Geistlicher Impuls zu 2. Korinther 5,1-10

Der vorgeschlagene Predigttext für den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr steht im 2. Korintherbrief, indem Paulus unter anderem, sein Apostelamt verteidigt. Dazu gehören auch die auftretenden Weisheitslehrer (Gnostiker) gegen die sich Paulus auch in diesem Text wendet. Diese lehrten, dass es keine Auferstehung gibt, da unser inwendiger Geist beim Sterben nur von seinem irdischen Leibgefängnis befreit wird und wir dann leiblos als Geistwesen ewig leben. Hören, bzw. lesen wir, was Paulus zu unserem irdischen Dasein und zum Leben nach dem Tod schreibt.

2. Korinther 5,1-10

1 So gleicht zum Beispiel der Körper, in dem wir hier auf der Erde leben, einem Zelt, das eines Tages abgebrochen wird. Doch wir wissen: Wenn das geschieht, wartet auf uns ein Bauwerk, das nicht von Menschenhand errichtet ist, sondern von Gott, ein ewiges Haus im Himmel. 2 In unserem irdischen Zelt seufzen wir, weil wir uns nach der Wohnung sehnen, die aus dem Himmel stammt, und am liebsten würden wir den neuen Körper wie ein Gewand direkt über den alten anziehen. 3 Denn nur dann, wenn wir den neuen Körper angezogen haben, werden wir nicht unbekleidet dastehen. 4 Ja, solange wir noch in unserem irdischen Zelt wohnen, wo so vieles uns bedrückt, seufzen wir voll Sehnsucht, denn wir möchten den jetzigen Körper am liebsten gar nicht erst ablegen müssen, sondern den künftigen unmittelbar darüber anziehen. Auf diese Weise würde das, was sterblich ist, sozusagen vom Leben verschlungen. 5 Gott selbst hat uns auf dieses neue Leben vorbereitet, indem er uns seinen Geist als Unterpfand und Anzahlung gegeben hat. 6 Deshalb kann nichts und niemand uns unsere Zuversicht nehmen. Wir wissen zwar: Solange dieser Körper noch unser Zuhause ist, sind wir fern vom Herrn, 7 denn unser Leben hier auf der Erde ist ein Leben des Glaubens, noch nicht ein Leben des Schauens. 8 Und doch sind wir voll Zuversicht, und unser größter Wunsch ist, das Zuhause unseres irdischen Körpers verlassen zu dürfen und für immer daheim beim Herrn zu sein. 9 Daher haben wir auch nur ein Ziel: so zu leben, dass er Freude an uns hat – ganz gleich, ob wir schon bei ihm zu Hause oder noch hier in der Fremde sind. 10 Denn wir alle müssen einmal vor dem Richterstuhl von Christus erscheinen, wo alles offengelegt wird, und dann wird jeder den Lohn für das erhalten, was er während seines Lebens in diesem Körper getan hat, ob es nun gut war oder böse.

Die gegenwärtige Hoffnung der Zukunft als Realität im Leiden an der Vergänglichkeit
Leben in zwei Welten – der gegenwärtigen und der zukünftigen.

1. Die Wohnung der Ewigkeit ist fertig – geklärte Zukunft
Ich habe „wir wissen“ fett geschrieben. Warum kann Paulus im Blick auf unsere Situation nach dem Sterben von Wissen sprechen? Er kann, es weil Christus auferstanden ist. Er ist als der Auferstandene der erste der neuen Menschheit. Er selbst hatte dies als frommer Schriftgelehrter nicht glauben wollen, bis Christus ihm selbst erschienen ist.
Als Zeltmacher vergleicht er unseren irdischen Leib mit einem Zelt, dass abgebrochen wird. Zelte werden für eine gewisse Zeit aufgebaut, bis man wieder weiterzieht. Unser Leben hier ist nicht auf Dauer ausgelegt, sondern unser „Zelt“ wird einmal abgebrochen. Was dann?
Die Zukunft hat mit Jesu Auferstehung begonnen. Meine Zukunft hat im Glauben an Jesus Christus schon ein Zuhause in der Zukünftigen Welt Gottes. Ich lebe als Nachfolger Jesu sozusagen in zwei Welten, einmal durch meine Geburt hier auf dieser Erde als Nachkomme Adams und zum anderen als neuer Mensch im Glauben an  Jesus Christus. Das eine Dasein sehe ich und das andere glaube ich.
Das neue Menschsein habe ich im Glauben als Realität schon jetzt in mir und als Gewissheit außerhalb von mir bei Christus. Für mich steht zwar Sterben und Auferstehung noch aus. Doch im Glauben habe ich die Auferstehung schon erlebt, dies feiern wir im Abendmahl und erinnern uns dabei, was uns in der Taufe zugesprochen wird und für uns gilt. Mit Christus gestorben und auferstanden.
In meinem irdischen Dasein ist das Neue noch Zukunft. Doch durch den Glauben an Jesus Christus ist sie in mir schon gegenwärtig. In Gottes Reich ist meine neue Wohnung/Zelt/mein neuer Leib vorbereitet. Mein neues Sein ist schon Realität. Hier betrifft mich die Verweslichkeit, dort gibt es keine Verwesung. Hier ist alles Natürliche auch mein Sein vergänglich, dort ist alles himmlisch, ewig.
Die himmlische Welt, Gottes Welt, ist etwas ganz anderes als diese geschaffene, gefallene Welt. Es ist keine Verbesserung, bzw. Reparatur der irdischen Existenz, Keine Renovation. Wir werden verwandelt, das alte Sein kommt nicht auf die Deponie, sondern der Tod wird vom Leben verschlungen und existiert dort nicht mehr.  Diese Zukunft liegt vor uns, im Glauben dürfen wir schon in ihr leben, denn sie wohnt schon in uns.

2. Die Zukunft wohnt schon in uns durch Gottes Geist
5 Gott selbst hat uns auf dieses neue Leben vorbereitet, indem er uns seinen Geist als Unterpfand und Anzahlung/Vorauszahlung gegeben hat.
Unser irdisches Leben als Christen ist in gewisser Weise noch von Jesus getrennt. Doch er hat schon durch den Glauben in uns Wohnung genommen.
Er ist auferstanden – das ist für uns noch Zukunft, denn wir sind noch nicht gestorben und auferstanden.
Er wohnt aber ins uns durch seinen Geist – das erleben wir als Realität.
Wir haben das neue Leben schon durch Gottes Geist in uns. Doch mit unserem irdischen Dasein sind wir noch hier verhaftet. Paulus schreibt: fern vom Herrn (V6). Wir seufzen voll Sehnsucht, so schreibt er (V 4). Ja, wir sehnen uns danach, jetzt schon vollkommen im Himmlischen zuhause zu sein.
Aber, auch wenn dies noch nicht sichtbare Realität ist, so sind wir doch voller Zuversicht (2x V6 u. 8). Wir sind trotzdem gut drauf, weil in uns durch Gottes Geist eine Hoffnung lebt, die uns niemand, selbst der Tod, nicht rauben kann.
Diese Hoffnung haben wir im Glauben, auch wenn wir diese Zukunft noch nicht vor Augen, geschweige denn in unseren Händen haben. Unsere Augen sind sozusagen noch verbunden. Doch wir gehen mit verbundenen Augen an der Hand Gottes, die uns nie loslässt.
In 1.Korinther 13,12 lesen wir: Jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel (damals poliertes Metall, unscharfes Spiegelbild) und wie in rätselhaften Bildern; dann aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Wenn ich jetzt etwas erkenne, erkenne ich immer nur einen Teil des Ganzen; dann aber werde ich alles so kennen, wie Gott mich jetzt schon kennt.
Dieses bruchstückhafte Erkennen haben wir durch sein Wort, durch die Taufe, im Abendmahl. Darin wirkt er durch seinen Geist und wohnt in uns. Gott lebt in uns.
Hierzu fällt mir das Lied ein:
„1. Danke Vater, für das Leben, das du gibst. Dass du deinen Sohn gabst und mich unvergleichlich liebst. Hast mich gerettet und mich neu gemacht. Danke, Gott, für Jesus in mir.
Refrain: Ich bin froh mit Jesus in meinem Haus, gut zu wissen, jederzeit ist er hier. Mein Leben lang, Jesus in mir, in meinem Haus, für allezeit und in Ewigkeit
Dank3, dass du meinem Leben Zukunft gibst. Ich darf neu beginnen, weil du meine Schuld vergibst. Ich gehe vorwärts, denn ich weiß bestimmt: Jesus ist bei mir jeden Tag“ (Judy Bailey, Himmelweit 4).

3. Deshalb hat Gott schon das Sagen in unserem Leben – Er regiert
Die durch Gottes Geist in mir lebende Zukunft prägt mein Leben in der Gegenwart.
9 Daher haben wir auch nur ein Ziel: so zu leben, dass er Freude an uns hat – ganz gleich, ob wir schon bei ihm zu Hause oder noch hier in der Fremde sind.
Was wir einmal sein werden bestimmt schon jetzt unser Denken, Reden und Tun. Wir setzen unseren ganzen Ehrgeiz dafür ein, so könnte man es auch übersetzen, Wir wollen Jesus gefallen, so wie Jesus seinem Vater gefallen wollte und ihm deshalb gehorsam war und unsere Strafe auf sich genommen hat.
Wir folgen Jesus nach, hören wie er auf den Vater, um das Gehörte zu tun, damit auch durch uns neues Leben, göttliches Leben in dieser vergänglichen Welt schon gelebt wird. Versöhnung, Frieden, Gerechtigkeit usw.

