestes verlieren. Vielleicht hat Jesus nicht mitbekommen, dass seine Familie und die Verwandten sich auf den Heimweg gemacht haben. Maria und Josef dachten vielleicht, dass er bestimmt mit aufgebrochen ist. Doch bei der ersten Übernachtung auf dem Heimweg stellen sie fest, dass Jesus fehlt.
Sie gehen zurück und finden ihn nach drei Tagen und stellen ihn zur Rede: »Kind«, sagte seine Mutter zu ihm, »wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich verzweifelt gesucht.«
In dieser Aussage und der Antwort Jesu darauf, kommt es zum Kontrast zwischen dem irdischen Vater (V.48) zum himmlischen Vater (V.49). Dies können Joseph und Maria noch nicht verstehen.
Jesus fragt sie: „Wusstet ihr nicht?“ Nein, sie wussten es nicht. Sonst hätten sie nicht so lange gesucht.
Jesus hält mit seiner Aussage fest: „Ihr müsstet es doch wissen, dass ich hierher gehöre. Der Tempel ist das Haus meines Vaters. OK, ihm gehört die ganze Welt. Aber doch ist dies ein besonderer Ort, der meinem Vater gehört.“
Hier in diesem Haus wird Jesus 20 Jahre später als Hausherr auftreten und aufräumen (Lukas 19,45-48) Man wird ihn fragen, woher er dazu die Befugnis hat (Lukas 20,2).
Aber schon als Teenager gibt er die Antwort: Ich bin der Sohn des himmlischen Vaters. Dies kann keiner mit menschlichem Verstand fassen und ist dem menschlichen Verstand auch nicht zu erklären.
Denn es bleibt dabei, dass nur der Sohn den himmlischen Vater kennt und nur der himmlische Vater den Sohn kennt. Dies ist göttliches Wissen. (Lukas 10,22).
Wir erleben, dass Jesus ganz eng mit dem Vater verbunden sein will und deshalb im Tempel sein Zuhause ist. Denn er will nur das tun, was der Vater will, und was der Vater will, ist in den Schriften des Alten Bundes schon festgehalten.
So wie er beim Vater zu Hause ist, so will er, dass auch wir beim himmlischen Vater zu Hause sind. Damit wir diesen Zugang zum himmlischen Vater bekommen, geht er den Weg, den sein himmlischer Vater ihn führt.
Jesus geht zunächst mit seinen Eltern und ordnet sich ihnen unter. Damit er dann, wenn die Zeit gekommen ist, seine Jünger sammelt und sie lehrt. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung sollen sie verkündigen, dass wir umkehren sollen von unseren eigenen Wegen, um mit ihm beim Vater zu Hause zu sein. Dazu müssen wir nicht mehr in den Tempel, aber auch heute lässt Gott sich auf die von Menschen geschaffenen Häuser ein, die ihm geweiht sind, damit wir ihm dort in besonderer Weise begegnen können. Lasst uns beten, dass wir dort bald wieder unbeschränkt Gottesdienste feiern können. AMEN.

(Raimund Schwarz)


Geistlicher Impuls zur Jahreslosung und zum Jahr 2021

von Pastor Raimund Schwarz

Auf dem ARM des Hirten am VATER-HERZ Gottes

Wenn ich an die Jahreslosung 2021 denke, dann erklingt in mir der Refrain eines Liedes:
„Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein (irdischer)Vater es kann. Er warf unsere Sünden ans äußerste Meer, kommt betet, den Ewigen an.“
Und vor meinem inneren Auge entstand dieses Bild, welches unser ältester Sohn gezeichnet und unsere Tochter beschriftet hat.
In Wort Barmherzigkeit stecken die Worte ARM und HERZ.
Für mich bedeutet Gottes Barmherzigkeit, dass er mich immer wieder auf seinen ARM nimmt, um mich an sein liebendes VATER-HERZ zu drücken. Es erinnert mich daran, wie ich mit unseren ersten beiden Söhnen abends mit dem Rücken ans Stockbett gelehnt saß. Beide auf meinem Schoß und ich erzählte ihnen spontan Geschichten, bevor es ins Bett ging. Später habe ich es auch mit unserem dritten Sohn zusammen mit unserer Tochter so gemacht.
Es erwärmt noch heute mein Herz, wenn ich daran denke. Und ich stelle mir vor, dass es Gott, unserem himmlischen Vater, ebenso geht.

