Geistlicher Impuls zu Lukas 2,41-52

2. Sonntag nach Weihnachten, 03. Januar 2021

Jesus als Teenager, bei den Vätern in der Lehre, beim Vater zu Hause

Die Verse 39 und 40 zeigen, dass Jesus mit seinen Eltern wieder zu Hause in Nazareth war und dort heranwuchs, in einer Familie, die sich ganz an die von Gott gegebenen Ordnungen hielt und so mindestens einmal im Jahr zu einem Fest nach Jerusalem pilgerte.
39 Als Josef und Maria alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn verlangte, kehrten sie nach Galiläa in ihre Heimatstadt Nazaret zurück. 40 Jesus wuchs heran; er war ein kräftiges Kind, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade ruhte auf ihm. 41 Jesu Eltern zogen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem hinauf.
Als Kind war Jesus nie dabei gewesen, doch nun als Teenager, sozusagen im Konfirmandenalter konnte er mitkommen, weil er in diesem Alter selbstverantwortlich für das Einhalten der Gesetze wurde.

42 Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie den Jungen mit und gingen wieder dorthin, wie es der Sitte entsprach. 43 Doch als sie sich nach den Festtagen auf den Heimweg machten, blieb Jesus in Jerusalem, ohne dass seine Eltern etwas davon wussten. 44 Sie dachten, er sei irgendwo in der Pilgerschar. Erst nachdem sie eine Tagereise zurückgelegt hatten, fingen sie an, unter Verwandten und Bekannten nach ihm zu suchen. 45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück, um ihn dort zu suchen. 46 Endlich, nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. 47 Alle, die dabei waren, staunten über die Klugheit seiner Antworten. 48 Seine Eltern waren völlig überrascht, ihn hier zu sehen. »Kind«, sagte seine Mutter zu ihm, »wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich verzweifelt gesucht.« 49 Jesus erwiderte: »Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?« 50 Doch sie verstanden nicht, was er damit meinte. 51 Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter behielt alle diese Dinge im Gedächtnis. 52 Jesus nahm weiter zu an Weisheit und wuchs zu einem jungen Mann heran. Gottes Gnade war mit ihm, und die Menschen hatten Freude an ihm.
Regelmäßig besuchte die Familie von Josef und Maria das Passahfest und blieb die Festtage in Jerusalem. Die Anreise aus Nazareth erfolgte vermutlich in drei Etappen zusammen mit Verwandten und Bekannten.

Jesus, bei den irdischen Vätern in der Lehre
Jesus, als nun religionsmündiger Teenager, ist sehr an der Lehre der Glaubensväter interessiert und so findet man ihn in einem Vorhof des Tempels. Dort in den Vorhallen des äußeren Tempelvorhof halten die Rabbiner ihre Schul- und Streitgespräche, während die Schüler am Boden hocken und Fragen stellen. Jesus gesellt sich zu ihnen, er lehrt zunächst nicht, er hört zu und fragt. Jesus ist leidenschaftlich an dem interessiert, was es dort zu lernen gibt – so interessiert, dass man ihn noch nach drei Tagen (wo hat er wohl geschlafen und gegessen?) immer noch hörend und fragend auffindet. Zum Erstaunen der Anwesenden gibt er aber auch sehr kluge Antworten.
Jesus, so könnte man sagen, ist bei den Vätern, seine Eltern mit eingeschlossen, in der Lehre. Durch Josef, als Nachkomme Davids, und Maria, aus priesterlicher Familie stammend, wird Jesus schon eine Grundlage in der Lehre der Väter erhalten haben, vermutlich hat er auch regelmäßig die Synagoge mit ihnen besucht.
Als er dann das erste Mal zum Passahfest mit nach Jerusalem kommt, in die heilige Stadt. An dem Ort, den Gott ausgewählt hatte, nutzt er die Gelegenheit. Er geht dorthin, worin Gottes Gegenwart besonders verheißen war. Aber er geht auch dorthin, weil er weiß, dass er noch mehr über die Väter des von Gott erwählten Volkes erfahren wird. Alle frommen Juden hatten das Verlangen, das Gesetz Gottes immer besser zu kennen, um dann auch danach zu leben.
Jesus zeigt mit seiner Beteiligung an diesen Gesprächen und an seinen Antworten, dass er nicht gekommen ist, das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu erfüllen. 20 Jahre später, in seiner sogenannten Bergpredigt, erleben wir dies dann ganz intensiv (Matthäus 5,17-20). Das Alte Testament war Jesu Bibel, er richtete sein Leben danach. Wenn er gängige Vorschriften der damaligen Frommen durchbrach, dann nicht, um biblische Gesetze zu brechen, sondern um ihren eigentlichen Sinn hervorzuheben. (Ihr habt gehört... ich aber sage euch..... Matthäus 5,21-48) Er besuchte den Gottesdienst in der Synagoge regelmäßig ( Lukas 4,16). Er hielt die Gebetszeiten (Lukas 4,42). Er feiert das Passahmahl mit seinen Jüngern. Am Kreuz betet er den 22. Psalm und Psalm 31,6.
Wir sehen, dass Jesus diese Ordnungen hält, weil sie gut sind und dem Leben in der Verbindung mit dem Vater dienen.
So ist auch unsere Teilnahme an Gottesdiensten in unseren Kirchen, die uns jetzt gerade wieder coronabedingt fehlen, ja nicht nötig, damit wir Gott etwas bringen, sondern weil uns dort etwas gegeben werden soll. Etwas, das wir nur empfangen können, sonst haben wir es nicht (1.Korinther 4,7).
Jesus hält sich nicht nur an das Gesetz, er hält sich auch an die Tradition, dass die Jüngeren den Älteren Fragen stellen, um zu lernen. Dies sollte uns ein Beispiel sein, damit wir unsere Weisheit nicht nur aus uns heraus suchen, sondern bei denen fragen, die unsere Wege schon vorausgegangen sind.
Von dem, was andere als Tradition weitergeben,  können wir für unser Leben empfangen und daraus unser Leben gestalten.
Jesus machte mit seinem Verhalten deutlich, dass wir die Gemeinschaft der Generationen brauchen, um unseren eigenen Glaubensweg zu finden. Er machte als Teenager deutlich, dass es wichtig ist, auf die Väter zu hören, nicht nur auf die geistlichen, sondern auch auf die eigenen Eltern. Er lernte, ihnen gehorsam zu sein. Er, der Sohn Gottes, ordnete sich ein in die irdische Familie von Josef und Maria und nahm weiter an Weisheit zu.