Passt zu diesem Text, zu diesen mutmachenden Worten jetzt noch dieser Abschluss?
10 Denn wir alle müssen einmal vor dem Richterstuhl von Christus erscheinen, wo alles offengelegt wird, und dann wird jeder den Lohn für das erhalten, was er während seines Lebens in diesem Körper getan hat, ob es nun gut war oder böse.
Vom Richterstuhl Gottes und unserem Erscheinen davor und vom Gericht über unser irdisches Tun lesen wir auch an anderen Stellen in der Bibel: Römer 14,10; 1.Korinther 3,13-15; 4,5; Römer 2,6; 14,12; Galater 6,7.
Wir müssen festhalten:
Unsere durch Jesus erworbene Rechtfertigung durch Gnade befreit uns nicht vor der Beurteilung unserer Taten. Unsere Sünde wird uns vergeben, doch sie wird benannt. Wir werden nicht am Gericht vorbei gerettet aber aus ihm heraus. Denn wir werden vor dem Richter stehen, der gleichzeitig auch unser Retter unser Anwalt geworden ist. Deshalb ist es für uns noch mehr eine Ehrensache, ihm gefallen zu wollen.
Amen!                                                                                              

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Klagelieder 3

zum 16. Sonntag nach Trinitatis, 19. September 2021

Dieser Sonntag steht unter dem Wochenspruch aus 2. Timotheus 1,10b. Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

Die Verse des vorgeschlagenen Predigttextes aus Klagelieder 3, 22-26.31-32 sind sehr bekannt. Beim Vorbereiten habe ich festgestellt, dass man diese Verse nur dann richtig verstehen und im eigenen Leben anwenden kann, wenn man sie im Zusammenhang des ganzen Kapitels liest. Deshalb werde ich in diesem Impuls und auch in der Predigt im Gottesdienst eine Auswahl von Versen dieses Kapitels nehmen, um dazu dann einige Impulse für uns heute zu nennen.
Die Klagelieder entstanden in der Situation großen Leids. Jerusalem, die Stadt Gottes, in Trümmern, Der Tempel, das Haus Gottes, in Trümmern. Das Gott so etwas zulässt, ja sogar die Feinde selbst sendet, unglaublich. Die Oberschicht des Volkes weggeführt. Mitten in diesen äußeren und inneren Trümmern des Lebens formuliert der Verfasser diese Worte. Wir können sie hören und die Trümmer damals vor Augen haben. Ebenso können wir sie hinein nehmen in unsere eigene Situation, oder in die Situationen dieser Welt, wo Menschen in unterschiedlichsten Leidsituationen fragen: Wo bist du denn Gott? Wo wird sichtbar, dass du dem Tod die Macht genommen hast?  Usw. Lasst sie uns langsam lesen und betrachten.
Klagelieder 3 (Gute Nachricht)
1 Ich bin der Mann, der viel gelitten hat unter den zornigen Schlägen des Herrn. 2 Ich bin es, den er vor sich hertrieb, immer tiefer in die dunkelste Nacht. 3 Immer nur mich traf seine Faust, Tag für Tag, ohne einzuhalten. 4 Er lässt meine Haut und mein Fleisch zerfallen und zerbricht mir alle meine Knochen. 5 Von allen Seiten schließt er mich ein, er umstellt mich mit Bitterkeit und Qual. 6 In Finsternis lässt er mich wohnen wie die, die schon seit langem tot sind. 7 Er hat mich ummauert und in Ketten gelegt, aus diesem Gefängnis gibt es keinen Ausweg. 8 Ich kann um Hilfe schreien, so viel ich will – mein Rufen dringt nicht durch bis an sein Ohr. 9 Er hat mir den Weg mit Steinen versperrt, sodass ich ständig in die Irre gehe.10 Wie ein Bär hat er mir aufgelauert, wie ein Löwe in seinem Hinterhalt. 11 Er hat mich vom Weg heruntergezerrt, dann hat er mich zusammengeschlagen. 12 Er hat den Bogen auf mich angelegt und mich als Ziel für seine Pfeile benutzt. 13 Pfeil auf Pfeil hat er abgeschossen und mir den Rücken damit durchbohrt.14 Die Leute meines Volkes lachen mich aus, täglich singen sie ihr Spottlied über mich. 15 Er gab mir die bitterste Kost zu essen und ließ mich bitteren Wermut trinken. 16 Er hat mich in den Staub gedrückt und mich gezwungen, Kies zu kauen. 17 Das ruhige Leben hat er mir genommen; ich weiß nicht mehr, was Glück bedeutet.
In eine solche Situation hinein versetzten kann sich nur ein Mensch, der ähnliche tiefe Erfahrungen, z.B. eine schwere Depression erleiden musste oder erleidet.  Jemand, der den Verlust von lieben Menschen, von Heimat, von (hier die eigenen schweren Erlebnisse nennen)……… verkraften muss.
Und als Folge dieser ausweglosen Situation, wo man nicht nur denkt, sondern sogar fühlt, dass Gott einen verlassen hat, da kommt es dann zu folgenden Aussagen:

18 Ich habe keine Zukunft mehr, vom Herrn ist nichts mehr zu erhoffen!
19 An all dieses rastlose Elend zu denken ist Gift für mich und macht mich bitter.
20 Doch immer wieder muss ich daran denken und bin erfüllt von Verzweiflung und Schwermut.

Was drückt dieser Mensch aus? Ich bin am Ende, ich kann nicht mehr. Alle meine Sicherheiten sind weg. Meine Hoffnung, das Gott auf meiner Seite steht ist verschwunden. Darf man so von Gott reden? Ja!! Denn Gott lädt uns ein, unser Herz vor ihm auszuschütten. Vor ihm können, ja müssen wir uns und ihm nichts vormachen. Er kennt unsere Situation. Er weiß, wie es um mich, ja um die ganze Welt bestellt ist. Denn, er hält die ganze Welt und auch meine Welt in seiner Hand. Zu diesem Ergebnis kommt auch der Verfasser dieser Zeilen:
21 Ich will mich an etwas anderes erinnern, damit meine Hoffnung wiederkommt: 22 Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben. Sein Erbarmen ist noch nicht zu Ende,23 seine Liebe ist jeden Morgen neu und seine Treue unfassbar groß. 24 Ich sage: Der Herr ist mein Ein und Alles; darum setze ich meine Hoffnung auf ihn. 25 Der Herr ist gut zu denen, die nach ihm fragen, zu allen, die seine Nähe suchen. 26 Darum ist es das Beste, zu schweigen und auf die Hilfe des Herrn zu warten.
Diesem Gott, der alles in seiner Hand hält, verdanke ich mein Leben. Ich würde nicht mehr leben, wenn er mein Leben nicht erhalten hätte. Dies muss uns eigentlich jeden Morgen, wenn wir wach werden bewusst werden. Wir erwachen zu einem neuen Tag, weil er es schenkt.  Seine Liebe ist jeden Morgen neu, auch wenn die Umstände, die uns an diesem Tag erwarten alles andere als schön sind. Die Frage ist ja, ob Gott wirklich mein ein und alles ist und ich deshalb auf alles verzichten kann, was mir in dieser Welt genommen werden kann. Damit wir besser mit den Herausforderungen des Lebens umgehen können gibt es nun folgenden Hinweis, der nicht leicht ist.

27 Für jeden Menschen ist es gut, wenn er schon früh gelernt hat, Last zu tragen.

Kinder und junge Menschen brauchen bestimmte „Belastungen“ in ihrem Leben, um für das kommende Leben gewappnet zu sein. Beides ist für sie nicht gut: Verwahrlosung aber auch Verwöhnung.
Hier folgt nun der Rat, wie wir mit Lasten umgehen sollen, die uns auferlegt werden. Es geht nicht um Lasten, die wir uns oft selbst auflegen.
28 Wenn der Herr ihm etwas auferlegt, soll er für sich allein bleiben und schweigen. 29 Er soll seinen Mund auf den Boden pressen – vielleicht ist doch noch Hoffnung auf Hilfe! 30 Dem, der ihn schlägt, soll er die Backe hinhalten und alle Schmach und Schande auf sich nehmen. 31 Der Herr verstößt uns nicht für immer.
32 Auch wenn er uns Leiden schickt, erbarmt er sich doch wieder über uns, weil seine Liebe so reich und groß ist.

Nochmals wird wiederholt, dass wir geduldig und schweigend ertragen sollen, was uns auferlegt ist. Unsere Hoffnung soll darauf ausgerichtet sein, dass unser himmlischer Vater uns, als seine geliebten Kinder im Blick hat. Die Zeiten werden sich ändern. Er wird kommen und eingreifen. Wann, dass sollen wir geduldig ihm überlassen. Doch gerade dies fällt uns sehr schwer, Geduld zu haben. Sein Erbarmen ist ohne Ende. Er kann nicht anders. Er wird immer wieder seine Barmherzigkeit uns Menschen gegenüber erweisen. Denn:
33 Es macht ihm selbst keine Freude, seinen Kindern Schmerz und Kummer zu bereiten.

Und nun kommen die Erklärungen, warum Gott Grund hatte, seinem Volk gegenüber strafend einzugreifen.
34 Alle Gefangenen in unserem Land wurden getreten und misshandelt; 35 unter den Augen des höchsten Gottes wurden sie um ihr Recht gebracht; 36 Unschuldige wurden verurteilt – und das soll der Herr nicht gesehen haben? 37 Wer sonst spricht ein Wort und es geschieht? Geschieht nicht alles auf seinen Befehl? 38 Wenn Glück oder Unglück über uns kommt, hat nicht der Höchste es angeordnet?

Es ist immer wieder gut, zu schauen, welches Unrecht wir Menschen einander antun. Vor allem zuerst schauen, welches Unrecht durch mich anderen geschehen ist. Für das, was uns angetan wurde und wird dürfen wir wissen, Gott sieht es. Er drückt da nicht einfach seine Augen zu. Er ist gerecht und wird einmal gerecht richten.
Doch wenn wir anfangen, vor Gott unsere Situation zu beklagen sollten wir am Ende des Klagens mit dem Verfasser dieser Zeilen zu folgender Erkenntnis kommen:
39 Mit welchem Recht beklagt sich der Mensch bei Gott? Gegen seine Sünde soll er Klage erheben!
40 Lasst uns unser Leben überprüfen und wieder umkehren zu dem Herrn!
41 Lasst uns die Hände zum Himmel strecken und Herz und Sinn zum Herrn hinwenden!
42 Wir haben gesündigt und dir, Herr, getrotzt und du hast uns die Schuld noch nicht vergeben

Keiner von uns hat Anrecht darauf sich vor Gott zu stellen und ihn anzuklagen. Er verbietet es uns nicht, er kann es aushalten, doch es wird uns nichts nützen. Es nützt uns nur, wenn wir unsere Lage selbst richtig einschätzen und erkennen, dass wir schuldig geworden sind an Gott und an unseren Mitmenschen. Wir können uns dabei aber darauf verlassen, auch wenn Jerusalem und der Tempel zerstört wurde, auch wenn es dem äußeren Anschein darauf hinausläuft, dass unsere Kirchen immer leerer werden. Gottes Güte lässt uns erleben, dass seine Gemeinde, seine Kirche nicht untergehen wird. Ebenso, wie sein erwähltes Volk nie verschwinden wird.
Und nun lasst uns das tun, wozu wir hier ermutigt werden. Miteinander umkehren zu diesem lebendigen Gott. Denn wir dürfen heute die Aussage von Vers 42 abändern und sagen: Wir haben gesündigt, doch du Herr JESUS CHRISTUS warst und bist gnädig und hast unsere Sünden am Kreuz getilgt. Uns ist vergeben, weil du uns liebst. Wir vergeben einander, weil deine Liebe uns erfüllt. Wir schauen auf dich, du wirst kommen. Halleluja!
Amen!