Er freut sich, wenn wir wie Kinder zu ihm kommen, uns bei ihm bergen, ihm alles bringen und erzählen, was wir so erlebt haben: Schönes und Schmerzliches. Gelungenes und Zerbrochenes. Er kann nicht anders, als uns an sein HERZ zu drücken, denn es schlägt voll Liebe für uns. Voller Barmherzigkeit ist er uns zugewandt. Er hat uns so sehr geliebt, dass er sein Liebstes, seinen Sohn für uns gab. Durch Jesu Tod und  Auferstehung ist unser Weg zum VATER-HERZ Gottes wieder frei. Er breitet seine Arme aus, damit jedes verlorene Menschenkind (sei es noch so undankbar und böse (Lukas 6,35)) sich wieder bei ihm bergen kann und wissen darf, du bist ein geliebtes Gotteskind.
Das Sprichwort „auf den Arm nehmen“ wird oft benutzt, um damit auszudrücken, dass jemand angelogen oder getäuscht wird. Weil man kleine Kinder auf den Arm nimmt, bedeutete es ursprünglich aber, dass man jemanden wie ein Kleinkind behandelt, ihn also nicht ernst nimmt und glaubt, er sei naiv und leichtgläubig.
Gott nimmt uns nicht auf den Arm, um uns zu belügen oder zu täuschen. Dies tun wir Menschen gegenseitig oft genug. Dies Verhalten muss uns erschreckender Weise niemand beibringen, es kommt aus unserem Herzen.
Es stimmt eben nicht: Ich bin klein, mein Herz ist rein...

Gott will, dass wir, ja auch wir Erwachsenen, zu vertrauenden Kindern werden, die wissen, dass sie bei ihm sicher und geborgen sind.
Wenn wir diese barmherzige Geborgenheit bei ihm in Anspruch nehmen,  verändert sich auch unser Verhältnis zu unseren Nächsten.
Denn dann nehmen wir einander nicht mehr auf den Arm, wir belügen und täuschen uns nicht mehr, sondern wir profitieren miteinander von der Barmherzigkeit Gottes.
Wir können kommen und bitten: Ich bin klein (bzw. nicht mehr klein) mein Herz mach rein (reinige uns von allem Bösen und aller Undankbarkeit), lass niemand drin wohnen als Jesus allein.

Denn die Liebe  Gottes kommt durch seinen Heiligen Geist überfließend in unsere Herzen. Diese Liebe verändert unser Denken, Reden und Tun. Wir werden fähig, unseren Mitmenschen den Splitter aus ihrem Auge zu entfernen, weil wir selbst zuvor im Licht der Barmherzigkeit Gottes unseren Balken im Auge entdeckt haben, den Gott mit Hilfe der Nächsten uns nimmt.
Er hilft uns barmherzig miteinander, vor allem mit unseren Schwächen umzugehen und darin leuchtet seine Liebe in diese dunkle Welt.
Ihr lieben, von Gott geliebten Mitmenschen, Schwestern und Brüder, lasst uns jeden Abend in den Tagen des Neuen Jahres eine Zeit auf dem Schoss des himmlischen Vaters verbringen:
Ihm erzählen, was wir erlebt und durchlebt haben. Ihm die Dinge und Personen nennen, die wir verletzt haben, damit er sie heilend anrührt.
Bei ihm ablegen, was uns selbst Sorgen macht, denn er ist und bleibt der Vater, der jede Minute um uns besorgt ist.
Ich will mich an diesem Vaterherz bergen. Ich will sein Kind bleiben und mich gerne von ihm auf den Arm nehmen lassen.
Willst du, wollen Sie das auch? Ich wünsche allen ein gesegnetes Neues Jahr an Gottes Vater-Herz.

Ihr/Euer Raimund Schwarz