Jesus, beim himmlischen Vater zu Hause
Diese Aussage ist noch viel aufregender als die, dass er bei den Vätern in der Lehre ist.
Ohne Wissen und vermutlich gegen den Willen der Eltern, ist er im Tempel geblieben. Natürlich kann man sich im Menschengewühl des Passahfestes verlieren. Vielleicht hat Jesus nicht mitbekommen, dass seine Familie und die Verwandten sich auf den Heimweg gemacht haben. Maria und Josef dachten vielleicht, dass er bestimmt mit aufgebrochen ist. Doch bei der ersten Übernachtung auf dem Heimweg stellen sie fest, dass Jesus fehlt.
Sie gehen zurück und finden ihn nach drei Tagen und stellen ihn zur Rede: »Kind«, sagte seine Mutter zu ihm, »wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich verzweifelt gesucht.«
In dieser Aussage und der Antwort Jesu darauf, kommt es zum Kontrast zwischen dem irdischen Vater (V.48) zum himmlischen Vater (V.49). Dies können Joseph und Maria noch nicht verstehen.
Jesus fragt sie: „Wusstet ihr nicht?“ Nein, sie wussten es nicht. Sonst hätten sie nicht so lange gesucht.
Jesus hält mit seiner Aussage fest: „Ihr müsstet es doch wissen, dass ich hierher gehöre. Der Tempel ist das Haus meines Vaters. OK, ihm gehört die ganze Welt. Aber doch ist dies ein besonderer Ort, der meinem Vater gehört.“
Hier in diesem Haus wird Jesus 20 Jahre später als Hausherr auftreten und aufräumen (Lukas 19,45-48) Man wird ihn fragen, woher er dazu die Befugnis hat (Lukas 20,2).
Aber schon als Teenager gibt er die Antwort: Ich bin der Sohn des himmlischen Vaters. Dies kann keiner mit menschlichem Verstand fassen und ist dem menschlichen Verstand auch nicht zu erklären.
Denn es bleibt dabei, dass nur der Sohn den himmlischen Vater kennt und nur der himmlische Vater den Sohn kennt. Dies ist göttliches Wissen. (Lukas 10,22).
Wir erleben, dass Jesus ganz eng mit dem Vater verbunden sein will und deshalb im Tempel sein Zuhause ist. Denn er will nur das tun, was der Vater will, und was der Vater will, ist in den Schriften des Alten Bundes schon festgehalten.
So wie er beim Vater zu Hause ist, so will er, dass auch wir beim himmlischen Vater zu Hause sind. Damit wir diesen Zugang zum himmlischen Vater bekommen, geht er den Weg, den sein himmlischer Vater ihn führt.
Jesus geht zunächst mit seinen Eltern und ordnet sich ihnen unter. Damit er dann, wenn die Zeit gekommen ist, seine Jünger sammelt und sie lehrt. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung sollen sie verkündigen, dass wir umkehren sollen von unseren eigenen Wegen, um mit ihm beim Vater zu Hause zu sein. Dazu müssen wir nicht mehr in den Tempel, aber auch heute lässt Gott sich auf die von Menschen geschaffenen Häuser ein, die ihm geweiht sind, damit wir ihm dort in besonderer Weise begegnen können. Lasst uns beten, dass wir dort bald wieder unbeschränkt Gottesdienste feiern können. AMEN.