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Lukas 17,5-6

zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 12. September 2021

Die Jünger erleben, dass Jesus im Auftrag seines himmlischen Vaters und im Vertrauen auf ihn große Wunder vollbringt und Dinge geschehen, die unerklärlich sind. Ein Feigenbaum verdorrt auf der Stelle, weil Jesus dies befiehlt (Mt 21,2-22). Ich denke, dass deshalb in ihnen der Wunsch aufsteigt, für ihren Dienst auch solch einen Glauben haben zu können. Denn sie mussten schon erleben (Mt 17,20), dass Dinge nicht geschehen und Jesus sie als Kleingläubige beurteilt. So können wir verstehen, dass sie nun mit einem Wunsch zu Jesus kommen.

5 Die Apostel baten den Herrn: »Gib uns doch mehr Glauben!«6 Der Herr antwortete: »Selbst wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum hier sagen: ›Heb dich samt deinen Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹, und er würde euch gehorchen.« 7 »Angenommen, einer von euch hat einen Knecht, der ihm den Acker bestellt oder das Vieh hütet. Wenn dieser Knecht vom Feld heimkommt, wird dann sein Herr etwa als Erstes zu ihm sagen: ›Komm und setz dich zu Tisch!‹? 8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: ›Mach mir das Abendessen, binde dir ´einen Schurz` um und bediene mich! Wenn ich mit Essen und Trinken fertig bin, kannst auch du essen und trinken.‹? 9 Und bedankt er sich hinterher bei dem Knecht dafür, dass dieser getan hat, was ihm aufgetragen war? 10 Wenn ihr also alles getan habt, was euch aufgetragen war, dann sollt auch ihr sagen: ›Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur unsere Pflicht getan.‹«

Dienen mit der Macht des kleinen/wachsenden Glaubens an den großen Gott

Vorbemerkungen: Es ist zu beachten, was uns vor diesem Text berichtet wird. Jesus sagt den Jüngern, dass sie einander immer wieder vergeben sollen. Auch Markus (Mk 11,22-23) schreibt in seinem Evangelium, dass sie Berge versetzen könnten, durch Glauben, wenn sie vor dem Beten einander vergeben haben und nicht daran zweifeln, dass Gott alles möglich ist.
Eine weitere Ergänzung bringt Paulus im 1. Kor. 13,2 wenn er dort schreibt, dass ein Glaube, der Berge versetzt nichts erreicht, wenn dabei die Liebe fehlt.

Doch nun zum Schwerpunkt in unserem Predigttext, dem Glauben.
Die Bitte, gib uns mehr Glauben, macht deutlich, dass wir Glauben nicht machen können. Wir empfangen ihn von Gott.  Jesus meint, dass wir nur einen Glauben so groß wie ein Senfkorn brauchen. Ein Senfkorn ist so klein und leicht, dass man davon 700 Körnchen braucht, um ein Gramm zu erreichen.
Der Maulbeerbaum ist besonders fest und tief verwurzelt. Wir würden hier als Beispiel eine Eiche nennen, die eine tiefe Pfahlwurzel im Boden hat.

Was ist Glaube?
Es ist ein wagendes und vertrauendes „Sich-Festmachen“ an Gott und seinen Zusagen, nachdem sich Gott zuerst dem Menschen zugewandt hat.
Glauben kann ich nicht experimentell erkunden oder mathematisch berechnen. Glaube geht über die Dimension des Wissens hinaus.
Glaube heißt in Beziehung treten. Beziehung kann nicht gemessen werden. Sie ist Wagnis, Zutrauen, willentlicher Entschluss. Glaube ist Vertrauen, Zutrauen ohne Beweis, ohne Sicherheiten.
Berge versetzen, Baum ausreißen ist hier symbolisch gemeint, wie an anderer Stelle, Auge ausreißen, Hand abhacken oder ein Kamel durchs Nadelöhr führen. Durch Glauben kann unmögliches geschehen.Welche Macht hat der Glaube? Dienen mit der Macht des Glaubens:

1.   Die Macht des großen Glaubens
In Rö 12,3 schreibt Paulus vom Maß des Glaubens, in Kol 2,7 von der Festigkeit des Glaubens. Jesus spricht in Mt 15,28 vom großen Glauben der kanaanitschen Frau, deren Kind er heilt, obwohl er zunächst sagt, dass er zuerst zu den Juden gesandt ist. Doch sie lässt nicht locker und er staunt darüber und handelt.
In Mt 6,30; 8,26; 14,13; 16,8; 17,20 spricht Jesus über die Kleingläubigkeit seiner Jünger.
Auf Gottes Seite ist alles vorhanden ist alles möglich, aber sie und auch wir trauen es ihm nicht zu.
Glaube an Gott ist Glaube an eine Person, deren Macht unendlich ist. Es ist nicht der Glaube an einen toten Gegenstand, dem wir Macht zuschreiben.
Gott kommt auf uns zu in seinem Wort (Rö 10,17 Glaube kommt aus dem Hören)
und im Abendmahl.
Sein Wort ist nicht nur zu betrachten, es redet mich an, spricht zu mir, ermutigt mich, tröstet mich, verwandelt mich. Gott will in mir Glauben wecken, stärken, mehren. Darum bitten die Jünger bei Jesus an der rechten Stelle. Denn Christsein ist Glauben. Glaube kommt aus der Begegnung mit Gott, sie ereignet sich in Christus. In ihm begegnet uns Gott, dies feiern wir auch im Abendmahl.
Glaube ist nicht nur Denken über Gott. Glaube bedeutet, von Gott, dem ewigen Schöpfer des Himmels und Erde etwas erwarten.
Mehr Glauben – sie konnten es nicht – immer wieder trauen auch wir Gott zu wenig zu. Wir hätten gerne den großen Glauben, der zuversichtlich erwartet was Gott tut. So wie Jesus selbst vom Vater alles erwartet und erbeten hat.

2.   Die Macht des Glaubens – des kleinen
Bergeversetztender Glaube wird uns nicht abverlangt, sondern er wird uns zugesprochen.
Es geht hier nicht nach dem Motto: Du hast noch keinen Berg versetzt? - Dann bist du kein gläubiger Christ.
Es geht hier nicht um die Kraft des Glaubens, die wir selbst in uns entwickeln könnten, um bei Gott etwas zu bewirken.
Es geht um Senfkornglauben. Das Senfkorn ist der kleinste mit den Augen zu sehender Gegenstand: 1 Gramm sind ca. 700 Körnchen. Der Glaube ist zwar klein, aber er glaubt nicht an die eigenen Möglichkeiten, er glaubt an Gott. Glaube sagt nicht, ich trau mir das zu, sondern ich traue es Gott zu.
Nur ein Fünkchen Glaube reicht, das Gottes Zusage mir gilt, dass ich ein Kind Gottes bin.
Ich kann nicht auf meine Bekehrung bauen oder weil ich einen großen Glauben habe, rettet mich Gott. Die Rettung gilt mir, weil ich mich glaubend, vertrauend an ihn hänge.
Dann gilt: Alles ist möglich, dem der da glaubt, der Gott alles zutraut Mt 9,23.
Der Glaube glaubt an die Entmachtung des Heillosen im eigenen Leben und im Leben des anderen.
Jesus will Menschen, die von ihm etwas erwarten, die ihn glaubend und vertrauend herausfordern.
Soll dieser Senfkorn-Glaube nun klein bleiben oder wachsen?

3.   Die Macht des Glaubens – des wachsenden
Wir halten fest: Der Glaube ist ein Geschenk im Herzen des Menschen, im Zentrum des Menschen.
Glaube bleibt immer ein „Sichere-Schritte-Tun, obwohl kein Weg zu sehen ist, ein Hoffen, obwohl es aussichtslos ist, ein Nichtzweifeln, obwohl es verzweifelt steht, einen Grund haben obwohl man ins bodenlose tritt“ (Ebeling)
Glaube ist ein Loslassen der weltlichen Sicherungen und Stützen, ein wagendes Mitgehen mit Jesus.
Aber bei diesem Gehen macht der Glaubende Erfahrung. Dabei wird es immer wieder durch neue Anfechtung gehen – aber immer auch neues Durchhalten, Dranbleiben.
Deshalb gibt es dann folgende Aussagen in der Bibel und wir können aus dem eigenen Leben solches Erleben bezeugen:
2.Thess 1,3: Euer Glaube wächst sehr…  2.Petr 3,18: … wachsen in der Gnade und Erkenntnis Jesu.
Phil 1,9 ..., dass eure Liebe immer mehr überströme in Erkenntnis und aller Einsicht.
Wie wächst der Glaube? Dadurch, dass ich mich immer mehr an Jesus halte. Von mir und den anderen wegsehe auf ihn und seine heilende Macht, die Neues schaffen kann, wo ich nur Tod sehe.
Jesus weckt, provoziert durch sein Reden den Glauben in mir und dir.
Petrus, der Jesus auf dem Wasser gehen sieht, sagt: Jesus, wenn du es bist, dann kann ich das auch. Und er geht die Glaubensschritte auf dem Wasser, bis er auf das Unmögliche sieht (auf die Wellen und das Wasser und nicht mehr auf Jesus) und der Zweifel kommt. Doch Jesus lässt ihn nicht untergehen. Er hält den Kleingläubigen fest.
Glaube wächst, wenn ich mich an Jesus halte. Dann darf ich erleben, dass er mein Leben im Glauben vollenden wird.
In Hebr. 12,2 wird uns gesagt, dass Jesus der Anfänger und Vollender unseres Glaubens ist. Darauf können wir uns verlassen. Ich wünsche euch mutige Glaubens-Schritte im Aufblick auf Jesus. Schaut auf ihn, nicht auf das Unmögliche. Bringt eure Gaben und Fähigkeiten ein, die Gott euch zum Dienst in der Gemeinde und an euren Nächsten geschenkt hat. Im Dienen wird euer Glaube wachsen und durch den Einsatz eurer Gaben wird Gott große Dinge im Leben von anderen vollbringen. Und ihr werdet sagen können, ich habe doch nur gemacht, wozu Gott mich befähigt hat. Traut ihm nicht zu wenig zu. Er hat auch in euch das Unmögliche bewirkt. Ihr lebt im Senfkorn-Glauben an ihn, der alle Macht hat. Amen.                   

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Markus 7,31-37

zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 22. August 2021

Der Predigttext schildert uns ein Ereignis im heidnischen Zehn-Städtegebiet am Ostufer des See Genezareth.
Jesus erweitert sein Handlungsraum und zeigt damit, dass er nicht nur zum Heil für die Juden gesandt wurde.
Er ist gekommen, um für alle Menschen das Heil, die Beziehung zu Gott wieder herzustellen.

31 Jesus verließ die Gegend von Tyrus wieder und ging über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das
Zehnstädtegebiet. 32 Dort wurde ein Mann zu ihm gebracht, der taub war und kaum reden konnte; man bat
Jesus, ihm die Hand aufzulegen. 33 Jesus führte ihn beiseite, weg von der Menge. Er legte seine Finger in
die Ohren des Mannes, berührte dann dessen Zunge mit Speichel (spuckte aus und berührte seine Zunge),
34 blickte zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Mann: »Effatá!« (Das bedeutet: »Öffne dich!«) 35 Im
selben Augenblick öffneten sich seine Ohren, seine Zunge war gelöst, und er konnte normal reden. 36 Jesus
verbot den Leuten, jemand etwas davon zu sagen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie
es bekannt. 37 Die Menschen waren vor Staunen ganz außer sich. »Wie gut ist alles, was er getan hat!«,
sagten sie. »Er gibt sogar den Tauben das Gehör und den Stummen die Sprache wieder.«

Jesus Christus will auch heute unser Arzt/Heiland sein …

1. … indem Er sich jedem Einzelnen zuwendet
Ein Taubstummer Mensch wird zu Jesus geführt. Er kann nicht reden, gibt nur Laute von sich, da zum
Sprache lernen das Hören notwendig ist. Die Menschen, die ihn zu Jesus bringen, erwarten, dass dieser ihn
durch Handauflegung heilen möge.
Doch was tut Jesus? Er will nicht als der handauflegende Wunderheiler bekannt werden. Er will eigentlich
gar nicht als Wunderheiler bekannt werden. Er verbietet sogar davon zu reden.
Und er handelt ganz anders. Zunächst ist zu beachten, dass er sich dem Taubstummen persönlich zuwendet,
ihn beiseite nimmt, um sich ihm allein, ganz individuell zuzuwenden.
Das ist Jesus. Er hat jeden einzelnen Menschen im Blick. Es geht ihm nicht um seine Person, sondern um
den der ihn als Heiland braucht. Er legt ihm nicht die Hände auf, wie er es in anderen Situationen getan hat.
Er drückt mit dem Finger auf die Ohren, um so zu verdeutlichen, dass sie aufgehen sollen.
Dann spuckt er auf den Boden. Dies kann als eine verachtende Handlung gegen den Feind, der alle
Zerstörung in dieser Welt wirkt, bedeuten. Oder er spuckt und berührt mit dem Speichel die Zunge.
Dies wird unterschiedlich übersetzt und gedeutet.
Doch beachtenswert ist seine Geste danach. Er blickt zum Himmel. Denn, was geschehen soll, das hat mit
Gott zu tun. Jesus tut seine Wunder als Bittender. Sein Ausruf „Effata = Öffne dich“ ist kein Zauberspruch,
sondern ist Flehen, Gebet, Bitte an seinem himmlischen Vater.
Das Wunder geschieht. Der bisher Taubstumme kann sofort hören und erstaunlicherweise richtig reden.
Was hat er erlebt? Menschen haben ihn zu Jesus gebracht. Dieser hat sich ihm persönlich zugewandt. Auf
ganz andere Art als erwartet. Keine Handauflegung. Jesus handelt bei jedem individuell. Er erlebte die
Zuwendung des Heilands. Er erlebte, wie Gott in Beziehung zu ihm tritt, und wie er dadurch schon heil
werden durfte. Er, der sonst ausgeschlossene, durch seine Krankheit gezeichnete, war bei Gott willkommen.
Und als Zugabe zu diesem Heil darf er die wunderbare körperliche Heilung erleben.
Jesus Christus will auch heute unser Arzt sein….

2. … indem er seine Macht erweist gegen den Zerstörer der Schöpfung.
Manche deuten diese Geschichte nur geistlich, da ja nicht alle Taubstummen geheilt wurden. Jesus wolle bei
uns die Ohren für sein Wort öffnen, damit wir es verstehen und uns dann ermutigen, davon reden zu können.
Ich denke, dass ist gewiss auch eine Wahrheit. Doch Jesus macht mit dieser und mit allen seinen
Wunderhandlungen deutlich, wer er ist und wozu er gekommen ist.
Er ist gekommen, um die Werke des Satans, des Teufels zu zerstören. Alle Wunder machen deutlich, welche
Macht ihm gegeben ist. Sie sind Zeichen dafür, dass er der verheißene Messias, der Retter ist, der von Gott
durch die Propheten verheißen wurde.
In seinem Dasein auf dieser Erde ist er ganz abhängig von seinem Vater, deshalb hebt er seine Augen auf,
um von ihm zu erbitten, dass Gott sich hier mit seiner Macht erweist gegen den, der alle Zerstörung und
Krankheit in diese Welt gebracht hat.
Jesus ist gekommen, um Gottes Herrschaft Bahn zu brechen. Im Aufstand gegen Gott haben wir Menschen
uns von ihm getrennt mit allen Folgen, an denen wir als Menschheit leiden. Denn in dieser Welt herrscht der
Satan, der Durcheinanderbringer, der Vater der Lüge und seine Mächte.
Doch Jesus ist in diesen Kampf eingetreten und hat Satan besiegt. Alles, was er an Zerstörung anrichtet,
macht er wieder heil. Dies zeigen die Wunderheilungen. Er ist gekommen, die Werke des Satans zu zerstören
(1.Johannes 3,8) und mit dem Finger Gottes treibt er die Dämonen aus (Lukas 11,20). Alle Machterweise
Jesu sind Kampfhandlungen. Es geht gegen den Zerstörer der Schöpfung. Gegen den, der die Menschen von
Gott weggebracht hat und sie von ihm abhalten will.
Wenn Jesus bei diesem Taubstummen ruft Effata=Öffne dich, so ist es ein Kampfruf. Denn, wenn sich die
Ohren öffnen und die Fesseln der Zunge lösen, dann ist die gottfeindliche Macht besiegt. Jesus ist Sieger.
Den endgültigen Sieg hat er am Kreuz errungen. Meine und deine Sünden wurden mit ihm ans Kreuz
genagelt und in den Tod gegeben. Satan hat kein Anrecht mehr, sie uns vorzuhalten bzw. uns anzurechnen.
Wir sind nicht mehr in der Sünde, in der Trennung von Gott gefangen. Die Fesseln sind gelöst und unsere
Ohren offen für Gottes Reden, für sein Evangelium, dass wir für uns hören und weitersagen dürfen.
Jesus hat uns das Heil erworben, dass uns auch der Tod nicht mehr rauben kann. Denn Gott hat sich in Jesus
auf unsere Seite gestellt. Wir müssen zwar, als Folge der Sünde, immer noch sterben, aber er hält für uns das
ewige Leben bereit.
Dies dürfen wir im Glauben festhalten, auch wenn wir zum Heil in Jesus nicht immer als Zugabe auch
Heilung von Krankheiten erleben sollten.
Denn die Frage bleibt: Warum aber hat Jesus damals nicht alle Menschen geheilt und tut es auch heute nicht?
Denn er will doch auch heute unser Arzt sein, doch ….

3. … nicht nach unseren Wünschen aber nach seiner Verheißung.
Wer aus diesem Predigttext und anderen Heilungswundern schließen würde, dass Jesus uns von allen
Krankheiten heilen wird, wenn wir ihm nur glauben, der übersieht die Wirklichkeit damals und heute.
Z.B. hat Jesus nicht alle am Teich Bethestha geheilt. Es gab zur Zeit Jesu viele die Heilung durch ihn erleben
durften. Aber es gab auch weiterhin noch Kranke.
Und vor allem hat er uns, Gott sei Dank, nicht genommen, dass uns alle die letzte Krankheit, das Sterben
treffen wird. Sonst müssten wir ja ewig in diesem irdischen Zustand weiterleben.
Jesus Christus will unser Arzt sein. Doch es geht hier nicht nach unserer Wunschvorstellung. Es geht nach
Gottes Plan.
Gott wollte von Anfang an eine Welt, in der wir mit ihm zusammen leben in ungetrübter Gemeinschaft mit
ihm, als Menschen untereinander und mit allen Geschöpfen. Doch wir Menschen haben uns gegen Gott
entschieden. Doch die Sehnsucht, die Beziehung zu Gott und untereinander zu erleben, ist bis heute in uns
drin. Deshalb sind durch Menschen auch viele Werke entstanden, die sich für die Schwachen einsetzen, nicht
nur bei den Menschen, sondern auch bei den Tieren. Auf der anderen Seite haben wir Menschen an anderen
Menschen und an der ganzen Schöpfung heftige Verbrechen begangen.
Hier spüren wir den Kampf in dieser Welt zwischen der Macht der Finsternis, die von purem Egoismus
geprägt ist und der Macht Gottes, der Liebe, die alles für den anderen einsetzt.
Gottes Herrschaft ist durch Jesus in diese Welt hineingekommen. Doch sie ist bisher nur in denen am Wirken,
die an ihn glauben. Sichtbar wird diese Herrschaft mit allen Folgen erst werden, wenn Jesus wiederkommt
und wirklich alles heil macht. Dies hat er verheißen. Bis dahin bleibt es aber nicht aus, dass er auch heute
Wunder der Heilung, der Befreiung wirkt. Lasst uns noch mehr dafür beten und darum ringen und sie
erflehen, wie Jesus es getan hat. Lasst uns aufsehen zu Jesus.
Lasst uns aber auf der anderen Seite die Hoffnung auf die Ewigkeit, auf die neue Welt nicht aufgeben, wenn
uns hier im Leben Schweres auferlegt wird. Sei es durch unser eigenes Handeln oder durch Menschen, die
uns das Leben schwer machen. Seine Verheißung, dass er kommen und alles neu machen wird, wird sich
erfüllen. Wir werden staunen wie die Leute damals.
37 Die Menschen waren vor Staunen ganz außer sich. »Wie gut ist alles, was er getan hat!«, sagten sie. »Er
gibt sogar den Tauben das Gehör und den Stummen die Sprache wieder.«