(Raimund Schwarz)


Geistlicher Impuls zur Jahreslosung und zum Jahr 2021

von Pastor Raimund Schwarz

Auf dem ARM des Hirten am VATER-HERZ Gottes

Wenn ich an die Jahreslosung 2021 denke, dann erklingt in mir der Refrain eines Liedes:
„Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein (irdischer)Vater es kann. Er warf unsere Sünden ans äußerste Meer, kommt betet, den Ewigen an.“
Und vor meinem inneren Auge entstand dieses Bild, welches unser ältester Sohn gezeichnet und unsere Tochter beschriftet hat.
In Wort Barmherzigkeit stecken die Worte ARM und HERZ.
Für mich bedeutet Gottes Barmherzigkeit, dass er mich immer wieder auf seinen ARM nimmt, um mich an sein liebendes VATER-HERZ zu drücken. Es erinnert mich daran, wie ich mit unseren ersten beiden Söhnen abends mit dem Rücken ans Stockbett gelehnt saß. Beide auf meinem Schoß und ich erzählte ihnen spontan Geschichten, bevor es ins Bett ging. Später habe ich es auch mit unserem dritten Sohn zusammen mit unserer Tochter so gemacht.
Es erwärmt noch heute mein Herz, wenn ich daran denke. Und ich stelle mir vor, dass es Gott, unserem himmlischen Vater, ebenso geht.

Er freut sich, wenn wir wie Kinder zu ihm kommen, uns bei ihm bergen, ihm alles bringen und erzählen, was wir so erlebt haben: Schönes und Schmerzliches. Gelungenes und Zerbrochenes. Er kann nicht anders, als uns an sein HERZ zu drücken, denn es schlägt voll Liebe für uns. Voller Barmherzigkeit ist er uns zugewandt. Er hat uns so sehr geliebt, dass er sein Liebstes, seinen Sohn für uns gab. Durch Jesu Tod und  Auferstehung ist unser Weg zum VATER-HERZ Gottes wieder frei. Er breitet seine Arme aus, damit jedes verlorene Menschenkind (sei es noch so undankbar und böse (Lukas 6,35)) sich wieder bei ihm bergen kann und wissen darf, du bist ein geliebtes Gotteskind.
Das Sprichwort „auf den Arm nehmen“ wird oft benutzt, um damit auszudrücken, dass jemand angelogen oder getäuscht wird. Weil man kleine Kinder auf den Arm nimmt, bedeutete es ursprünglich aber, dass man jemanden wie ein Kleinkind behandelt, ihn also nicht ernst nimmt und glaubt, er sei naiv und leichtgläubig.
Gott nimmt uns nicht auf den Arm, um uns zu belügen oder zu täuschen. Dies tun wir Menschen gegenseitig oft genug. Dies Verhalten muss uns erschreckender Weise niemand beibringen, es kommt aus unserem Herzen.
Es stimmt eben nicht: Ich bin klein, mein Herz ist rein...

Gott will, dass wir, ja auch wir Erwachsenen, zu vertrauenden Kindern werden, die wissen, dass sie bei ihm sicher und geborgen sind.
Wenn wir diese barmherzige Geborgenheit bei ihm in Anspruch nehmen,  verändert sich auch unser Verhältnis zu unseren Nächsten.
Denn dann nehmen wir einander nicht mehr auf den Arm, wir belügen und täuschen uns nicht mehr, sondern wir profitieren miteinander von der Barmherzigkeit Gottes.
Wir können kommen und bitten: Ich bin klein (bzw. nicht mehr klein) mein Herz mach rein (reinige uns von allem Bösen und aller Undankbarkeit), lass niemand drin wohnen als Jesus allein.

Denn die Liebe  Gottes kommt durch seinen Heiligen Geist überfließend in unsere Herzen. Diese Liebe verändert unser Denken, Reden und Tun. Wir werden fähig, unseren Mitmenschen den Splitter aus ihrem Auge zu entfernen, weil wir selbst zuvor im Licht der Barmherzigkeit Gottes unseren Balken im Auge entdeckt haben, den Gott mit Hilfe der Nächsten uns nimmt.
Er hilft uns barmherzig miteinander, vor allem mit unseren Schwächen umzugehen und darin leuchtet seine Liebe in diese dunkle Welt.
Ihr lieben, von Gott geliebten Mitmenschen, Schwestern und Brüder, lasst uns jeden Abend in den Tagen des Neuen Jahres eine Zeit auf dem Schoss des himmlischen Vaters verbringen:
Ihm erzählen, was wir erlebt und durchlebt haben. Ihm die Dinge und Personen nennen, die wir verletzt haben, damit er sie heilend anrührt.
Bei ihm ablegen, was uns selbst Sorgen macht, denn er ist und bleibt der Vater, der jede Minute um uns besorgt ist.
Ich will mich an diesem Vaterherz bergen. Ich will sein Kind bleiben und mich gerne von ihm auf den Arm nehmen lassen.
Willst du, wollen Sie das auch? Ich wünsche allen ein gesegnetes Neues Jahr an Gottes Vater-Herz.

Ihr/Euer Raimund Schwarz