Am Anfang, als Gott diese Welt schuf, sah er alles an und es war sehr gut. Wir Menschen haben dies zerstört.
Doch am Ende werden auch wir sagen, was die Menschen damals gesagt haben: „Wie gut ist alles, was er
getan hat!“ Denn am Ende wird alles gut sein für die Menschen, die an Gott glauben und Jesus als ihren
Heiland im Leben aufgenommen haben. Wir vertrauen ihm, er, unser Arzt lässt uns nie los.
Amen.                                                              (Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu Matthäus 7,24-29

zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 1. August 2021

Der Predigttext für diesen Sonntag bildet den Abschluss der „Bergpredigt“, die im Matthäusevangelium in Kapitel 5-7 zu finden ist. Einige Verse vor unserem Text finden wir die herausfordernde Aussage von Jesus in V. 21:  »Nicht jeder, der zu mir sagt: ›Herr, Herr!‹, wird ins Himmelreich kommen, sondern nur der, der den Willen meines Vaters im Himmel tut.
In der Bergpredigt greift Jesus unterschiedlichste Themen des geistlichen Lebens auf und zeigt auf, wie sie aus Gottes Sicht gesehen werden, was sein Wille ist. „Ihr habt gehört……, ich aber sage euch……“, so fordert er die Zuhörer immer wieder heraus. Worin sie dachten, sicher zu sein, werden sie verunsichert, denn so haben sie es noch nie gehört. Dies zeigen die letzten beiden Verse unseres Predigttextes:
28 Als Jesus seine Rede beendet hatte, war die Menge von seiner Lehre tief beeindruckt, 29 denn er lehrte sie nicht wie ihre Schriftgelehrten, sondern mit Vollmacht.
Die Zuhörer werden in ihrem Innersten getroffen und erschüttert. Wenn dies bei uns beim Hören auf Jesu Worte nicht passiert, dann ist unser Herz verschlossen. Lasst uns beten, dass unsere Herzen offen sind.
Bei den Schriftgelehrten und Pharisäern hatten die Leute gehört, wie ein korrektes Leben nach dem Gesetz aussehen soll. Es entstanden Traditionen mit vielen Ausführungsbestimmungen. Kaum einer blickte mehr durch. Und über vielen stand das Urteil, dass sie keine Chance bei Gott haben.
Jesu Rede war anders, sie traf ins Herz der Zuhörer. Seine Rede führte zur Umkehr. Sie ermöglichte die Umkehr zu Gott. Forderte aber auch die Umkehr, der vermeintlichen Heiligen, die sich auf der sicheren Seite sahen.
Hören wir nun auf seine letzten Worte der Bergpredigt
24 »Darum gleicht jeder, der meine Worte hört und danach handelt, einem klugen Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baut. 25 Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es nicht ein; es ist auf felsigen Grund gebaut. 26 Jeder aber, der meine Worte hört und nicht danach handelt, gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf sandigen Boden baut. 27 Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es ein und wird völlig zerstört.«

Jesu Worte hören und tun = Klugheit
Wer hörend handelt ist vorbereitet – weil…

1.Vorbereitet – weil er mit „Unwetter“ rechnet
Irgendwie stellte Jesus aber auch alles auf den Kopf. „Euch ist von euren Gelehrten gesagt …, ich aber sage euch … „, so hörte man ihn reden. Bisher war für die meisten seiner Zuhörer klar: Ich halte die Gebote. Ich habe noch keinen getötet, die Ehe nicht gebrochen, den Nächsten geliebt und meinen Feind gehasst.
Mein Lebenshaus ist in Ordnung und steht sicher. Nun kommt dieser Jesus und sagt: „Dein Lebenshaus wird einstürzen. Du hast keines der Gebote wirklich gehalten. Denn, wer zu einem anderen sagt, du bist ein Idiot, der hat das Gebot, du sollst nicht töten übertreten. Wer mit einer Frau in Gedanken, die Ehe gebrochen hat, der hat das Gebot übertreten. Du sollst nicht nur deinen Freund, sondern deinen Feind lieben usw.“
Matthäus 5,20: Denn ich sage euch: Wenn euer Leben der Gerechtigkeit Gottes nicht besser entspricht als das der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr mit Sicherheit nicht ins Himmelreich kommen.«
„Eure und ihre frommen Werke retten euch nicht im kommenden Gericht („Unwetter“).“ Denn davon ist hier die Rede, wenn Jesus von den auf das Lebenshaus hereinbrechenden Wassermassen spricht, so wie damals bei der Sintflut, durch die Gott die Welt gerichtet hat.
Euer Sorgenmachen ist Götzendienst, weil ihr eurem Besitz mehr Vertrauen schenkt als Gott.
Mit eurem Richten verurteilt ihr euch selbst. Denn eure Selbstgerechtigkeit wird keinen Bestand haben, wenn ihr euch vor Gott verantworten müsst.
Da stellt sich die Frage: Ist es wirklich klug so zu leben, wie Jesus es fordert und wie er es selbst gelebt hat?
Ein Leben einzig und allein ausgerichtet auf das kommende Reich Gottes. Jesus passt einfach nicht in die von den frommen Pharisäern und Schriftgelehrten geprägten Frömmigkeitswelt, die es sich hier bequem eingerichtet haben.
Ist es wirklich klug, diesem gelernten Zimmermann zu folgen, auf ihn zu hören?
Ja, Jesus kannte sich als Zimmermann im Häuserbau aus. Die Lebenshäuser der Menschen mögen äußerlich gleich aussehen, weil allen Menschen die gleichen Baumaterialien für ihr Leben bereitstehen.
Doch der Baugrund macht den Unterschied. Der Kluge, der auf Jesus hört, baut auf Felsen, weil er damit rechnet, dass das Gericht über sein Leben kommen wird, die Wassermassen, über sein Lebenshaus hereinbrechen werden.
Die Belastungsproben kommen schon im Verlauf unseres Lebens in unterschiedlichster Art, wenn einem der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Doch sie sind im Vergleich zum Gericht, welches kommen wird, nur eine Kleinigkeit, nur Vorgeplänkel. Auch wenn es heftig ist, wenn wir hier mitten in Leid, Krankheit, zerbrochenen Beziehungen oder anderen Nöten feststecken.
Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben und danach kommt das Gericht. Und im Gericht hat nur der Mensch bestand, der auf dem einzig wahren Felsen steht, auf Jesus Christus. Er hat sich auf dem Felsen Golgatha an meiner und deiner Stelle unter das Gericht Gottes über die Sünde der Welt gestellt. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden haben.
Wer hörend handelt ist 1. Vorbereit- weil er mit dem Gericht (dem Unwetter) rechnet

Wer hörend handelt ist
2. Vorbereitet – weil er einen sicheren Standpunkt hat
Wie bekommt nun das Haus die erforderliche Stabilität?
Jesus sagt, dass zum Hören, das Tun kommen muss. Wer auf Jesus horcht und ihm gehorcht, der wird mit einem Hausbauer verglichen, der sein Lebenshaus auf ein sicheres Fundament stellt. Keine Wasserflut kann dieses Haus wegreißen, denn es steht auf einem sicheren Felsen.
Jakobus beschreibt es in seinem Brief im 1. Kapitel:
22 Hört euch diese Botschaft nicht nur an, sondern handelt auch danach; andernfalls betrügt ihr euch selbst. 23 Denn wer sich ´Gottes` Botschaft zwar anhört, aber nicht danach handelt, gleicht jemand, der sein Gesicht im Spiegel betrachtet 24 und der, nachdem er sich betrachtet hat, weggeht und sofort wieder vergisst, wie er ausgesehen hat. 25 Wer sich jedoch in das vollkommene Gesetz vertieft, das Gesetz der Freiheit, und es ständig vor Augen hat, wer also das Gehörte nicht vergisst, sondern es in die Tat umsetzt, der ist glücklich zu preisen, denn er wird gesegnet sein bei allem, was er tut.
Jesus sagt in der Bergpredigt, dass man die wahren und falschen Propheten an den Früchten ihres Lebens erkennt (Matthäus 7,15-20).
Er fordert die Menschen, die ihm nachfolgen wollen, auf, dass zu sein, wozu er sie gemacht hat: Salz und Licht der Welt (Mt 5,16). Sie sollen lebenserhaltend, würzig und lebenserhellend wirken. Die Menschen sollen ihr Tun wahrnehmen und darüber zum Lob Gottes kommen.
Dies ist das Ziel für alles Tun des Menschen. Gott soll verherrlicht werden, die Menschen sollen nicht mehr auf sich und aufeinander schauen und einander beurteilen, sondern auf Gott, vor dem wir ohne Unterschied als Sünder stehen. Keiner ist gerechter als der andere. Keiner kann sagen, ich halte alle Gebote.
Doch vor allem Tun ist das Hören, das Zuhören, das Horchen wichtig.
Paulus schreibt in Römer 10,17: „Der Glaube kommt aus dem Hören, aus der Predigt und das Hören, die Predigt kommt aus dem Wort Gottes.“
Und bei diesem Hören werden wir erkennen, dass es ganz allein auf das Fundament unseres Lebenshauses ankommt. Es geht nicht darum, dass unsere Erfolge und Erträge im Leben besser sein müssen als die derjenigen, die nicht an Jesus glauben. Diese können sogar erfolgreicher sein. Ihr Lebenshaus mag einer Villa gleichen. Und der Beter von Psalm 73 kommt darüber ins Zweifeln, wenn er fragt, warum es dem Gottlosen besser als ihm ergeht, der sich an Gottes Ordnungen hält? Doch er kommt im Blick auf das Ende des Lebens zur freudigen Erkenntnis, dass er da besser dran sein wird.
Was uns und unser Lebenshaus bestehen lässt in den Stürmen des Lebens ist nicht dies, dass wir etwas anders bauen als unsere nichtchristlichen Mitmenschen, sondern, dass wir auf einem anderen Grund bauen, darauf nämlich, dass Jesus Christus selbst, indem er uns annimmt, uns vergibt und uns in seine Nachfolge ruft, uns ein neues Leben schenkt.
Das neue Leben, dass er durch die Gegenwart seines Heiligen Geistes in uns wirkt. Dieser leitet uns in allen Entscheidungen für unser Dasein hier. Von ihm geleitet setzen wir die uns von ihm geschenkten Gaben dazu ein, dass sie zum Segen für unsere Nächsten wirken. Wir leben horchend auf ihn und gehorchen voll Zuversicht und Freude. Denn nicht unser Tun rettet uns, sondern dass wir zu ihm gehören und auf diesem Felsen sicher stehen. Und wenn wir versagen sollten, so ist er gnädig und barmherzig und hält uns fest. Er lässt uns niemals los. So lasst uns fröhlich hörend, gehorchend handeln, dann kann kommen was kommen mag. Niemand und nichts kann uns aus seiner Hand reißen.
Amen.                                                (Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu 1. Korinther 1,18-25

zum 5. Sonntag nach Trinitatis 04. Juli 2021

Die Botschaft/Predigt/Verkündigung/das Wort des gekreuzigten Gottes

Paulus dankt am Anfang seines Briefes für den Glauben, den Gott in den Korinthern gewirkt hat und dass er sie mit allen Geistesgaben beschenkt hat. Doch dann muss er sie gleich ermahnen, eins zu bleiben und sich nicht spalten. Es gab Anhänger des Paulus, des Apollos, des Petrus, und dann sogar noch solche, die sagten, wir sind die wahren Christus-Nachfolger.
Paulus weist sie darauf hin, dass sie doch alle auf Christus getauft seien, nicht auf ihn oder die anderen Boten Gottes. Er ist dankbar, dass er selbst nur wenige getauft hat, weil Gott ihm dies nicht als Hauptauftrag gegeben hatte. Er sollte das Evangelium von Jesus verkündigen. Darauf legt er nun den Schwerpunkt. Es ist und bleibt die Aufgabe der Kirche, dieses Evangelium des gekreuzigten Jesus zu verkündigen. Paulus schreibt:
17 Denn Christus hat mich nicht beauftragt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden. Und das darf nicht mit klugen Worten geschehen, weil sonst der Botschaft von Christus und seinem Tod am Kreuz die Kraft genommen würde.   18 Mit der Botschaft vom Kreuz ist es nämlich so: In den Augen derer, die verloren gehen, ist sie etwas völlig Unsinniges; für uns aber, die wir gerettet werden, ist sie ´der Inbegriff von` Gottes Kraft. 19 Nicht umsonst heißt es in der Schrift: »Die Klugen werde ich an ihrer Klugheit scheitern lassen; die Weisheit derer, die als weise gelten, werde ich zunichtemachen.« 20 Wie steht es denn mit ihnen, den Klugen, den Gebildeten, den Vordenkern unserer Welt? Hat Gott die Klugheit dieser Welt nicht als Torheit entlarvt? 21 Denn obwohl sich seine Weisheit in der ganzen Schöpfung zeigt, hat ihn die Welt mit ihrer Weisheit nicht erkannt. Deshalb hat er beschlossen, eine scheinbar unsinnige Botschaft verkünden zu lassen, um die zu retten, die daran glauben. 22 Die Juden wollen Wunder sehen, die Griechen fordern kluge Argumente. 23 Wir jedoch verkünden Christus, den gekreuzigten Messias. Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die anderen Völker völliger Unsinn.24 Für die hingegen, die Gott berufen hat, Juden wie Nichtjuden, erweist sich Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 25 Denn hinter dem scheinbar so widersinnigen Handeln Gottes steht eine Weisheit, die alle menschliche Weisheit übertrifft; Gottes vermeintliche Ohnmacht stellt alle menschliche Stärke in den Schatten.

Die Botschaft/Verkündigung/Predigt des gekreuzigten Jesus ist
1.Sinnlose, unsinnige Weisheit (aus Sicht der Griechen)
Die Griechen hatten sich ihre Götterwelt mit ihrer hochstehenden menschlichen Weisheit erdacht. In ihr Bild und wir stellen immer wieder fest, auch in unser heutiges Bild von menschlicher Weisheit, passt es nicht, dass wir an einen Gott glauben sollen, der am Kreuz hängt.
Die Weisheit dieser Welt erschafft sich deshalb eigene Religionen. Die Welt ist voll davon. Doch es gilt zu beachten: Wenn wir Gott mit unserer Weisheit erklären könnten, dann würden wir ihn uns unterordnen und könnten über ihn verfügen. Doch dem ist eben nicht so. Er ist Gott und wir sind seine Geschöpfe. Und unsere Entscheidung als Menschen, selbst Gott sein zu wollen (Adam und Eva aßen vom Baum der Erkenntnis) hat uns unfähig gemacht, Gott zu erkennen. Aber in uns ist die Sehnsucht nach einer Beziehung zu Gott geblieben, weil wir immer noch seine Geschöpfe sind.
Beweisen können wir mit unserer Weisheit nur Weltliches, uns Verfügbares. Über Gott können wir nicht verfügen. Wenn er sich uns nicht offenbart, haben wir keine Chance, ihn zu erkennen. Und dieses Erkennen geschieht allein im Glauben. Es wird nur dem Glaubenden geschenkt.
In Korinth bestand die Gefahr, dass sich die Gemeinde spaltet, da die einzelnen Gruppierungen der Weisheit der unterschiedlichen Verkündiger folgten und sich voneinander abgrenzten. Dies ist eine Gefahr, die zu jeder Zeit die Gemeinde Jesu zersplittert hat.
Paulus muss sie darauf hinweisen, dass es nicht darum geht, irgendeinem geistlichen Leiter und seiner Weisheit zu folgen, sondern dem gekreuzigten Jesus Christus. Ihm nachzufolgen, reicht aus, um gerettet zu sein. Denn, durch die Taufe auf ihn ist unser altes Leben mit ihm in sein Sterben am Kreuz gegeben worden.
Wie dies geschieht, ist nicht mit menschlicher Weisheit zu erklären. Doch wir wollen es immer wieder erklären. Dies zeigt uns die ganze theologische Diskussion nicht nur über die Taufe, sondern auch über das Abendmahl. Wie Jesus darin wirkt ist unserem menschlichen Wissen verborgen.
Die Verkündigung des für unsere Sünde gekreuzigten und auferstanden Jesus hat nichts mit menschlicher Weisheit zu tun. Sie ist ja auch keine menschliche Erfindung, keine Religion. Es ist Gottes Rettungstat. Wer von ihr hört, kann eigentlich nur so reagieren, wie es Petrus tat (Lukas 5,1-11), als Jesus in seinem Boot predigte und er erkannte, dass dieser Mann von Gott kommt und deshalb nicht zu ihm als Sünder in sein Boot gehört. Doch Jesus geht nicht weg, er beruft ihn in seine Nachfolge. Und was macht Petrus. Er handelt menschlich gesehen unsinnig. Er verlässt seine Fischerei, seinen sicheren Broterwerb und folgt diesem Rabbi. Weil Gott sich ihm offenbart hat. Er konnte später sagen: Du bist der Messias, du bist der Retter, den Gott verheißen hat. Und er hat nach der Kreuzigung, Auferstehung und Erfüllung mit dem Heiligen Geist diese vermeintlich unsinnige Botschaft vom Retter am Kreuz verkündigt. Darauf steht die Gemeinde Jesus bis heute. Es gibt keine andere Grundlage.
Die Botschaft/Verkündigung/Predigt des gekreuzigten Jesus ist 1. Sinnlose, unsinnige Weisheit. Denn: Wenn ich die Bibel mit menschlicher Weisheit lese bzw. eine Predigt dazu höre, komme ich immer wieder zum Ergebnis, dass das ganze doch irgendwie keinen Sinn macht. Ich kann Gott und sein Handeln mit menschlicher Weisheit nicht begreifen und erklären. Ich kann es nur im Vertrauen auf ihn glauben und ihm folgen. Gerade auch dann, wenn dies den Spott der vermeintlich schlauen Menschen mit sich bringt.

Die Botschaft/Verkündigung/Predigt des gekreuzigten Jesus ist
2. Ohnmächtige Kraft (aus Sicht der Juden)

Der Einspruch der Juden gegen die Botschaft vom Kreuz ist im Grunde kein anderer. Beide (Griechen und Juden) erwarten von Gott, dass er sich erweist, dass er sich so zeigt, dass man ihn unmittelbar erkennen (mit unserer Weisheit) und erfahren (Zeichen und Wunder) kann. Dennoch ist es bei den Juden noch etwas Besonderes.
Der griechisch geprägte Mensch traut seiner Weisheit zu, von sich aus durch das Denken zu Gott zu kommen.
Der jüdische Mensch weiß, dass Gott im Himmel ist und wir auf der Erde. Wir können von uns aus nicht dorthin kommen.
Deshalb erwarten sie von Gott, dass er den Himmel aufreißt und herabfährt. Sich mit Zeichen und Wundern als diesen Gott erweist, an den sie glauben. Doch stattdessen wird der gekreuzigte Jesus, der gekreuzigte Gott verkündigt: Gott, unkenntlich verborgen, im Verzicht auf alle Macht, in bejammernswerter Schwachheit, im Scheitern und im Untergang.
Sie verlangen nach der Erfahrbarkeit und dem Sichtbarwerden der göttlichen Macht. Gemäß dem Motto: Wenn du wirklich Gott bist, dann zeige was du kannst. Wenn du Gott bist, dann steig vom Kreuz herunter.
Ja, dass würde ihnen und manchen von uns heute so passen, wenn sich Jesus auf diese Weise erniedrigt hätte und heute erniedrigen würde, um durch Zeichen und Wunder seine Macht zu zeigen.
Er tut es eben nicht. Wenn er es tun würde, wäre er nicht mehr Gott, sondern er würde zum Handlanger unserer egoistischen Wünsche und zum Erfüllungsgehilfen unseres Willens.
Das Ärgernis des Kreuzes zeigt sich in vielfältiger Weise auch in den Argumenten, die wir Menschen diesem vermeintlich ohnmächtigen Gott vorhalten.
Will Gott sich in dieser Welt nicht durchsetzen? Kann er es vielleicht nicht? Ist er an dieser Welt nicht mehr interessiert? Hat es sie aufgeben? Lässt er den Dingen ihren Lauf? Hat er mich vergessen? Usw.Sieht er denn nicht die Missstände in der Welt: Krieg, Hunger, Sklaverei, Machtmissbrauch von Herrschern in Ländern und in Familien, Missbrauch von Menschen, Krankheit (nicht nur Corona), Verlassenheit, Leiden an sinnlosen Schicksalen? Hiobs-Geschichten in verschiedenen Variationen.
Muss das alles so sein? Wenn ja, warum tritt Gott nicht in diese Situationen hinein und erweist sich als Halt für diese angefochtenen Menschen?
Im Gegenteil, er zeigt der angefochtenen und gequälten Welt im Geschehen von Karfreitag, wer er ist. Christus, der Gekreuzigte, in ihm allein ist Gott zu erkennen.
Paulus ist weit davon entfernt, uns und den Juden diesen Gedanken über die Schwachheit Gottes ausreden zu wollen. Er
selbst weiß aus eigener Erfahrung um Anfechtung. Er hat erlebt, was es bedeutet in der Nachfolge Jesu, das eigene Kreuz (Gottes Weg für ihn) auf sich zu nehmen und für Christus zu leiden. Er kann sogar schreiben: Wir rühmen uns der schweren Zeiten, der Trübsale, denn sie lassen uns noch mehr auf ihn vertrauen. Und im Blick auf Jesu Weg zum Kreuz sehen wir, dass Gott selbst, aus Liebe zu uns, die größte Trübsal für uns durchlitten hat.
Gott will in uns Glauben wirken. Dazu ist es nicht nötig, dass er sich mit Zeichen und Wundern und großer göttlicher Herrlichkeit zeigt. Wenn er dies tun würde, dann wäre Glaube nicht mehr nötig. Dann ginge es nur darum, dass dieser Gott unsere Erwartung für unser irdisches Leben erfüllt: Wohlstand und Gesundheit.
Er will unser Vertrauen gewinnen. Er will, dass wir darauf vertrauen, dass er uns durch Jesu Tod erkauft hat, damit wir jetzt schon hier in allen Anfechtungen und Schwierigkeiten dieses vergänglichen Lebens mit ihm leben. Das Ziel des ganzen ist ewiges Leben in Gemeinschaft mit Gott auf der neuen Erde. Die göttliche Kraft erscheint menschlich gesehen in Ohnmacht. Aber sie allein rettet. Wir werden es dann erkennen und sehen, wenn er kommt. Bis dahin, lasst uns diesem gekreuzigten und auferstandenen Herrn vertrauen.
Amen.                                                                                  

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zu 1. Mose 50,15-22

zum 4. Sonntag nach Trinitatis 27. Juni 2021, Rache oder Vergebung?

In unserem heutigen Predigttext geht es um das Miteinander der Menschen, die Gott berufen hat, um zu seinem Volk zu gehören. Es ist ein Beispiel aus den ersten Jahrhunderten des jüdischen Volkes. Alles, was Gott mit diesem Volk tut, ist ein Vorbild für die Gemeinde Gottes, die er sich in Jesus Christus berufen hat. Wie gehen sie miteinander um, wenn sie einander Unrecht angetan haben? Die Vorgeschichte in Stichworten:
Jakob, der Sohn Isaaks und der Enkel von Abraham hatte 2 Frauen, 2 Nebenfrauen, 12 Söhne, davon ein Lieblingssohn der Lieblingsfrau Rahel, den Joseph. Weil sie neidisch sind auf den Lieblingssohn des Vaters, verkaufen sie ihn als Sklaven (fast hätten sie ihn ermordet) und erklären seinem Vater, dass er ein Opfer eines Raubtieres geworden sei. Vom Lieblingssohn zum Sklaven im Ausland, in Ägypten. Vom Sklaven, der im Gefängnis Jahre verbringen muss zum höchsten Mann neben dem Pharao in Ägypten.
Durch Gottes Weisheit bereitet er das Land auf eine 7-jährige Hungersnot vor. Er lässt Vorräte anlegen. Hungersnot herrscht auch in Josephs Heimat. Sein Vater Jakob schickt seine verbliebenen Söhne nach Ägypten, um Nahrung zu kaufen. Bei ihrer zweiten Reise gibt sich Joseph seinen Brüdern zu erkennen. Mit 130 Jahren zieht Jakob und die ganze Sippe nach Ägypten in den fruchtbarsten Teil. Ins Nil-Delta. Nach 17 Jahren stirbt Jakob. Seine Söhne begraben ihn in Kanaan im Grab, dass Abraham gekauft hatte und kommen zurück nach Ägypten. Folgendes geschieht:
50: 15 Weil ihr Vater nun tot war, bekamen Josefs Brüder Angst. «Was ist, wenn Josef sich jetzt doch noch rächen will und uns alles Böse heimzahlt, was wir ihm angetan haben?» 16 Sie schickten einen Boten zu Josef mit der Nachricht: «Bevor dein Vater starb, beauftragte er uns, dir zu sagen:  17 'Vergib deinen Brüdern das Unrecht von damals!' Darum bitten wir dich jetzt: Verzeih uns! Wir dienen doch demselben Gott wie du und unser Vater!» Als Josef das hörte, musste er weinen. 18 Danach kamen die Brüder selbst zu ihm, warfen sich zu Boden und sagten: «Wir sind deine Diener!» 19 Aber Josef erwiderte: «Habt keine Angst! Ich maße mir doch nicht an, euch an Gottes Stelle zu richten! Was er beschlossen hat, das steht fest!  20 Ihr wolltet mir Böses tun, aber Gott hat Gutes daraus entstehen lassen. Durch meine hohe Stellung konnte ich vielen Menschen das Leben retten.21 Ihr braucht also nichts zu befürchten. Ich werde für euch und eure Familien sorgen.» So beruhigte Josef seine Brüder, und sie vertrauten ihm. 22Josef, seine Brüder und ihre Familien blieben in Ägypten wohnen. Josef wurde 110 Jahre alt. 
17 Jahre haben sie miteinander gelebt, doch es war noch nicht zur Versöhnung gekommen. Joseph hatte vor 17 Jahren zu ihnen gesagt:
45:5 Aber ihr braucht euch nicht zu fürchten. Macht euch keine Vorwürfe, dass ihr mich hierher verkauft habt, denn Gott wollte es so! Er hat mich vorausgeschickt, um euch zu retten.  6 Schon seit zwei Jahren hungern die Menschen, und auch in den nächsten fünf Jahren wird man kein Feld bestellen und keine Ernte einbringen können.  7 Gott hat mich euch vorausgesandt, damit ihr mit euren Familien überlebt. Nur so kann ein großes Volk aus euren Nachkommen entstehen.  8 Nicht ihr habt mich hierhergeschickt, sondern Gott! Er hat mir diese hohe Stellung gegeben: Ich bin der Berater des Pharaos, und ganz Ägypten hört auf das, was ich sage. 
Joseph hatte den tieferen Zusammenhang erkannt. Gott kommt zu seinem Ziel auch und gerade mit den Menschen, die aneinander schuldig werden.
Wir werden aneinander schuldig, wir tun uns sogar so schlimme Dinge an, dass menschlich gesehen, nur Rache die Antwort sein kann.
In der Familie, am Arbeitsplatz (Mobbing), in der Nachbarschaft aber auch in der Gemeinde.
Ich möchte folgende Aussage an den Anfang meiner Ausführungen zu diesem Text stellen:
Gerade da, wo die Gemeinschaft in der Gefahr steht zu zerbrechen entsteht sie neu aus der Barmherzigkeit, weil wir auf alles Verurteilen verzichten.
Weil wir aneinander schuldig werden, nennt Paulus im Galaterbrief das Gesetz Christi:
6:2 Kümmert euch um die Schwierigkeiten und Probleme des anderen, und tragt die Last gemeinsam. Auf diese Weise verwirklicht ihr, was Christus von euch erwartet. 
Dies heißt doch, dass wir einander Lasten zu tragen geben. Gemeinschaft zu leben ist keine leichte Sache, sondern wird immer wieder zur Belastungsprobe. In diese Belastungsprobe kamen die Brüder von Joseph in ihren Gedanken. Unser Vater ist tot, vielleicht könnte Joseph jetzt auf die Idee kommen, sich zu rächen uns dafür zu bestrafen, weil wir ihm all das Böse angetan haben. Wieso kommen sie auf diesen Gedanken? War in den 17 Jahren nicht schon längst Gras über die ganze Sache gewachsen. (In den ersten 5 Jahren bestimmt nicht, denn da war Dürrezeit) Wenn wir die Jahre anschauen, so lesen wir nichts davon, dass die Brüder Joseph um Vergebung gebeten haben. Sie hatten das gütige Handeln Josephs stillschweigend hingenommen. Wir lesen nichts von Reue, Umkehr, Einsehen von Unrecht.
Joseph könnte wirklich sagen: Meine Rechnung ist noch nicht beglichen. Wirkliche Vergebung setzt voraus, dass der Schuldige um Vergebung bittet. Doch seit 17 Jahren ist dies nicht passiert.
Die Brüder handeln aus Furcht, nicht aus Schulderkenntnis. Sie schicken zuerst einen Unterhändler, berufen sich auf den Vater und auf den gleichen Gott, dem sie doch auch dienen. Doch galt dies nicht auch damals, als sie ihren Bruder sogar töten wollten.
Wir erkennen in den Brüdern uns selbst. Sie haben es sich mit ihrer Schuld bisher leicht gemacht. Es hatte keine Konsequenzen, aber, sie zeigen mit ihrem Vorgehen, dass sie den Ernst der Lage noch nicht begriffen haben.
Wie sieht dies bei uns aus? Wie gehen wir mit Schuld um?
Sind wir anders als die Brüder damals? Nein, wir Menschen sind alle so. Es ist nicht das Schlimmste, dass wir Schwächen haben, dass wir versagen, das wir es uns untereinander schwer machen mit unserer Bosheit, Lieblosigkeit, Kälte, Eigensucht, Lüge, mit lästerndem Gerede, mit Mangel an Einsatz, mit Habsucht, Rechthaberei usw.
Das sind alles heftige Dinge, doch viel heftiger ist, dass wir darin sitzen bleiben. Wir verteidigen unsere Situation bzw. finden andere, die Schuld daran sind, dass ich so bin bzw. so handeln musste.
Warum fällt es uns so schwer zum Bruder bzw. zur Schwester zu gehen? Warum kommen die bekennenden Worte nicht über unsere Lippen?
Warum entschuldigen wir uns immer wieder, anstatt unsere Schuld zu bekennen?
Nicht das zerstört die Beziehung zu Gott und untereinander, dass wir schuldig werden. Sondern, dass wir unsere Schuld entschuldigen und nicht kapitulieren, und wahre schmerzhafte Buße tun vor Gott und voreinander.
Schauen wir auf die Brüder und Joseph. Was macht Joseph? Er weint. Warum wird er nicht zornig über das Verhalten der Brüder? Findet er das Verhalten der Brüder so erbärmlich, dass man nur barmherzig sein kann?
Sein Verhalten ermutigt die Brüder selbst zu kommen.
Wie reagieren wir auf erbärmliches Verhalten von unseren Geschwistern, werden wir zornig (menschlich) oder weinen wir (von Gottes Geist gewirkt)?
Ich habe bei der Vorbereitung dazu einen wertvollen Satz gefunden:
Wer um den Sünder nicht weint, noch bevor er kommt, ist kaum in der Lage, ihm die Schuld abzunehmen, wenn er kommt.
Doch Joseph überrascht nicht nur durch sein Weinen, ein zweites überrascht:
V:19 Soll ich euch an Gottes Stelle richten bzw. Stehe ich an Gottes Stelle?
Joseph sagt damit: Nicht ich habe zu vergeben, Gott hat euch vergeben - Er hat aus eurem Bösen Gutes gemacht. Römer 8,28 ... denen, die Gott lieben müssen alle Dinge zum Besten dienen.
Nicht wir Menschen können Schuld wegnehmen. Nur Gott kann Schuld wegnehmen.
Obwohl Menschen Böses planen und die Reaktion Rache ist, plant Gott Gutes und vergibt: Rache oder Vergebung: Rache ist menschlich – Vergebung ist göttlich und deshalb Gottes Sache.
Deshalb können wir uns nicht selbst vergeben, sondern Jesus Christus musste an unserer Stelle gerichtet werden, damit er uns vergeben kann.
Jesus hat uns gelehrt zu beten: Vergib uns, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, unseren Eltern, Lehrern, Freunden, Geschwistern, Nachbarn usw. Gott hat sich in Jesus Christus für sie entschieden. In unserem Miteinander brauchen wir nur gelten zu lassen, was Jesus getan hat. Auch für meine Feinde.
Schauen wir nochmals auf die Geschichte der Brüder Joseph. Sie hatten keine vollkommene Reue gezeigt und dennoch war Gott ihnen gnädig. Dies gilt auch für uns heute: Gottes Güte treibt uns zur Umkehr. Gottes Güte macht mir und dir deutlich, dass ich schuldig bin und andere an mir schuldig werden, dass aber seine Güte für ihn und für mich gilt. Gott gedachte es gut zu machen (V. 20). Wozu? Jakobs Söhne sollten nicht zu Grunde gehen, sie sollten die Stammväter seines Volkes werden. Gott gebrauchte schon damals Sünder, um sein Reich zu bauen. Dies bedeutet es auch heute für uns.
Was können wir daraus lernen? Wir dürfen den anderen mit Gottes Augen sehen und erkennen:

  • Gott hat ihm bereits in Jesus Christus vergeben
  • wozu Gott ihn aus Gnaden machen und gebrauchen will

Noch einen Satz, den ich gefunden habe:
„Nichts bindet Menschen so fest zusammen wie dies, dass sie das Wunder aller Wunder, die Versöhnung, die Vergebung miteinander erfahren haben.“
Rache oder Vergebung? Gott will in dir und mir wirken, dass wir voreinander Schuld bekennen und einander vergeben. Denn er gedenkt es immer gut mit uns zu machen.  Amen.

(Raimund Schwarz)

Geistlicher Impuls zur Jahreslosung und zum Jahr 2021

von Pastor Raimund Schwarz

Auf dem ARM des Hirten am VATER-HERZ Gottes

Wenn ich an die Jahreslosung 2021 denke, dann erklingt in mir der Refrain eines Liedes:
„Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein (irdischer)Vater es kann. Er warf unsere Sünden ans äußerste Meer, kommt betet, den Ewigen an.“
Und vor meinem inneren Auge entstand dieses Bild, welches unser ältester Sohn gezeichnet und unsere Tochter beschriftet hat.
In Wort Barmherzigkeit stecken die Worte ARM und HERZ.
Für mich bedeutet Gottes Barmherzigkeit, dass er mich immer wieder auf seinen ARM nimmt, um mich an sein liebendes VATER-HERZ zu drücken. Es erinnert mich daran, wie ich mit unseren ersten beiden Söhnen abends mit dem Rücken ans Stockbett gelehnt saß. Beide auf meinem Schoß und ich erzählte ihnen spontan Geschichten, bevor es ins Bett ging. Später habe ich es auch mit unserem dritten Sohn zusammen mit unserer Tochter so gemacht.
Es erwärmt noch heute mein Herz, wenn ich daran denke. Und ich stelle mir vor, dass es Gott, unserem himmlischen Vater, ebenso geht.

Er freut sich, wenn wir wie Kinder zu ihm kommen, uns bei ihm bergen, ihm alles bringen und erzählen, was wir so erlebt haben: Schönes und Schmerzliches. Gelungenes und Zerbrochenes. Er kann nicht anders, als uns an sein HERZ zu drücken, denn es schlägt voll Liebe für uns. Voller Barmherzigkeit ist er uns zugewandt. Er hat uns so sehr geliebt, dass er sein Liebstes, seinen Sohn für uns gab. Durch Jesu Tod und  Auferstehung ist unser Weg zum VATER-HERZ Gottes wieder frei. Er breitet seine Arme aus, damit jedes verlorene Menschenkind (sei es noch so undankbar und böse (Lukas 6,35)) sich wieder bei ihm bergen kann und wissen darf, du bist ein geliebtes Gotteskind.
Das Sprichwort „auf den Arm nehmen“ wird oft benutzt, um damit auszudrücken, dass jemand angelogen oder getäuscht wird. Weil man kleine Kinder auf den Arm nimmt, bedeutete es ursprünglich aber, dass man jemanden wie ein Kleinkind behandelt, ihn also nicht ernst nimmt und glaubt, er sei naiv und leichtgläubig.
Gott nimmt uns nicht auf den Arm, um uns zu belügen oder zu täuschen. Dies tun wir Menschen gegenseitig oft genug. Dies Verhalten muss uns erschreckender Weise niemand beibringen, es kommt aus unserem Herzen.
Es stimmt eben nicht: Ich bin klein, mein Herz ist rein...

Gott will, dass wir, ja auch wir Erwachsenen, zu vertrauenden Kindern werden, die wissen, dass sie bei ihm sicher und geborgen sind.
Wenn wir diese barmherzige Geborgenheit bei ihm in Anspruch nehmen,  verändert sich auch unser Verhältnis zu unseren Nächsten.
Denn dann nehmen wir einander nicht mehr auf den Arm, wir belügen und täuschen uns nicht mehr, sondern wir profitieren miteinander von der Barmherzigkeit Gottes.
Wir können kommen und bitten: Ich bin klein (bzw. nicht mehr klein) mein Herz mach rein (reinige uns von allem Bösen und aller Undankbarkeit), lass niemand drin wohnen als Jesus allein.

Denn die Liebe  Gottes kommt durch seinen Heiligen Geist überfließend in unsere Herzen. Diese Liebe verändert unser Denken, Reden und Tun. Wir werden fähig, unseren Mitmenschen den Splitter aus ihrem Auge zu entfernen, weil wir selbst zuvor im Licht der Barmherzigkeit Gottes unseren Balken im Auge entdeckt haben, den Gott mit Hilfe der Nächsten uns nimmt.
Er hilft uns barmherzig miteinander, vor allem mit unseren Schwächen umzugehen und darin leuchtet seine Liebe in diese dunkle Welt.
Ihr lieben, von Gott geliebten Mitmenschen, Schwestern und Brüder, lasst uns jeden Abend in den Tagen des Neuen Jahres eine Zeit auf dem Schoss des himmlischen Vaters verbringen:
Ihm erzählen, was wir erlebt und durchlebt haben. Ihm die Dinge und Personen nennen, die wir verletzt haben, damit er sie heilend anrührt.
Bei ihm ablegen, was uns selbst Sorgen macht, denn er ist und bleibt der Vater, der jede Minute um uns besorgt ist.
Ich will mich an diesem Vaterherz bergen. Ich will sein Kind bleiben und mich gerne von ihm auf den Arm nehmen lassen.
Willst du, wollen Sie das auch? Ich wünsche allen ein gesegnetes Neues Jahr an Gottes Vater-Herz.

Ihr/Euer Raimund Schwarz